2:1 – Mainz kauft Bayern den Schneid ab

Sooo ein Tag…. Es waren gerade mal drei Minuten gegen die Bayern gespielt, da bekam Johnny Burkardt den Ball via Flanke zentral an der Strafraumgrenze und mit dem Rücken zum Tor. Niemand rechnete offenbar damit, dass der U21-Nationalspieler sich doch noch drehen und dabei schießen würde. Wohl auch nicht Bayerns Torwart Neuer. Den Schuss habe er nicht kommen sehen, weil der Schütze verdeckt war, sagte Neuer nach dem Spiel, so dass der Ball ins Tor ging. 1:0 für Mainz. Noch-Bundestrainer Jogi Löw hatte es von der Tribüne aus gesehen.

05-Trainer Bo Svensson hatte vorab ernsthaft von einem Sieg gegen die Bayern gesprochen. Sein Team hatte er ordentlich umgestellt in dieser Englischen Woche. Da Costa, gerade Vater geworden (die Mutter ist übrigens die Tochter der Eintrachtlegende Uwe Bein), stand für Brosinski in der Startelf, außerdem neu dabei: Hack, Latza, Quaison und Burkardt für Bell, Kohr, Boëtius und Szalai, die jedoch alle auf der Bank saßen. Unsere Mainzer also sehr mutig mit drei Stürmern.

Johnny Burkardt hat zum 1:0 getroffen.
Foto: Onefootball/imago-images/Patrick Scheiber/Jan Huebner

Bei den Bayern kehrte Torjäger Lewandowski nach überstandener Verletzung zurück, der Gerd Müllers Saison-Torrekord von 40 Treffern unbedingt genauso knacken wollte, wie das gesamte Team die Meisterschaft am liebsten In Mainz schon perfekt gemacht hätte.

Die Gastgeber hatten was dagegen – aber war das wirklich realistisch? Die Bayern schienen überrascht nach der frühen Mainzer Führung, zumal unsere Jungs immer wieder sehr schnell umschalteten und vor Neuers Tor kamen, leider geradezu mit ihren Chancen etwas schluderten. Latza scheiterte mit seinem Kopfball nur knapp, da Costa traf nur den Pfosten, Quaison kam einen Schritt zu spät vor Neuer. Unsere Jungs kombinierten prima, erkannten die freien Räume, die uns die Bayern sträflich ließen. Obendrein liefen sie den Gegner sehr früh und konsequent an, giftig, aggressiv und gaben keinen Ball verloren.

Nicht dass die Gäste keine Chancen gehabt hätten – Lewandowski haute einmal drüber, ansonsten schlugen unsere zehn Feldspieler – ja, so kompakt standen sie oft – vor dem eigenen Sechzehner diszipliniert alles weg. Ja, die Münchner wirkten etwas ratlos, hatten sich noch nicht auf die Mainzer Spielweise eingestellt. Aber wir wussten es auch so: Dem mehrfachen deutschen Meister genügt meist nur eine gute Szene.

Aktiv bleiben, aktiv bleiben – forderte Bo Svensson von seinen Spielern immer wieder. Denn wer passiv wird, verliert eher. Und genau das nahmen sich die Jungs zu Herzen. Quaison ließ sich in der 37. Minute bereitwillig von Boateng foulen. Phillipp Mwene trat den perfekten Freistoß vom linken Halbfeld aus. Und was geschah? Der Gefoulte selbst köpfte den Ball in Neuers Tor. Tschaka. Alter Schwede, er trifft wieder. 2:0. Und wir staunten.

Robin Quaison köpft zum 2:0 ein.

Die Bayern wurden ruppiger. Goretzka hätte vermutlich zweimal gelb verdient gehabt, hatte Glück, dass er nur eine sah. Burkardt, der schon kräftig auf die Nase bekommen hatte bei einem Zusammenstoß mit Kimmich, war besonders häufig das Ziel.

