Mainz fährt ersten Heimsieg ausgerechnet gegen Leipzig ein

Gleich mit den beiden Neuverpflichtungen aus Frankfurt begann 05-Trainer Bo Svensson das Spiel gegen RB Leipzig. „Resterampe der SGE“, habe ich heute gehört. Und aus Frankfurt diverse gehässige Kommentare. Kommt letztlich auf den Versuch an. Der erste gleich gegen den Top-Club aus Leipzig verlief überaus erfolgreich!

„Der Platz ist schlecht, deswegen musste ich bei meinen Spielern gleich ein wenig umstellen“, hatte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann ins Sky-Mikrofon gesprochen. Nun, der Platz war für beide Teams gleich schwer, und in diesen Tagen mit Englischen Wochen leidet das Geläuf natürlich, wenn man zwei Heimspiele in einer Woche absolviert. Aber ob es am Ende darauf ankam? Vielleicht wieder ein versprungener Ball von Hack oder für Robin Zentner?

Der zuletzt glücklose Hack spielte diesmal gar nicht von Anfang an, dafür da Costa auf der Position des rechten Außenverteidigers, Mwene auf links – Brosinski noch nicht wieder fit –, St. Juste zurück und Bell sowie Niakhaté daneben, in der Mitte Latza, Barreiro und Kohr, ganz vorne Onisiwo und Quaison. Ob das jetzt nun ein 3-4-1-2 war oder ein 5-2-1-2 – wen kümmert es wirklich? Variabilität ist gefragt. Mit u.a. Boëtius, Burkardt und Ötztunali hatte der Coach nicht nur weitere Variabilität, sondern auch Qualität auf der Bank.

All diese Qualität hilft nicht, wenn die Mannschaft defensiv zu unaufmerksam bleibt. So wie in der 15. Minute. Unsere Jungs wehrten den Ball ab, lassen diesen dann ungestört zu Sabitzer rollen, der jede Menge Zeit hat, einen satten Schuss aus 16 Metern zu setzen. Zentner pariert noch mit toller Parade, allerdings nur kurz nach vorne, wo Adams das Spielgerät über die Linie drückt. Bis dahin hatte der Gast aus Sachsen das Sagen, beschränkten sich unsere Mannen auf die reine Abwehrarbeit. Den ersten Vorstoß aufs Leipziger Tor hatte dann Quaison in der 19. Minute.

Dass die Mannschaft zurückkam, lag ein wenig an Glück, aber das gehört immer dazu. Latza, Kohr und Niakhaté gingen jedoch hochkonzentriert zu Werke. Latza hatte den Freistoß von der rechten Seite getreten nach Foul an Barreiro. Kohr setzte den Ball per Kopf direkt auf den Leipziger Torwart, der ließ abklatschen und Niakhaté vollendete. Gut! Und sehr wichtig für die Moral!

Niakhaté traf heute gleich zweimal.

Die schon kurz darauf wieder perdu war, weil das Team in der Verteidigung zu sehr am Ball orientiert war und zu wenig am Mann, sprich an Halstenberg, der wiederum nach einem bereits abgewehrten Ball aus kurzer Distanz Robin Zentner überwand. 1:2. „Weiter, weiter“, erscholl es vom Spielfeldrand, und schon gab es wieder einen Standard für unsere Mainzer, einen Eckball. Und noch einen. Und wieder erzielten sie den Ausgleich mit fast einer Kopie ihres ersten Tores. Erst köpfte Bell den Eckball vor die Kiste, wo Gulacsi erneut abtropfen ließ und Niakhaté wieder günstig stand. 2:2. Hatten sie sich im Training etwa mit Standards befasst? Vier Tore in 35 Minuten, davon zwei von unseren Mainzern. Man durfte noch staunen.

2:2 zur Pause – war irgendetwas mit unserer Mannschaft passiert? Mir kam es schon so vor. Sie hielten dagegen, versuchten das weiter, auch nachdem sie ein Tor gefangen hatten. Und sie herzten sich, bedankten sich beieinander, sprachen miteinander, lachten, klopfen sich auf die Schulter. Das sah schon ziemlich anders aus. Sie nahmen auch den Kampf an, pressten früh und gingen in die Zweikämpfe, auch die Passquote war besser als zuletzt.

Es waren gerade mal 5 Minuten im zweiten Durchgang gespielt, da war es der Frankfurter da Costa, der sich auf der rechten Seite ein Herz nahm, ja, einen beherzten Sololauf startete, an Freund und Feind vorbei, den Ball direkt hinter die gegnerische Linie vors Tor brachte, wo Barreiro mit der Hacke sehenswert zum 3:2 traf. Unglaublich. Unglaublich. Jetzt galt es aber, weiterzumachen, nicht nachzulassen. Denn diese Leistung würde verblassen, wenn man das Spiel hier noch einmal herschenkte.

Bo Svensson gratuliert seinem doppelten Torschützen.

Nagelsmann wechselte aus: Nkunku für Halstenberg, Kluivert für Forsberg, Samardzic für Haidara. Der Leipziger Coach schien verärgert. Noch hatte er genug Zeit, und sein Team drückte jetzt, aber Zentner parierte sehenswert. Seine Vorderleute erwischten viele der hohen Bälle, die Leipzig von hinten heraus abschoss, weil unsere Jungs dort früh pressten. Auch Bo Svensson reagierte, denn seine Jungs waren viel gelaufen. Er brachte Stöger für Latza, Ötztunali für Mwene und Szalai für Quaison. Dann musste auch der überzeugende Kohr runter, die Wade zwickte nach diesem hohen Laufpensum. Für ihn kam Tauer.

Leipzigs Druck stieg. Mehrmals standen unsere Jungs hinten kompakt und mussten die Bälle raushauen, mehr als einmal in höchster Not. „Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass da eine Mainzer Mannschaft auf dem Platz steht, eine Mannschaft, die sich gegenseitig hilft“, meinte der Sky-Reporter. Und ich muss ihm Recht geben. Bei einer dieser Verteidigungsaktionen erwischte es Barreiro schwer am Kopf. Burkardt kam für ihn.

Und dann hieß es natürlich noch einmal Zittern. Leipzig gab alles, biss sich rein. Dann zeigte der Schiedsrichter unglaubliche 6 Minuten Nachspielzeit an. Das verstehe, wer will. Die Begegnung wurde noch ruppiger und zu einer einzigen Abwehrschlacht. Dann noch eine Minute.

Und endlich, endlich der erlösende Pfiff, unseren ersten Heimsieg und drei Punkte ausgerechnet gegen einen Top-Verein eingefahren. Dank einer wirklich geschlossenen Mannschaftsleistung!

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