Was ist da eigentlich passiert?

Ein tolles Foto (René Vigneron rsp Onefootball/imago-images), das Jonas Hector vom 1. FC Köln und Danny da Costa von Mainz 05 zeigt, wie sie nach dem 3:2-Sieg der Nullfünfer am Spielfeldrand sitzen, der Sieger den Verlierer tröstet. Starke, starke Geste von dem Mainzer Leihspieler, der nicht nur ein großes Kämpferherz hat, sondern auch ein mitfühlendes für den Gegner. In der Tat war diese Niederlage für die Kölner schwer zu begreifen, da sie fast durchweg die bessere Mannschaft in dieser Begegnung waren. Trotzdem verloren sie nicht nur das Spiel, sondern am Ende auch ihren Trainer. Das Mainzer Gegenüber, Bo Svensson, fragt sich wohl bis heute, wie seine Jungs dieses Spiel gewinnen konnten, da sie im ersten Durchgang den bislang schlechtesten Auftritt unter seiner Führung gezeigt hätten. „Solch ein Spiel gewinnst Du nur einmal“, hatte Svensson gesagt. Über solch ein Spiel werden wir aber auch noch lange reden. Denn möglicherweise ist in dieser Begegnung etwas Entscheidendes passiert.

Wer sich die Daten dieses Spiels anschaut (Klick), erkennt, dass der FC fast alle Werte für sich verbuchen konnte – vor allem im ersten Durchgang die Zweikampfquote. Unsere Jungs kamen nicht gut hinein, ja, sie standen zu weit weg vom Gegner, sie hatten kaum Balleroberungen, die Positionsaufgaben seien nicht erfüllt worden und die Lösungen mit Ball zu schlecht gewesen, monierte Svensson schon direkt nach dem Spiel. Der Coach will deshalb alle diese Punkte gleich in dieser Woche im Training besonders intensiv durchgehen. Offenbar befürchtet Svensson ein Zurückfallen seines Teams in alte Muster. Jedenfalls werde eine solche Leistung wie in Köln für die Spiele der kommenden Wochen nicht ausreichen, sagte der Trainer. Oha. Es warten immerhin noch einige Brocken auf die Mannschaft – Bayern, Dortmund, Frankfurt, Wolfsburg. Also heißt es jetzt pauken im Training – die Ordnung gegen den Ball, ein besseres Anlaufen des Gegners, eine bessere Zweikampfquote und ein insgesamt wacheres Team. Die Leistungsgarantie wird Svensson wie immer von seinen Akteuren einfordern.

Leandro Barreiro zieht ab, beide Kölner Horns haben das Nachsehen, der auf dem Platz und der im Tor. Ein wenig Glück gehörte bei diesem Treffer freilich dazu, aber solch einen Schuss muss man sich auch erst einmal zutrauen. Foto: Onefootball/imago-images/Jan Hübner

In der Pause des Kölnspiels muss der Coach seine Jungs etwas aufgerüttelt haben, es sei dann „einen Tick besser“ gewesen (vor allem die Zweikampfquote), so Svensson in der dienstäglichen Medienrunde (hier eine hervorragende Analyse). Ganz so schlecht kann der Auftritt dennoch nicht gewesen sein, wenn man sich mal nur den Angriff, der zum Siegtor führte, anschaut: Weiter Pass von Niakhaté von der linken Abwehrseite nach weiter vorne zu Philipp Mwene, der sofort durchstartete und den Ball auf den im Zentrum mitgelaufenen Leandro Barreiro ein wenig zurückpasste. Der Luxemburger Nationalspieler erwischte das Spielgerät nicht richtig, machte dann so etwas wie eine Art Scherenschlag (Foto) und erwischte den Ball wohl fast optimal mit dem Spann. Jedenfalls flog das Leder flach geradeaus und stracks ins lange Eck des Kölner Tores. Ausgerechnet Barreiro, der junge Mann, der Svensson bereits als Jugendtrainer hatte und ihn einst mit den Worten nach Liefering verabschiedete: „Hoffentlich arbeiten wir noch mal zusammen.“ Soviel Wertschätzung auf beiden Seiten ist dann vielleicht der Klebstoff, der zum Erfolg führt. Barreiro ist jedenfalls einer, der dem Trainer genau zuhört.

Ist die Mannschaft jetzt vielleicht zu optimistisch für das Spiel am Sonntag gegen die um zwei Punkte schlechtere Berliner Hertha? Das wird Svensson verneinen. Und er hat immerhin schon jetzt dafür gesorgt, dass seine Mannschaft fokussiert bleibt.

Foto: Onefootball/imago-images

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