Mainz 05: Zoff um Wahl des Aufsichtsrats

Es ist dieser Tage so viel von der Mainzer DNA die Rede. Ist dieser Typus aber auch im Aufsichtsrat (AR) unseres Vereins gefragt? Die Wahlkommission jedenfalls hat vier der aktuellen AR-Mitglieder für die nächste Wahl nicht zugelassen. Davon zwei, die 2018 von den Mitgliedern noch die meisten Stimmen erhielten. Platz auf der Bewerberliste wäre noch gewesen – 16 Kandidaten sind zugelassen, aber nur 12 hat die Wahlkommission anerkannt.

Noch im Oktober vorigen Jahres waren die vier jetzt Aussortierten für die AR-Wahl bei der damals geplanten Mitgliederversammlung noch zugelassen. Ursprünglich sollte das eine Präsenzveranstaltung sein, die dann wegen der Pandemie abgesagt wurde und jetzt am 9. Februar, 18 Uhr, online nachgeholt werden soll. Also, noch mal, zum Auf-der-Zunge-zergehen-lassen: Die bisherigen vier Aufsichtsratsmitglieder Eva-Maria Federhenn, Michael Häfner, Sven Hieronymus und Michael Schumacher waren der Wahlkommission im Oktober 2020 noch gut genug – jetzt im Januar 2021 aber nicht mehr. Was hat sich innerhalb dieser drei Monate Aufsehenerregendes ereignet, dass man diese vier nun ablehnt?

Der Verein hat dazu eine Pressemitteilung veröffentlicht, in der der Vorsitzende der Wahlkommission darauf hinweist, dass diese Entscheidung unabhängig getroffen worden sei und diese auch laut Satzung intern bleiben müsse. Die Gründe hierfür sind also nicht transparent und somit nicht nachvollziehbar – uns bleibt nur der Hinweis des Vorsitzenden, dass es von außen keinen Einfluss gegeben habe. Vielleicht aber einen Einfluss von innen?

Dazu zitiere ich ein Mitglied des Kigges- Forums (Link):

>>Der Aufsichtsrat schlägt die Mitglieder des Ehrenrates vor.

Der Ehrenrat schlägt die Mitglieder der Wahlkommision vor.

Die Wahlkommision schlägt die Mitglieder des Aufsichtsrates vor.

Das ist also in Wahrheit ein grundsätzlich geschlossener Kreis.<<

Ein geschlossener Kreis, in dem man sich gegenseitig verpflichtet ist oder Einfluss nehmen kann? Das bisherige AR-Mitglied Sven Hieronymus wunderte sich gegenüber der Verlagsgruppe VRM schon allein über die Form der Absage (Link) – ohne Nennung von Gründen und ohne persönliche Ansprache oder gar Dank der bisher geleisteten Arbeit. Wie war das noch mit den Vereinsgrundlagen auf gegenseitigen Respekt und Wertschätzung?

Stattdessen finden sich nun Namen auf der Bewerberliste, die nicht nur ich mit Mainzer Vereins-DNA nicht in Verbindung bringen kann. Was nützen uns Professoren- und Doktorentitel, wenn die genannten Personen sich mit dem Verein vielleicht gar nicht identifizieren? Geht es hier nur rein um wirtschaftliche Entscheidungen, Interessen oder auch um Werte wie bisheriges Engagement und Identifikation?

In der Stellungnahme der Kommission heißt es:

>> Die für uns inhaltlich leitenden Fragen waren, wer den Verein bei den sich stetig verändernden aktuellen und kommenden Herausforderungen bestmöglich unterstützen kann (…) << Ach – da gehören die vier Aussortierten plötzlich seit Oktober 2020 nicht mehr dazu? In der Satzung zur Zulassung von Bewerbern steht außerdem:

>> dass der vorgeschlagene Kandidat über eine langjährige Erfahrung in wirtschaftlichen Angelegenheiten in einer Managementposition oder einer vergleichbaren Führungsposition im Sport verfügt oder eine anerkannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ist. <<

Hat sich an den Voraussetzungen bei den vier Aussortierten diesbezüglich irgendwas geändert?

