Mainzer Schützenhilfe für die Eintracht?

Frankfurt gegen Mainz – an und für sich schon ein Spiel mit Brisanz. An diesem Sonntag (15.30 Uhr) aber geht es um mehr als sonst: Für die SGE um eine Teilnahme an der Champions League, für unsere Jungs um nichts anderes als um den Klassenverbleib. Obendrein hat unser Club zwei Frankfurter für diese Rückrunde verpflichtet, Dominik Kohr und Danny da Costa, die wesentlichen Anteil an der Aufholjagd der Nullfünfer haben. Ob das aber in Frankfurt so weitergehen kann? Der Mainzer Trainer Bo Svensson sieht sehr viel Qualität beim Gegner – das Team hat in dieser Saison noch kein Heimspiel verloren, und der Coach hat angesichts der letzten 31 Spiele „einen Riesenrespekt“ vor der SGE, findet deren Leistung „sehr, sehr beeindruckend“ und lobte Trainer Adi Hütter in den höchsten Tönen. Svensson hofft auf einen guten Tag seiner Jungs, auf eine Topleistung, etwas Spielglück und eine hundertprozentige Umsetzung seiner Vorgaben.

Warum nicht? Warum sollte das mal nicht funktionieren, dass unser Team der Eintracht die erste Heimniederlage dieser Saison beibringt? Schließlich hat die SGE das Hinspiel gewonnen, seit ewigen Zeiten überhaupt mal wieder in Mainz gesiegt. Zwei Elfmeter von Silva besiegelten das Schicksal unseres Teams am 9. Januar – letzter Tabellenplatz, Absturz ins Elend. Seitdem aber hat sich einiges verändert. Unseren Jungs ist bei konsequenter Umsetzung der gewünschten Svenssonschen Spielweise etwas zuzutrauen. Auch wenn Stefan Bell wegen seiner fünften Gelben Karte gesperrt ist, dann müssen halt Moussa Niakhaté und Alex Hack den Frankfurter Torjäger Andre Silva stoppen. Die Eintracht kann sich den so begehrten Champions-League-Platz immer noch in den beiden restlichen Spielen gegen Schalke und Freiburg sichern. Oder mit unserer Schützenhilfe: Wir könnten eine Woche später die Borussia aus Dortmund auf Distanz halten. Und noch mal eine Woche später den weiteren Eintracht-Konkurrenten Wolfsburg. Ist doch kein schlechter Plan 😉 Zumal ich mich da an einen letzten Spieltag gegen Hoffenheim erinnere, an dem wir noch mal so richtig was rausgehauen haben: Rückstand, dann Aufholjagd mit Sieg. Unter dem damaligen Trainer Sandro Schwarz.

Selbst wenn Svenssons Mannschaft eine Topleistung an diesem Sonntag (15.30 Uhr) erbringen würde, stehe auf der anderen Seite noch immer ein Team, bei dem es ebenfalls um sehr viel gehe, sagt der Trainer. „Die Eintracht hat zu Hause noch keine Begegnung verloren, sie spielt eine überragende Runde – und das nicht wegen Glück, sondern weil da eine Handschrift des Trainers zu erkennen ist, die sehr gut umgesetzt wird. Weil sie einfach sehr gut arbeiten.“ Sein eigenes Team müsse es besser machen als in der zweiten Halbzeit gegen die Hertha: Die Abstände zum Gegner kürzer halten, konsequenter pressen, abgesichert in die Zweikämpfe gehen. Die SGE habe viele gute Einzelspieler, sagte Svensson, der einige aufzählte. „Bietest du ihnen zu viele Räume an und zu große Abstände, dann wird es schwer zu verteidigen. Dafür sind sie zu gut.“ In jedem Fall werde es ein interessantes und ein intensives Spiel.

Ansonsten hatte sich der Coach nicht gerade vielen zielführenden Fragen der Journaille zu stellen: Einer seiner Vorgänger, Thomas Tuchel, sei gerade zum zweiten Mal in ein Champions-League-Finale eingezogen. Ob es auch ein heimlicher Traum von ihm sei, mal für ein Champions-League-Finale an der Seitenlinie zu stehen? Davon sei er weit, weit weg, das beschäftige ihn absolut null, sagte der Mainzer Trainer, der ansonsten nur voll des Lobs über Tuchel und Klopp war.

Ob das jetzt ein Endspiel sei? Nein, es gebe immer nur ein Endspiel, aber man habe danach ja noch zwei weitere Spiele, antwortete der Däne geduldig. Auch von dem Terminus Matchball wollte der Trainer nichts hören.

Warum sein Team am Sonntag gewinne? Das wollte Svensson nicht geradeaus beantworten, das sei leider nicht so einfach. Der Fokus liege auf der Leistung seines Teams. „Und was wir tun müssen, um gegen die Eintracht eine Chance zu haben.“

Und was ist mit dem Begriff Derby? Ist es denn ein Derby? In dem Begriff sieht der Coach eine gewisse „Inflation“. Er verstehe Derby als ein Spiel zwischen zwei Mannschaften ein und derselben Stadt, meine Svensson, der aber eine gewisse Rivalität zwischen beiden Teams schon verstehen kann.

Ob es eine Einsatzgarantie für die Frankfurter Leihgaben gebe? Nein, gebe es nicht.

Was in meinen Augen auch völlig vernachlässigbar ist. Gerade jetzt, da es um sehr viel geht. Natürlich wünschen wir uns einen großen Schlag – einmal gewinnen und sich der Sorgen entledigen, den Klassenverbleib sichern. Das wär’s. Aber zweitens kommt es anders…

Unser Team ist derzeit wie alle Erstligisten in einer Mannschafts-Quarantäne – Adresse Favorite Parkhotel. Wo schon Kloppo mit seinen Jungs abstieg. Nur der Arzt darf rein und raus. Aber das ist eine Situation, mit der alle Teams klar kommen müssen.

Kleiner Nachtrag am Rande: Ex-05-Sportdirektor Rouven Schröder ist nun doch beim frischgebackenen Zweitligisten FC Schalke 04 untergekommen – als Sportvorstand. Viel Glück, mehr Glück, als Christian Heidel hatte! Was ist diese Fußballwelt so irre: Der eine kommt von Schalke, der andere geht dorthin.

Egal. Jetzt zählt das Spiel in Frankfurt. Und die Rettung. Vielleicht kann Ádám Szalai der SGE wie im vorigen Jahr noch mal einen einschenken. Immerhin hatte er seine Freude über sein Tor (Foto) anschaulich demonstriert.

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