Gegen Augsburg muss vor allem die Leistung stimmen

Eine Nachricht mit rassistischem Inhalt an 05-Stürmer Karim Onisiwo machte in dieser Woche Schlagzeilen. Der gebürtige Österreicher hatte nach dem Spiel in Gladbach eine Nachricht bekommen, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Der Umstand alleine ist schlimm genug, dass es noch immer solche Spacken gibt. 05-Trainer Bo Svensson sprach deutliche Worte dazu bei der Pressekonferenz zum Spiel gegen den FC Augsburg: „Diese Leute haben keinen Platz bei uns und sollen auch weniger Platz haben in der Gesellschaft.“ Es fällt schwer, angesichts solch grenzenloser Niedertracht zurück zum Fußball zu kommen.

Gibt es eine Siegpflicht gegen Augsburg, fragte der Kollege des SWR? Svensson zögerte bei der Antwort. Auch er wird wissen, dass er seinem Team kein Alibi geben will, falls es verliert. Deshalb löste er dieses Problemchen gut auf: „Nein, aber die Leistung muss stimmen.“ Es werde ein schweres Spiel werden (Sonntag, 15.30 Uhr) gegen einen Gegner, der viermal in Folge gegen die Nullfünfer gewonnen hat. In Gladbach aber habe sein Team nicht die allerbeste Leistung gebracht und trotzdem gewonnen. Das werde auf die Dauer jedoch nicht reichen. „Wir müssen dafür sorgen, die Mittel zu finden, dem Gegner weh zu tun. Es wird ein sehr enges Spiel und durch Kleinigkeiten entschieden, da bin ich sicher“, sagte Svensson. Augsburg habe bislang eine bessere Saison gespielt als Mainz. Das sage was über den Gegner aus.

Gefordert seien wieder die trainierten Tugenden – hier werden in jüngster Zeit die hohe Laufbereitschaft und die zahlreichen Sprints genannt. Selbst Vorstandsmitglied Christian Heidel sagte jüngst, die Jungs liefen wieder bis zum Umfallen. Was hat sich geändert im Training mit Bo Svensson? Der Trainer holte hierzu nicht groß aus. „Der Zustand von den Jungs war gut, ich hatte eine fitte Mannschaft übernommen. Ich trainiere, wie ich trainiere. Da geht es halt auch darum, die nötige Belastung zu bekommen.“ Karim Onisiwo nannte gegenüber der VRM noch einen anderen Grund: Jeder müsse in jeder Übungseinheit 100prozentigen Einsatz geben, „sonst hast Du bei ihm keine Chance“.

Jeder muss sich reinhauen. Wer es nicht tut, hat bei Svensson kaum eine Chance auf einen Einsatz. „Im Training muss es zur Sache gehen“, sagt er. Weil das Spiel der Nullfünfer von Intensität lebt. Deshalb gebe es in seinem Training auch viel Aktivität, körperlich wie mental, hohes Spieltempo und keine Pausen. Also die Sinne schärfen. „Damit man in der Lage ist, immer zu überlegen, was in zwei, drei Sekunden passieren könnte.“ Und so unmittelbar reagieren, mehr Tempo ins Spiel bringen kann. Aber der Trainer ist zufrieden mit seinen Jungs. „Das machen sie bisher sehr gut.“

Das hat sich sehr verändert in Pressekonferenzen von Mainz 05. Dass der neue Trainer intensiv auf Fragen eingeht, dass er gut erklärt, ernsthaft, aber nicht humorlos ist, dass er uns mitnimmt in seine Denkweise. Wir erfahren, dass ihm nicht nur eine gewisse Körperlichkeit wichtig ist – wie sie Onisiwo, Szalai, Kohr, da Costa und Stöger haben –, sondern auch das Mentale, die gedankliche Bereitschaft, sich ändernden Spielsituationen schnell anzupassen. Das unterscheidet Bo Svensson schon von den letzten 05-Trainern.

Auch über den mittlerweile verringerten Abstand seines Teams in der Bundesligatabelle wollte der Däne keine großen Worte verlieren. Es ist natürlich klar, dass man leicht die Fokussierung auf die nächsten Aufgaben verliert, wenn wir die zuletzt erzielten Punkte zu sehr in den Vordergrund rücken. Klar ist, dass außer Zuversicht noch nichts erreicht ist (Christian Heidel) und man sich von jedem Gedanken lösen müsse, dass man nur gegen Augsburg gewinnen muss, um überm Strich zu stehen (ebd., Podcast anhören).

Nicht alle aus dem Kader dürfen auch spielen. Bislang setzt der Trainer auf fast dieselben Akteure. Mancher ist aber nahe dran an einem Einsatz, wie Svensson sagt. „Die, die nicht spielen, machen schon echt Druck. Um einen guten Trainingsalltag zu haben, brauchst du aber schon die 20, die im Kader sind. Einige gibt es, die mehr Spielzeit verdient haben. Manchmal ist das halt so im Profigeschäft, und da muss man auf seine Chance warten.“ Der Trainer lobte auch diejenigen,die die Gruppe mir ihrer Mentalität unterstützen, auch diese seien sehr wichtig.

Auf Robin Quaison wird Bo Svensson gegen Augsburg wahrscheinlich verzichten; der Schwede absolvierte am Freitag nach überstandener Verletzung sein erstes Training. Vielleicht kommt er doch noch für die letzten Spielminuten auf den Platz. Vielleicht, wenn es ungemütlich wird, wenn wir noch ein Tor brauchen. Denn Spiele gegen Augsburg sind immer ungemütlich, wie auch Christian Heidel schon anmerkte (Podcast anhören). Vielleicht freut sich einer besonders auf den nächsten Gegner: Dominik Kohr spielte schon für die Schwaben. Augsburg muss aufpassen, nicht noch weiter abzurutschen in der Tabelle und nicht vom Abstiegssog mitgerissen zu werden. Schon deshalb geht es um viel für beide Vereine. Unsere Jungs werden in dieser Begegnung wieder in intensive Zweikämpfe gehen und besonders viel laufen müssen. Als Belohnung winkt immerhin ein besonderes Ausrufezeichen: Wir sind wieder da!

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