1:3 gegen Dortmund, aber Hauptsache gerettet

Letztes Heimspiel der Saison, und das gegen Pokalsieger Dortmund. Der Mainzer Trainer genehmigte einigen seiner fleißigsten Mitarbeiter erst mal einen Bankplatz, so zum Beispiel Kohr, Mwene und Bell. In der Abwehr spielten deshalb Brosinski und Hack, im Mittelfeld neben Barreiro wieder Danny Latza – für den es das letzte Heimspiel war, da er zurück nach Schalke geht. Überraschend spielten von Anfang an Stürmer Robert Glatzel sowie im Tor Finn Dahmen anstelle von Robin Zentner. Mit Onisiwo hatte Svensson einen zweiten Stürmer aufgeboten und mit Boëtius das offensive Mittelfeld gut besetzt. Ganz klar, von einigen Akteuren will der Trainer noch etwas sehen. Er kann sich ja nun nach dem Klassenverbleib gleich auf die nächste Saison konzentrieren, ja er muss es.

Dortmund ging von Anfang an recht aggressiv gegen diese Mainzer Mannschaft, die jede Menge zu tun hatte, gefährliche Bälle zu unterbinden und die Dortmunder vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Wenn unser Team mal den Ball eroberte, dann ging es aber schnurstracks nach vorne, gab es immer wieder sehr gute Szenen vor dem Tor des BVB. Die blieben allerdings erfolglos.

Die Borussen hingegen gaben wirklich alles und strotzten nach ihrem Pokalsieg nur so vor Selbstbewusstsein. In der 17. Minute sahen wir den Ball schon in Dahmens Tor – aber das Spielgerät strich gerade noch so vorbei. Sie kamen stets schnell und von überall – über links, über rechts oder durch die Mitte, meist in Szene gesetzt von Marco Reus. Unsere Jungs verteidigten in dieser Anfangsphase nicht immer mit ganzer Konsequenz, so, wie wir es zuletzt gewohnt waren.

In der 23. Minute versuchte da Costa zu klären, brachte den Ball jedoch versehentlich auf Sancho, der dann auf den freistehenden Guerreiro passte – und ratzfatz drosch dieser den Ball ins Tor. 0:1. Vermeidbar. In der Konsequenz ließ Svensson seine Auswechselspieler dann mal warmlaufen. Klares Signal: Ich erwarte mehr, das könnt ihr besser. Und in der Tat waren die Dortmunder in den Zweikämpfen bissiger und aggressiver. Die Zweikampfquote lag bis dahin beim BVB bei immerhin 63 % (laut Kicker). Ergo: Wir waren zu harmlos. Der Gegner hätte schon viel weiter vorne gestoppt werden müssen.

Die Gäste spielten, wie sie wollten, weitgehend unbehelligt von unserer Defensive, da wollte auch in der 43. Minute niemand einschreiten, als Sancho und Haaland durch die Abwehr wirbelten – Finn Dahmen regte sich zurecht über das 0:2 auf. Hier scheiterte das Team gerade an seiner eigenen Passivität. Das konnte unserem Trainer unmöglich gefallen. Aber es war auf der anderen Seite auch verständlich, wenn man in der gesamten Saison so unter Druck gestanden hat wie unsere Jungs und alle um sie herum. Zur Pause sah das bei einsetzendem Schlagregen ziemlich düster aus für unser Team. Noch auf dem Rasen standen sie beisammen und diskutierten. Ein gutes Zeichen, wenn die Spieler selbst mit ihrer Leistung nicht zufrieden sind.

Drehte nach der Pause richtig auf: Daniel Brosinski.

Was ganz offensichtlich auch für den Trainer galt, denn er wechselte schon zur Pause aus. Fernandes kam (mal wieder) sowie Quaison – der glücklose da Costa sowie Robert Glatzel mussten runter. Noch immer regnete es heftig, der Schiedsrichter hatte die Pause wegen des Unwetters mindestens doppelt so lange gewährt als normalerweise. Und fast wäre Onisiwo gleich zwei Minuten später ein Treffer gelungen, Niakhaté kurz darauf ebenso. Hier hieß es jetzt, aggressiver in die Zweikämpfe zu gehen und weiter vorne zu verteidigen. Das gelang ihnen jetzt besser, auch weil Dortmund mehr Platz ließ.

Konnte zur Pause mit seiner Mannschaft nicht zufrieden gewesen sein – Bo Svensson.

Quaisons Schuss in der 51. Minute konnte Dortmund gerade noch einmal blocken. Boėtius scheiterte kurz darauf ebenso knapp. Jetzt schalteten sie schnell um, immer wieder wurden sie angetrieben von Brosinski auf der rechten Seite. Sie wirkten in dieser Phase wie ausgewechselt. Und auch wenn sie noch nicht trafen, das war schon eine deutlich bessere Vorstellung.

Latza hätte in der 63. Minute eigentlich treffen müssen. Der Dortmunder Dahoud hielt den Rücken noch dazwischen, sonst wäre hier der Anschlusstreffer gefallen. Aber keine Pause, gleich im Gegenzug entschärfte Dahmen wirklich sehenswert einen Schuss von Haaland. Sehr gut der junge Torwart, wirklich sehr gut. Wenn das nicht mal noch die Nummer eins wird…

Svensson wechselte in der 72. Minute erneut, Stöger für Boëtius, Szalai für Onisiwo (starkes Spiel). Tatsächlich hatte ich auf den Ungarn in der Sturmspitze gehofft, denn er hätte den ein oder anderen Treffer vielleicht noch erzwungen. Denn bei Dortmund ließ so langsam die Konzentrationsfähigkeit nach. Das wussten unsere Jungs allerdings nicht zu nutzen.

Dortmund machte in der 79. Minute alles klar. Haaland rieß sich von Hack los, tankte sich durch, passte auf Brandt, der kurz zuvor für Reyna eingewechselt worden war, umspielte Torwart Dahmen und schnippte den Ball ins Tor. 0:3. Sei‘s drum. Doch bitte jetzt nicht absaufen in den letzten acht Minuten. Szalai hatte im Gegenzug die Chance auf einen Treffer – er schoss nicht platziert genug. Dann kam Dominik Kohr und unser Kapitän Danny Latza ging vom Platz. Applaus für den Spieler, der so lange seine Knochen für unseren Club hingehalten hat. Mach’s gut, Danny! Und sorg dafür, dass ihr bald wieder erstklassig seid.

Dann doch noch einen Elfmeter für Mainz wegen Handspiels. Unser Schwede vollendete und ist damit Vereins-Rekordhalter bei den Torschützen. Nur noch 1:3. Wenigstens einen Treffer. Und dann war Schluss. Erleichterung überall – Dortmund für die Champions League qualifiziert, Mainz gerettet. Und Letzteres ist ohnehin die Hauptsache.

Applaus für Danny Latza, der den Verein verlässt.

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