Irrer Mainzer Dreh in Leverkusen

Mit einer Bilanz von zuletzt sechs verlorenen Spielen gegen Bayer Leverkusen reisten unsere Nullfünfer beim Gegner an. Aber dieser Serie fügten sie diesmal keine weitere Niederlage hinzu. Diesmal zeigte das Team Moral, bewies typische Mainzer Tugenden. Vor allem eine: Niemals aufzugeben.

05-Trainer Bo Svensson schenkte derjenigen Elf sein Vertrauen, die zuletzt gegen Union Berlin gewonnen hatte: Szalai und Onisiwo in der Spitze, Latza dahinter, Kohr und Barreiro im defensiven Mittelfeld, Mwene und da Costa als vorgezogene Außenverteidiger, Niakhaté, Bell sowie St. Juste in der Innenverteidigung und Zentner im Tor.

Kevin Stöger netzt gleich ein.

Beide Teams standen zunächst recht hoch, begegneten sich im Mittelfeld, verengten dort die Räume, provozierten Fehler des Gegners, um den Ball zu erobern und sofort nach vorne durchzustoßen. Aber so kompakt wie sie da standen, gelang das nicht sehr häufig, kaum ein anspielbarer Akteur war zu finden, so dass kaum Spielfluss zustande kam. Wenn mal doch, ging es seitens der Gastgeber recht robust zur Sache, so dass Schiedsrichter Winkmann schon früh gelbe Karten zückte.

Aber schon mit dem ersten richtigen Angriff erzielte Leverkusen einen Treffer. Nach Ballverlust von da Costa im Mittelfeld spurtete der flinke Diaby links auf und davon, passte auf den mitgelaufenen Alario in der Mitte, der den Ball nur ganz leicht touchieren musste, um ihn ins kurze Eck zu schmuggeln. Da war dann keiner mehr, der die Flanke verhindern konnte, und im Zentrum ließ Bell den Gegner fast ungehindert an den Ball. Praktisch im Gegenzug hätte Onisiwo per Kopf den Ausgleich erzielen können, setzte den Ball aber an den Pfosten. Eine gute Aktion war das, weil unsere Mainzer damit auch klar machten, dass sie sich nicht ins Bockshorn jagen lassen wollten. Sie setzten weiter giftig nach.

Bei Pass- und Zweikampfquote lag bis dahin dennoch der Gegner vorne, doch holten unsere Nullfünfer bei der Laufleistung die besseren Werte heraus. Die Zahlen belegten indes, dass Leverkusen spielerisch überlegen war, optisch ohnehin. So befreiten sie sich immer wieder mit geschicktem Passspiel von der vordersten Pressingwelle der Mainzer. Auch in der 40. Minute liefen sie an, als Robin Zentner schon geschlagen war und Niakhaté den Ball praktisch noch von der Linie kratzte. Das hätte das 2:0 sein können. Nach vorne ging für unsere Jungs immer weniger, da klemmte uns Bayer einfach gut ab. Wir kamen nicht in die torgefährlichen Räume und somit nicht zu Chancen. In den letzten 15 Minuten des ersten Durchgangs spielte praktisch nur noch Leverkusen.

Kam, sah und traf: Robert Glatzel

Was würde Svensson seinem Team in der Pause raten? Mehr weite Bälle nach vorne? Die Lücke zur vorderen Pressinglinie besser schließen? Wird er umstellen – den Wandstürmer Szalai gegen den schnelleren Glatzel einwechseln?

Zunächst wechselten die Gastgeber, nämlich ihren Torwart. Hradecky hatte sich im ersten Durchgang an der Schulter verletzt. Ansonsten ging es unverändert zurück ins Spiel. Ruhe bewahren – noch blieb Zeit. Barreiro hätte uns zehn Minuten später jubeln lassen können, aber er schoss über das Tor. Nur wenige Sekunden später hatte er eine noch bessere Gelegenheit, doch ging sein Schuss knapp am Tor vorbei. Das war jetzt eine gute Phase für unsere Mainzer, sie zeigten wieder Kampfgeist, bliesen zum Sturm aufs Bayer-Tor, erspielten sich Chance um Chance – aber trafen nicht. Obwohl es Schlag auf Schlag ging: Szalai, Onisiwo, Barreiro, Latza. Da musste doch mal ein Ball reingehen….

Meinen Torschrei in der 71. Minute konnte man bestimmt bis nach Leverkusen hören – leider hatte Niakhaté noch ungewollt eine Hand im Spiel. Der Treffer für unsere Jungs war längst verdient, wollte aber nicht fallen. Zwei Minuten später zählte ein Treffer der Gastgeber ebenfalls nicht – auch da war eine Hand im Spiel. Zwischenzeitlich hatte Svensson gewechselt, Boëtius für Latza und kurz darauf Glatzel für Onisiwo. Konnte der Leihspieler aus Cardiff mal treffen?

Sie rannten und rannten an, erspielten sich Chancen im Strafraum der Gastgeber – aber noch immer wollte die Kugel nicht ins Tor. Svensson wechselte erneut, Burkardt für Szalai, Stöger für Barreiro. Kaum waren die Jungs jedoch auf dem Platz, da setzte sich der eingewechselte Schick jeweils gegen Bell und St. Juste durch, tunnelte beim 2:0 sogar noch Schlussmann Zentner. Sehr, sehr schade. Das hatten unsere Jungs so nicht verdient, aber sie hätten treffen müssen.

Am Ende verlief dann doch alles komplett anders. Am Ende nahm das schon verloren geglaubte Spiel eine ganz andere Wendung. Schön, wie Glatzel noch den Anschlusstreffer erzielte – mit der Sohle im Stile eines Torjägers – und schön, dass die Jungs dieses Tor sehenswert herausspielten. Ging doch noch was? 5 Minuten Nachspielzeit zeigte Schiri Winkmann an. 5 Minuten. Auf geht‘s!

Und dann, einfach irre, einfach irre! Sie griffen an, Flanke von Bell, Stöger erkämpfte sich den Ball und machte das 2:2. Ausgleich, wieder zurückgekommen. Bayer reagierte verärgert, drückte wieder nach vorne. Aber unsere Jungs hielten Stand. Und hatten wieder typische Mainzer Tugenden bewiesen! Es geht aufwärts!

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