2:0 stand es zur Pause – genau wie im Hinspiel. Diesmal aber mussten unsere Jungs den Vorsprung unbedingt über die Ziellinie bringen. Laufleistung und Zweikampfquote sprachen schon mal eindeutig für die Gastgeber. Das waren gute Anzeichen.

Der FC Bayern wechselte zur Pause. Choupo-Moting, Musiala und Nianzou verdrängten Sané, Goretzka und Coman – fast die gesamte Offensive. Bo Svensson erlöste zum Wiederanpfiff den angeschlagenen Burkardt – es bestand Verdacht auf Gehirnerschütterung – und brachte seit langer Zeit mal wieder Levin Öztunali. Bayern ging sofort sichtbar giftiger und aggressiver ans Werk, griffen unsere Jungs jetzt deutlich früher an. Barreiro kassierte dank Robert Lewandowskis Ellenbogen gleich einen blutenden Cut über dem rechten Auge. Gelbe Karte? Fehlanzeige. Barreiro musste wie schon Burkardt zuvor minutenlang behandelt werden. Im Gegenzug reklamierte Lewandowski (und er reklamiert oft) bei einem Zweikampf mit St. Juste – der daraufhin die gelbe Karte bekam. Unsere Jungs schonten sich hier wahrlich nicht.

„Wir müssen das dritte Tor machen“, hatte Sportdirektor Martin Schmidt in der Pause geraten und an das Hinspiel erinnert, das seiner Auffassung nach nicht verloren gegangen wäre, wenn die Mainzer den dritten Treffer erzielt hätten. Und Chancen dafür hatten sie. Allerdings wurden diese immer seltener, gab es immer seltener Entlastung für die Defensive. Svensson reagierte, brachte Boëtius für Quaison. Flick reagierte ebenfalls, nahm Alaba runter und brachte Gnabry.

15 Minuten noch zeigte die Uhr. Die Bayern griffen wütend an, doch waren unsere Jungs mit Leidenschaft und Disziplin am Verteidigen. Im Mittelfeld holten sie den Gegner nicht mehr so häufig ab und auch das Umschaltspiel kam nicht mehr so ins Tempo – das Spiel hatte Kraft gekostet. Onisiwo machte dann Robert Glatzel Platz. Der Österreicher hatte sich unglaublich aufgerieben und viel auf die Nase bekommen. 10 Minuten noch. Barreiro mal wieder mit einem Schuss aufs Tor – vorbei. Bayern versuchte es weiter, vor allem über seine rechte Seite, aber Zentner war da.

5 Minuten noch. Längst hatten sich vor dem Stadion etliche Fans versammelt, um ihre Jungs anzufeuern. Jetzt nicht auf den letzten Metern nachlassen. Schiedsrichter Harm Osmers würde angesichts der Verletzungen nachspielen lassen. Da Costa musste dann raus, Brosinski kam und Kohr für Barreiro. Und noch einmal Eckball für unser Team. Vier Minuten gab es obendrauf.

Unerträgliche Spannung. Bayern gab noch mal Gas, während sich unsere Jungs dagegenwarfen. Lewandowski traf aber noch einmal nach überflüssig blödem Fehler von Hack zum Anschlusstreffer. Aber egal. Hier lag eine Sensation in der Luft. Alles Helden, unsere Jungs, unglaublich, diese Leistung! 2:1 Fast die Rettung ist dieser Sieg! Und ich möchte bitte nicht hören, wir hätten nur gewonnen, weil die Bayern heute so schlecht waren. Wir haben ihnen den Schneid abgekauft.

Martin Schmidt sah es nach dem Spiel realistisch – es ist noch nichts erreicht. Auch Freiburg hatte einmal die Bayern zum Saisonschluss besiegt und war mit 34 Punkten dann noch abgestiegen. Das ist genau die Punktzahl, die wir jetzt haben. Also, weiter so!

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