„Bo ist ein Stück Mainz 05“

Viele Fragen an den neuen Trainer. Bo Svensson mühte sich nach Kräften, alle zufriedenstellend zu beantworten. Aus seiner öffentlichen Vorstellung wurde ein sympathischer, positiver Auftritt vor der im Netz versammelten Journaille. Und der neue alte Mann machte gleich klar, warum es für ihn etwas Besonderes sei, zurück nach Mainz zu kommen. Und: „Ich bin hier, um längerfristig zu arbeiten“, sagte er.

Seine Pläne seien über Weihnachten gereift, sagte Sportvorstand Christian Heidel noch einmal, Bo sei ein ganz wichtiger Baustein dabei gewesen. „Bo ist ein Stück Mainz 05.“ Er wisse, welchen Fußball Bo spielen möchte und Bo selbst wisse, welchen Fußball man in Mainz spielen möchte. „Wir haben Bo aber nicht nur geholt, weil wir wissen, dass er Mainz 05 verkörpert, sondern weil er für Qualität steht. Wir haben insgesamt ein sehr, sehr gutes Gefühl.“ Er, Christian Heidel, habe einst früh gespürt, dass mit Bo ein neuer Trainer heranreife und dies gefördert. Nun wird ein anderes Kapitel aufgeschlagen. „Wir wollen mit Bo ein neues Projekt für Mainz 05 starten“, sagte Heidel.

Svensson hat einen Vertrag für dreieinhalb Jahre, der sei gültig für beide Ligen. Der Däne bringt den früheren 05-Jugendtrainer Babak Keyhanfar als Co-Trainer mit. Sportdirektor Martin Schmidt hob bei dieser Gelegenheit auch den gesamten Trainerstab hervor.

„Wir haben jemanden gesucht, der Mainz kennt“, sagte Christian Heidel. Es habe keine Rolle gespielt, dass Svensson keine Erstliga-Erfahrung habe – er trainierte zuletzt den österreichischen Zweitligisten FC Liefering. „Ich sehe eine Fußball-Mannschaft immer gleich, es sind die Spieler und die Menschen, um die man sich kümmern muss“, sagte der Däne. Der Kader in Mainz habe die Qualität, in der Bundesliga zu spielen. „Ich wäre nicht hier, wenn ich nicht total davon überzeugt wäre, dass wir die Klasse halten können. Wir müssen knallhart daran arbeiten, das Ding zu drehen, aber auf unsere eigene Weise zu drehen.“ Es sei auch längerfristig eine Herausforderung, „immer uns treu zu bleiben“. Letztlich komme es darauf an, Mainz 05 auf tragfähige Säulen zu stellen, und sagen zu können: Das sind wir.

„Es war eine besondere Entscheidung für mich, noch mal nach Mainz zu gehen“, sagte der neue Trainer. Im Endeffekt sei es nicht nur um den Fußball gegangen, „sondern auch um die Stadt“, das bedeute ihm viel, 13 Jahre sei er immerhin hier gewesen, seine Familie in Mainz verwurzelt, sein jüngster Sohn in der Stadt geboren. Letztlich sei das eine Herzens-Entscheidung gewesen. Er habe die Entwicklung bei den Nullfünfern weiter verfolgt und sei letztlich nicht so überrascht gewesen, als Christian Heidel ihn an Heiligabend angerufen habe. „Ich kenne ihn seit vielen Jahren.“ Von Jürgen Klopp und Thomas Tuchel habe er viel mitgenommen, inhaltlich wie menschlich und von der Art, eine Mannschaft zu führen. Damals sei seine Lust geweckt worden, Trainer zu werden, obwohl er eigentlich vom Fußball erst mal satt gewesen sei. Bei Kasper Hjulmand hatte er dann zuerst gelernt, später bei Martin Schmidt.

Was sei so besonders an Mainz, dass aus dieser Stadt so bedeutende Trainer kommen, lautete eine Frage. „Eine Freiheit zu arbeiten als Trainer. Man kriegt die Möglichkeit, seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und dass man nicht vom ersten Spiel an brutal unter Druck gesetzt wird“, sagte der neue alte Mann. „Man darf in Mainz auch Fehler machen, darf sich in Mainz selbst entwickeln“, bestätigte Heidel. „Bo hat mehr Ahnung von Fußball als ich, warum sollte ich ihm reinreden?“

Hat die Mannschaft ein Fitness-Problem, ging eine Frage gezielt schon an Svenssons Adresse – in Anspielung auf eine in Medien kursierende Tabelle, die sich rein an den ersten Halbzeiten orientiert. Demnach wäre Mainz 05 Dritter. Warum verspielt das Team so viel in seinen zweiten Halbzeiten? Hier konnte der neue Trainer noch nicht viel sagen, er müsse das erst noch sehen, woran es liege. Bei ihm stehe das Spiel gegen den Ball im Vordergrund. Ihm sei die typische Mainzer Spielweise wichtig, den Gegner unter Druck setzen, nach vorne verteidigen, eng stehen, schnell nach vorne umzuschalten. Ähnlich wie in der ersten Halbzeit gegen die Bayern. „Jeder, der das Spiel gesehen hat, hat nicht nur die Tore gesehen, sondern auch die Art und Weise, wie die Mannschaft zusammen gespielt hat. Dass wir das nicht über 90 Minuten geschafft haben, liegt auch am Gegner.“

Nun gehe es zwar zunächst um kurzfristige Spiele, doch müsse sich der Blick insgesamt auch nach vorne richten, wie Mainz 05 für die Zukunft gerüstet sei. Bevor er nun über einzelne Spieler urteile, müsse er sich alle erst mal im Training anschauen. Er kenne jedoch etliche Spieler aus seiner Zeit als Nachwuchstrainer und freue sich, dass einige den Sprung zu den Profis geschafft haben. Es sei ihm auch sehr wichtig, diese Anbindung beizubehalten, das gehöre zur Pflicht und Strategie und zu dem, was Mainz 05 auszeichne. „Ich bin aber total überzeugt von der Qualität im Kader“, sagte Svensson. Das gelte es, am Samstag wieder auf den Platz zu bringen, „egal, wer da kommt“. Und wir wissen, da kommt die Frankfurter Eintracht. Da gelte es wie damals im Mai 2017 „mit dem Messer zwischen den Zähnen“ zu fighten.

Christian Heidel machte noch einmal klar, was den Mainzer Fußball ausmachen soll – mutig und mit Leidenschaft zu spielen, die Leute zu begeistern und mitzunehmen. Und vor allem auch in der nächsten Saison in der ersten Liga zu spielen. Der Sportvorstand unterstrich außerdem, dass man mit J-P Mateta plane – es kursieren ja zurzeit wieder Wechsel-Gerüchte. Heidel erläuterte auch das Wechselprozedere von Bo Svensson vom FC Liefering zurück nach Mainz. Man habe einfach die Summe, die man vor 18 Monaten an Liefering gezahlt hatte, zurückbezahlt.

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