Awoniyi beim 1:2 hauchdünn im Abseits?

Weil ihre Aufmerksamkeit in der zweiten Halbzeit nachließ, haben unsere Mainzer ihre erste Heimniederlage dieser Saison hinnehmen müssen. Sie waren schön in Führung gegangen, doch der Ex-Mainzer Taiwo Awoniyi machte mit seinen beiden Toren alles klar für Union Berlin. Im Endspurt kam zu wenig von unseren Mainzern, nutzten sie vorne ihre Chancen nicht für einen Torerfolg. Zu allem Unglück flog Dominik Kohr mit einer gelb-roten Karte vom Platz. Da dürfte einiges nachzubereiten sein.

05-Trainer Bo Svensson hatte sein Team ein wenig umgestellt, vor allem im Sturm. Da spielte von Anfang an Marcus Ingvartsen anstatt Boëtius, der diesmal zunächst nur auf der Bank saß – überraschenderweise auch Moussa Niakhaté, der früher als erwartet gesundet war. Barreiro und Kohr wieder im defensiven Mittelfeld, und in der Abwehr wie zuletzt mit Lucoqui, St. Juste, Brosinski, Bell und Widmer, Zentner natürlich im Tor. Von Anfang an dabei waren auch wieder die Ultras, die ihren Protest gegen antisemitische Übergriffe durch Union-Fans (klick) und, nach ihrer Darstellung, „Stimmungsmache“ der Mainzer AZ mit Spruchbändern kund taten. Sie sind wieder da und sie gaben gleich wieder richtig Alarm.

Unsere Jungs attackierten beherzt, kämpften um jeden Ball, wobei beide Teams in der Defensive sehr aufmerksam blieben. Dummerweise verletzte sich St. Juste sehr früh, so dass Svensson ungeplant wechseln musste. Er brachte erstmals in dieser Saison den jungen David Nemeth (starkes Spiel). Was genau St. Juste haben könnte, war im TV nicht zu sehen – ein kurzer Rempler, dann fiel er und hielt sich den Arm. Später hieß es, dass eine Schulter ausgekugelt worden war.

Nach etwa einer halben Stunde verflachte das Spiel ein wenig. Beide Teams fanden kaum ein Durchkommen und unsere Mainzer nicht mehr so oft den Weg in Unions Strafraum. Die Berliner standen nun dichter bei ihren Gegnern, machten die Räume enger und gingen früher auf den Ballführenden. Barreiro kam in der 36. Minute mal zum Abschluss, hatte aber keinen Erfolg. Dann aber doch: Ausgerechnet der von Union Berlin ausgeliehene Marcus Ingvartsen traf zum 1:0. Schön herausgespielt nach einer Balleroberung von Nemeth. Über Burkardt und Onisiwo kam der Ball zu Ingvartsen, der locker mit links den Innenpfosten traf, von wo aus der Ball ins Tor ging! Und mit diesem Vorsprung marschierte das Team in die Pause.

Union kam gut aus der Kabine, hätte gleich den Ausgleich erziehen können, wenn unsere Jungs die Schüsse nicht geblockt hätten. Union brannte gleich ein kleines Feuerwerk ab. Stefan Bell – in seinem 200. Bundesligaspiel für Mainz war er wieder mal ein Fels in der Abwehr. Union presste nun konsequenter, setzte unsere Mainzer stärker unter Druck, die in der Folge mehr Bälle verloren oder ihre Pässe nicht immer an den Mitspieler brachten. Wie schon gegen Leverkusen in den ersten 20 Minuten des zweiten Durchgangs ließen unsere Jungs nun etwas nach. Awoniyi verpasste das Mainzer Tor in der 52. Minute nur knapp. Kruse kurz darauf ebenfalls. Es hätte eine Warnung sein müssen…

In der 67. Minute machten Ingvartsen und Burkardt erst mal Feierabend, für sie kamen Stach und Boëtius. Union hatte jedoch ein Mittel gegen unsere Jungs gefunden: Es gelang ihnen ein toller Konter nach einem Ballverlust von Barreiro. Kruse spielte steil auf Awoniyi, der auf und davon lief, Widmer abdrängte und an Zentner vorbei ins Tor traf.

Und gleich noch mal dasselbe Spiel: Nur dreieinhalb Minuten später brachte Awoniyi sein Team in Führung, da fehlte bei unseren Jungs einfach die Kontersicherung. Hinten waren sie jetzt zu offen. Trainer Bo Svensson später: „Das waren einfach Geschenke von uns.“ Der Coach sprach von Fehlern im Kettenverhalten, dass ein Innenverteidiger höher gestanden habe als die beiden anderen. „Dann hast du Platz für die Tiefe.“

Sollte zudem Awoniyi, wie in einigen TV-Bildern im Nachhinein zu sehen war, beim zweiten Treffer tatsächlich hauchdünn im Abseits gestanden haben, so wäre dieses zweite Berliner Tor wahrlich äußerst tragisch für unsere Nullfünfer. Und ungerecht. Da blieb selbst Bo Svensson nicht mehr viel zu sagen angesichts des Aufwands für den Videobeweis.

Er wollte die erste Heimniederlage vermeiden, brachte Stöger und Niakhaté für Barreiro (war schon erfolgreicher) und Brosinski. Sie machten noch mal viel Druck nach vorne. Onisiwo hatte den Ausgleich auf dem Fuß – er setzte den Ball leider exakt auf Unions Torwart Luthe. Gleichzeitig kam Union weiterhin gefährlich vor das Mainzer Tor. Unsere Jungs hatten ihre Mühe beim Verteidigen – und vorne kamen sie nicht durch. Es lag wohl am Frust, dass Dominik Kohr nach einem weiteren Foul vom Platz flog. Dumm gelaufen. Wie diese gesamte Niederlage.

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