Eine unfassbare Leistung

Irgendwie klang das zu schön, um es glauben zu können, damals, im Dezember 2020: „Wenn ein Verein das schaffen kann, dann Mainz 05“, hatten Martin Schmidt und Christian Heidel über ihr Vorhaben sinniert, zur Rückrunde dieser Bundesliga-Saison die Klassenzugehörigkeit noch zu sichern. Das sagen ja irgendwie alle, wenn sie ganz unten stehen. Die wenigsten aber, ja, niemals zuvor, hatten zum Ende der Hinrunde gerade mal sieben Punkte eingefahren. Das klang wie reiner Zweckoptimismus. War es vielleicht auch. Aber sie haben dran geglaubt. Wirklich dran geglaubt. Und sie sind zu diesem Himmelfahrtskommando gestoßen, um das noch wahr zu machen – Bo Svensson, Martin Schmidt und Christian Heidel. Alles schien am Boden – die Mannschaft spielte desolat, der Trainer war entlassen worden, der Co-Trainer schaffte es auch nicht und schließlich warf auch noch der Sportdirektor hin. Dürftige sieben Punkte aus der Hinrunde – und trotzdem an den Klassenverbleib glauben?

Tatsächlich ist das gelungen. Das obendrein noch unter sportlichen Vorzeichen, die alles andere als günstig erschienen und den wenigsten Fans entsprechenden Optimismus vermitteln konnten, selbst an die Rettung zu glauben – den Torjäger abgegeben, den für viele Millionen verpflichteten linken Verteidiger wieder nach Spanien entlassen. Aber es gab eine Philosophie, eine Spielidee, ein taktisches Vokabular oder meinetwegen einen Baukasten, den der ehemalige 05-Verteidiger und heutige Trainer Bo Svensson zu einem großen Teil von seinen Vorgängern vermittelt bekam. Nicht zu vergessen Babak Keyhanfar, mit dem Svensson intensiv und auf Augenhöhe zusammenarbeitet. Ein Duo, das Unglaubliches, ja, Historisches, geleistet hat. Mit einer Vereinsführung, die endlich wieder Ruhe in den Club gebracht hat!

Svensson hat an die Mannschaft geglaubt. Mit einigen Spielern hat er früher schon zusammengearbeitet, darauf konnte er aufbauen. Er hat sehr schnell die Stärken und Schwächen einzelner Akteure ausgemacht, hat Spieler aktiviert, die von seinem Vorgänger schon nicht mehr berücksichtigt worden waren. Er hat auch menschliche Stärken seiner Schützlinge erkannt. Er weiß, welche Spieler andere besser machen können, wer mit wem harmonieren kann, und er hat ihnen Selbstvertrauen vermittelt. Die Mannschaft hat plötzlich eine Mentalität entwickelt, an die man schon gar nicht mehr hätte glauben können, die sie so noch nie gezeigt hatte. Oder hatte zeigen können.

Wir bleiben in der ersten Liga!

Positive Entwicklungen hatten wir nach Svenssons Einstieg schon früh feststellen können – selbst im Spiel gegen Frankfurt, das das Team wegen zweier Elfmeter verloren hatte. Was wäre geschehen, wenn Robin Zentner diesen dummen Lapsus gegen Augsburg nicht gemacht hätte? Selbst im Spiel gegen Schalke waren Fortschritte zu sehen, vor allem hinsichtlich der kollektiven Defensivleistung. Svensson hatte sich noch in der letzten Pressekonferenz über das Fachmagazin Kicker aufgeregt – „eine Frechheit“ – weil dieses das Schalkespiel mit der Note sechs bewertet hatte. Nein, der Mann hat eine Menge Ehrgeiz, nicht nur Fachwissen, nicht nur Ruhe, nicht nur Gelassenheit und Respekt vor anderen. Der Mann hat Größe.

Ganz egal, ob sich die Journaille an diesem Spieltag vor allem auf Robert Lewandowski stürzt, weil er Gerd Müllers Torerekord eingestellt hat. Das, was unser Verein geschafft hat, ist einmalig, hat es so zuvor noch nie gegeben. Das ist Mainz 05! Das war zuletzt mindestens so geil wie unter Jürgen Klopps Ägide. Und das macht Lust auf mehr, das erzeugt Spannung, was da noch alles kommen könnte.

Etliches dürfte geschrieben werden in diesen Tagen, von einer fantastischen Team-Leistung und den unglaublichen fußballerischen Fähigkeiten eines dänischen Trainers, von den richtigen Menschen an den richtigen Stellen im Verein und deren richtigen Entscheidungen.

Daher einfach mal zum Wichtigsten:

Vielen Dank an alle Beteiligten!

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