Mainz 05: Mannschaft auf die Couch

Heftig, heftig. Unsere Mainzer verspielen gegen Bochum einen 2:0-Vorsprung, müssen in die Verlängerung, dominieren dort, schießen aber kein Tor und müssen ins Elfmeterschießen. Dort verlieren sie, weil sie vorbeischießen. Das Team scheidet aus dem Pokalwettbewerb sehr fahrlässig aus.

Was ist da los bei unseren Nullfünfern? Es ist komplett der Wurm drin. Offenbar hilft hier nur noch der Gang zu des Psychiaters Couch.

Dabei hatte es so super angefangen.

05-Interimstrainer Jan-Moritz Lichte wollte sich vor dem Spiel über die Situation im Verein und speziell seine Position nicht äußern. Der Coach änderte einiges im Vergleich zum Bremenspiel. Er hatte diesmal eine Viererkette aufgeboten, bestehend aus den vier etatmäßigen Innenverteidigern Niakhaté, Hack, Kilian und St. Juste. Schau an, da war jemand wohl nicht zufrieden gewesen nach dem letzten Spiel… Im Mittelfeld spielten Latza, Barreiro, Boëtius, Quaison und Burkardt, ganz vorne nicht Mateta – er saß auf der Bank –, sondern Onisiwo. Mateta, Aaron, Stöger, Fernandes und Brosinski saßen nur auf der Bank.

Die Jungs machten von Anfang an Tempo, schalteten schnell um, eroberten sich viele Bälle und standen defensiv kompakt. Und sie erzielten das erste Tor dieser Partie bereits nach etwa 5 Minuten. Boëtius hatte sich nach Zuspiel von Burkardt schön freigespielt und ins lange Eck getroffen.

Freude bei den Bochumern.

Unsere Mainzer bekamen immer wieder Räume für ein schnelles Offensivspiel, stießen dann nach vorne, versuchten aber auch, verlorene Bälle – die es zuhauf gab – zurückzugewinnen. Bochum legte nach dem Mainzer Treffer einen Zahn zu, drückte vehement in den Strafraum der Gastgeber, schoss bereits an der Strafraumgrenze oder suchte lauernde Mitspieler an Robin Zentners Tor. So richtig gefährlich setzte sich der Gast nicht durch, auch nicht bei diversen Eckbällen, die Mainz seinerseits nicht erspielte. Dafür hatten sie die besseren Gelegenheiten – vor allem Danny Latza, der zweimal eher an sich selbst scheiterte.

Nicht so im zweiten Durchgang, als etwa 10 Minuten gespielt waren und Quaison dem heute defensiv wie offensiv auffälligen Latza auflegte, der zentral vor dem Tor vollendete. 2:0. Wir staunen, wie frisch das Team heute in der Offensive war. Bochum ließ den Rheinhessen aber auch oft genug Raum, kam nicht immer hinterher und verlor Bälle. Wenn sie aber mal kamen, dann wurde es auch gefährlich. Der Ex-Nullfünfer Holtmann erhielt in der 66. Minute einen von Kilian nach vorne abgewehrten Ball wie eine Vorlage und drosch ihn zum 2:1 ins lange Eck. Wieder unnötig, wieder ein Fehler.

Weitermachen. „Weiter, weiter“ ist ohnehin dieser Tage so ziemlich das am häufigsten gehörte Wort in einem Stadion… Unsere Jungs machten natürlich weiter, ließen indes nach, vor allem in ihrem Offensivspiel und ihrer Aufmerksamkeit vor dem eigenen Tor. Bochum hätte in den letzten 15 Minuten mehrfach treffen können, vor allem bei diversen Eckbällen der Gäste, da hatten die Jungs viel Glück, dass das 2:1 noch stand. Mainz fand kaum mehr den Weg nach vorne. Ji für Quaison und Fernandes für Barreiro sollten mithelfen, doch brannte es zusehends beim defensiven Umschalten. Zu weit ließen sie sich hinten reindrängen. Mit Stöger für Latza wollte Lichte wohl wieder mehr Stabilität ins Spiel bringen für die letzten Minuten.

Da mussten wir noch einmal sehr zittern. Bochum warf alles nach vorne, selbst Torwart Riemann ging mit. Das hier war allenfalls eine Frage des größeren Willens. Und den hatte der Gast. Kaum zu glauben, aber wahr: Unsere Mainzer kassierten wie schon gegen Bremen in der letzten Minute ein Tor. Ausgleich. Ein 0:2 aus der Hand gegeben. Hack kam nicht mehr an den Gegner, Zentner nicht mehr an den Ball. Es schien, als hätten sie das Spiel schon abgehakt – zu nachlässig wieder in der Verteidigung.

Trotzdem: Jetzt noch einmal eine Kraftleistung geben in den 30 Minuten Nachspielzeit. Und es wurde turbulent. Eben noch reklamierte der Gegner ein Handspiel bei Alex Hack, das folgenlos blieb, da kassierte Bochums Torwart Riemann gleich darauf die Rote Karte. Er war Ji entgegengestürmt, der dann gefallen war – allerdings sah das in der Zeitlupe eher harmlos aus. Der Gast also in Unterzahl.

Was war mit Mateta? Der Mainzer Stürmer bekam kaum Bälle, verteidigte aber etwas häufiger mit. Am Ball wirkt er gerne etwas linkisch, aber das täuscht über seine Gefährlichkeit hinweg. Lichte nahm Alex Hack runter, brachte mit Szalai einen weiteren Stürmer, der im vorigen Pokalspiel schon getroffen hatte. Platt waren sie nun fast alle, wanden sich mit Krämpfen und nach Fouls. Mainz führte jetzt länger den Ball, war aktiver als Bochum, aber nicht zwingend.

Szalai, wer hätte es gedacht nach all den Querelen, ihn noch einmal auf dem Platz zu sehen. Aber er hatte seine Chancen, wie auch Mateta und Onisiwo. Bochum stand nun fast nur noch im eigenen Sechzehner und mauerte. Aber unsere Mainzer entwickelten keinerlei Durchschlagskraft.

Also zum Elfmeterschießen: Szalai an den Pfosten, Stöger an die Latte, Matetas Schuss zu lasch. Fast hätte man meinen können, es sei Absicht gewesen. Völlig durchgeknallt. Mannschaft auf die Couch – etwas anderes hilft vermutlich nicht mehr.

Mir tut Jan-Moritz Lichte Leid. Er hat das Ausscheiden aus dem Pokal so nicht verdient. Diese Leistung hat allein die Mannschaft zu verantworten.

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