Darauf werden wir keine Antworten bekommen. Die Entscheidung der Wahlkommission ist unbestreitbar rechtskonform und satzungsgemäß – denn sie muss nichts begründen. Aber sie überzeugt nicht nur mich nicht. Da hilft es auch nicht, dass unser Vereins-Vorsitzender Stefan Hofmann jetzt im Nachhinein eine Reform dieser Satzung hinsichtlich mehr Transparenz unterstützen würde. Er selbst hat sie damals mit abgenickt. Erreicht hat die Kommission mit ihrer Stellungnahme nun genau das Gegenteil: Sie steht in der öffentlichen Kritik. Vor allem aber: Da könnte gerade wieder sehr viel Vertrauen verlorengehen bei den Mitgliedern.

Was steckt dahinter? Da gibt es nur Vermutungen. Böse Vermutungen. Dass die vier Aussortierten einigen AR-Mitgliedern nicht genehm sind. Noch-AR-Mitglied und Ex-Spieler Michael Schumacher spricht in Antenne Mainz von einem „Geschmäckle“: Link.

Der Sender spricht auf seiner Website auch einen anderen Zeitungsartikel an, nach dem der bisherige AR-Vorsitzende Detlev Höhne die vier Aussortierten habe loswerden wollen. Zu belegen ist das freilich nicht. Aber viel zu oft in diversen Foren zu lesen, dass es zwischen gewissen Mitgliedern immer wieder Spannungen gegeben habe.

Eben jener Höhne war es, der beim Abgang von Rouven Schröder für mein Empfinden keine zufriedenstellende Begründung gab. Zudem hatte ich den Eindruck, dass Schröder in die Verpflichtung von Christian Heidel (die ich ausdrücklich begrüße) nicht ausreichend eingebunden war. Das hat mir nicht gefallen. I am not convinced, Sir! Und so eine Wahl ist ja auch Vertrauenssache.

Werfen wir doch mal einen Blick auf die Liste der zugelassenen Kandidaten: Da ist Höhne natürlich wieder mit dabei. Zwölf zugelassene Bewerber insgesamt für acht Posten, davon elf Männer und nur eine Frau. Auch das ist ziemlich traurig.

Zu verhindern wäre die Wahl nur mit einer konsequenten Enthaltung oder Verweigerung der stimmberechtigten Mitglieder. Denn so steht es in §14, Punkt 4 der Satzung:

><Die in § 14 Abs. 1 Satz 1 genannten Mitglieder des Aufsichtsrates werden auf Vorschlag der Wahlkommission von der Mitgliederversammlung für jeweils drei Jahre gewählt. Sie bleiben aber bis zur Neuwahl im Amt.
Bei der Wahl hat jedes Mitglied jeweils eine Stimme für jeden zur Wahl stehenden Kandidaten.
Gewählt sind die Kandidaten, welche die meisten der abgegebenen Stimmen erhalten. Dabei muss jeder Kandidat aber mindestens 1/4 der Stimmen von den an der Wahl teilnehmenden Mitgliedern erhalten.
Erhalten mehr Kandidaten die notwendige Stimmenanzahl als die in Abs. 1 Satz 2 festgelegte Anzahl der zu wählenden Mitglieder des Aufsichtsrates, so sind die Kandidaten mit den meisten Stimmen gewählt.
Erhalten weniger als fünf Kandidaten die notwendige Stimmenanzahl, so ist unverzüglich eine Mitgliederversammlung zum Zwecke der Neuwahl des Aufsichtsrates für eine neue Amtsdauer einzuberufen.<<

Ach ja, eines noch: Ich äußere mich hier vor allem als Mitglied.

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