Irres Spiel in Köln – Mainz behält die Oberhand

Mainz 05 hat an diesem Sonntag einen weiteren großen Schritt in Richtung Klassenerhalt getan. In einer sehr aufreibenden und spannenden Begegnung siegten unsere Jungs beim 1. FC Köln mit 3:2. Mann des Tages ist eindeutig Leandro Barreiro, der dieses umkämpfte Match mit einem sehenswerten Treffer in der Nachspielzeit entschied.

Trainer Bo Svensson hatte sein Team für dieses sehr wichtige Spiel gegen Köln umgestellt: Ganz vorne stürmten Onisiwo und Burkardt, und rechts außen verteidigte wieder da Costa. Brosinski hatte seine Blessur aus dem Bielefeldspiel noch nicht ganz überwunden, deshalb saß er nicht mal auf der Bank.

Belastend waren eher die Voraussetzungen dieser Begegnung für unser Team – verlöre es, fiele es zurück auf Platz 17. Holte es einen Punkt, verließe es den Relegationsplatz. Holte es gar drei Punkte, würde es sogar die Hertha überholen und auf Platz 14 landen. Allerdings besteht dieses enge Tabellenverhältnis schon in fast der gesamten Rückrunde und müssen Punkte ohnehin her. Was auch für die Kölner gilt.

Freude über Mainzer Treffer

Die Gastgeber machten sofort ordentlich Druck und versuchten, das Mainzer Spiel früh zu unterbinden. Unsere Jungs konnten sich jedoch ordentlich befreien. Und sie erzielten sogar das erste Tor. Über eine Ballstafette von der rechten Seite ausgehend von da Costa auf Barreiro kam das Spielgerät zu Boëtius, der es direkt, wirklich sehenswert, an die Unterkante des Kölner Tores setzte. Von dort aus prallte der Ball hinter die Linie. 0:1 aus Kölner Sicht. Boëtius – ein Spieler zwischen Genialität und Schlampigkeit. Hier hatte er all sein Können mal wieder bewiesen.

Köln brauchte etliche Minuten, sich zu berappeln, kam dann jedoch plötzlich häufiger vors Mainzer Tor. Anderson hatte zweimal fast direkt hintereinander die große Chance zum Ausgleich. Beim ersten Mal schoss er vorbei, beim zweiten konnte ihn Niakhaté gerade noch abdrängen. Da hatten sie den Schweden zweimal aus den Augen verloren. Die Drangphase der Kölner hielt an, das Spiel wurde ruppiger – es gab heftige Fouls und die ersten gelben Karten (Duda und Katterbach). St. Juste musste zwischendrin an der Nase behandelt werden.

Dann mal wieder ein Angriff unserer Mainzer, bei dem Horn das 0:2 gerade noch verhinderte. Der Mainzer Vorsprung war dünn angesichts der zunehmenden Kölner Dominanz. In dieser Phase blieben die Nullfünfer zu passiv.

Barreiro und Svensson nach dem Abpfiff.

Dann sehr kurios – Mwene bekam im Strafraum bei einer Flanke aus etwa 2, 3 Metern den Ball an den Arm – Schiedsrichter Brych ließ zunächst weiterspielen. Nach Protesten der Kölner und vermutlich des Video-Schiedsrichters pfiff Brych dann doch Elfmeter. Torwart Zentner ahnte die Ecke, war dran, konnte den Treffer aber nicht verhindern. Ausgleich. Und nach meinem Empfinden absolut ungerecht. Das war ja kein absichtliches Handspiel. Leider gehört es so zum Regelwerk.

Barreiro hatte Minuten später die Chance, wieder vorzulegen, doch verhinderte Kölns Torwart Horn Schlimmeres. Mit 1:1 ging es in die Pause. Bilanz bis dahin: Köln hatte mehr Spielanteile, Mainz die deutlich besseren Chancen. Aber sie setzten nicht entschlossen genug nach.

Köln kam giftig und mit zwei Auswechslungen aus der Kabine. Sie wollten hier offensichtlich noch intensiver den Gegner beackern, um ihm den Schneid abzukaufen. Burkardt bekam dann auch so heftig mit dem Ellenbogen eines Kölner Spielers ins Gesicht, dass er ausgewechselt werden musste. Das Spiel wurde einige Minuten unterbrochen. Für Burkardt kam Szalai, also ein weiterer körperbetont spielender Akteur.

Riesenglück dann für unsere Mainzer in der 57. Minute, dass Wolfs Schuss aufs Tor ans Aluminium ging und von dort aus direkt auf Robin Zentner, der den Ball sofort wegschlug. Köln konnte mit dem Spielstand nicht zufrieden sein – und wie ich es so schreibe, verwandelte Kölns Skhiri einen von Hector getretenen Freistoß. Auch hier war Zentner noch dran, konnte das Tor aber nicht verhindern. 2:1 aus Sicht der Gastgeber. Jetzt bloß nicht die Köpfe sinken lassen.

Nein, das taten unsere Jungs nicht. Gerade mal vier Minuten später eroberte Mwene auf der linken Seite den Ball und passte zu Boëtius, der sofort weiterstürmte und den Ball in die Mitte flankte, wo Onisiwo heranrauschte und den Ball in unnachahmlicher Stürmermanier in das Kölner Tor grätschte. Sehr geil gespielt!Jetzt sah es aus, als ob unsere Mainzer mehr zweite Luft hatten als die Kölner.

Da war jetzt enorm Spannung drin. Mainz drückte vorne immer wieder, während es Köln vor allem mit Kontern versuchte. Svensson wechselte, für die beiden Torschützen Onisiwo und Boëtius kamen Latza und Quaison. Köln ging in dieser Phase massiv gegen ballführende Mainzer vor, meist mit zwei oder drei Spielern gleichzeitig, was selten ohne Foul ausging. Etliche Spieler der Gastgeber hatten sich aber selbst verletzt, was unsere Jungs zu dieser Phase jedoch nicht ausnutzten – die Präzision fehlte nun vor allem im Angriff.

Sechs Minuten gab Schiri Brych obendrauf, sechs Minuten – die unsere Mainzer nutzten. Mit einem wahnsinnstollen Pass von Niakhaté in die Spitze auf Mwene, der – nicht mal so exakt – auf Barreiro zurückpasste, der wiederum den Ball nicht optimal annahm, trotzdem schoss und seinen 20-Meter-Schuss ins lange Eck donnerte. 3:2 aus Mainzer Sicht. Welch ein Spiel! Welch ein irres Spiel! Und wie geil ist das für den jungen Barreiro, der sich zu einem Spitzenfußballer entwickelt hat! Und zu einem Leistungsträger in diesem Abstiegskampf, einem, der nie aufgibt. Diese Mentalität war letztlich entscheidend.

Jetzt Hertha am nächsten Sonntag schlagen! Vielleicht haben wir dann ein klitzekleines Polster auf die nächsten schweren Begegnungen mit den Top-Teams.

Bo Svensson jedoch brachte sein Team gleich nach dem Abpfiff wieder auf den Boden der Tatsachen: Die Leistung in der ersten Halbzeit sei die schlechteste gewesen, seit er Trainer der Nullfünfer ist. Zu passiv sei es gewesen, zu groß die Abstände zum Gegner. Das hat die Mannschaft dann nach der Halbzeit besser gemacht.

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