Just zu Weihnachten gehen am Bruchweg langsam die Lichter aus

Die Tristesse bei Mainz 05 nimmt zu Weihnachten und zum Jahresschluss dramatisch zu. Nur wenige Lichtlein strahlen noch in Trainer Jan-Moritz Lichtes Team. Keiner hatte es geschafft, gegen Werder Bremen einen Treffer zu erzielen. Viel mehr noch: Wieder einmal hatten sie sich kurz vor Schluss schlagen lassen, weil sie unaufmerksam waren. Ein Tor, das leicht vermeidbar war, aber alle Bemühungen zuvor zunichte machte. Noch tiefer können wir sportlich kaum sinken.

Wie sagte Sky-Experte Didi Hamann: „Mich würde es nicht wundern, wenn wir am 2. Januar einen anderen Trainer in Mainz hätten.“ Am 3. Januar geht es zu Bayern München – und am 6. Januar ist (virtuelle) Mitgliederversammlung. Bis dahin wird sicher manch hartes Wort noch fallen.

Ohne Barreiro und Onisiwo, aber mit Mateta und Boëtius begann 05-Trainer Jan-Moritz Lichte das Heimspiel gegen Werder Bremen. Dies waren die einzigen Änderungen gegenüber der Startaufstellung bei Hertha BSC.

Freude über Torschütze Dinkci.

Werder lief relativ hoch an, höher als das Lichte zumindest nach eigener Aussage erwartet hatte. Und Werder übernahm zunächst den deutlich aktiveren Part, drängte die Gastgeber meist in deren eigene Hälfte. Was zu den Erwartungen passte, war das schnelle Umschalten bei den Gästen, die immer ihren Stürmer Sargent anzuspielen versuchten, der es meist einsam in der Spitze gegen den schnelleren St. Juste relativ schwer hatte.

Den ersten Torschuss gab Quaison für seine Farben in der 17. Minute ab – vor einem Jahr noch hatte er in Bremen beim 5:0 seines Teams dreimal getroffen. Danach sah es hier allerdings wahrhaftig nicht aus. Wenn auch die Rheinhessen danach etwas häufiger in den Bremer Strafraum drangen. Nach hinten raus aber verloren sie etwas die Ordnung, kamen oft einen Tick zu spät, standen nicht nahe genug beim Gegner. Nur mit Glück erzielte Werder in der 25. Minute nicht das 1:0, weil Sargent den Ball mit dem Kopf nicht optimal traf. Die Flanke direkt vor Zentners Tor hätte schon nicht kommen dürfen.

Auf der anderen Seite verdaddelte Mateta, ließ sich von Werders Torwart stören, und sprang Quaison kurz darauf unter dem Ball hindurch. Bei Stögers Freistoß (28.) und den anschließenden Distanzschüssen fehlte es an Genauigkeit, da wäre mit mehr Entschlossenheit vielleicht mehr drin gewesen. Werders Friedl konnte kurz darauf Zentner nicht überwinden, und Quaisons Schuss passte im Gegenzug nicht. Dann wieder Werder: Eine Flanke für Sargent konnte Kunde gerade noch über die Torauslinie abwehren. Die anschließende Ecke brachte nichts.

Beide Teams mühten sich, schnelle Umschaltaktionen des Gegners zu unterbinden und Bälle früh abzufangen. So rannten sie sich dann immer häufiger im Mittelfeld fest. Unsere Mainzer suchten verkrampft Anspielstationen bei ihren Offensivbemühungen, kamen zu oft durch die Mitte, und wenn mal eine Flanke in den Torraum flatterte – von Aaron oder Fernandes –, stand der Mitspieler zu weit entfernt.

Frust bei Barreiro.

Unverändert gingen beide Teams in den zweiten Durchgang. Mainz startete mit großem Elan, drängte nach vorne, scheiterte aber erst mal – Fernandes rutschte beim Torschuss aus, Quaisons Hammer wurde geblockt. So landete der Ball immer wieder unerwünscht in der Mainzer Hälfte. „Mehr Tiefe“ brüllte Trainer Lichte hörbar vom Spielfeldrand aus. Aber dafür standen die Werderaner den Mainzern zu oft auf den Stiefeln, gelang es diesen nicht, die Kompaktheit des Gegners zu sprengen. Was für beide Mannschaften galt. In diesem Spiel mal einen Konter zu setzen – sehr schwierig für beide.

Die Fouls mehrten sich, ohne wirklich übel zu sein. Aber das passte zu diesem verkrampften Spiel, zu diesen bemühten Versuchen, Torchancen zu verhindern und um jeden Ball zu kämpfen. Die Rufe und lautstarken Kommentare von den Bänken häuften sich. Manches schien wenig schmeichelhaft. Der Frust schien tief zu sitzen.

Lichte nahm Kunde runter, ließ Barreiro auf die Sechs. Ein 0:0 würde unserem Team nicht helfen, eher noch den Bremern. Bevor hier der Frustlevel weiter stieg, hätte Lichte vielleicht noch einmal wechseln sollen, aber wusste auch, dass sein Team am Mittwoch nochmals im Pokal gegen Bochum antreten musste. Er reagierte, aber er reagierte spät, nahm Mateta und Stöger runter, brachte Latza und Onisiwo. Bis dahin hatten Lichtes Stürmer nichts geleistet, Quaison mindestens so wenig wie Mateta. Aber er durfte weitermachen.

Lichte wechselte noch einmal aus, Ji für den sich aufreibenden Fernandes. Und just im Anschluss hatten die Jungs ihre bis dahin beste Möglichkeit – bei ihrem erst zweiten Eckball in der 87. Minute. Onisiwo konnte den Ball mit dem Rücken zum Tor jedoch nicht einnetzen.

Die Spielzeit neigte sich ihrem Ende, da griff Werder noch einmal an. Der kurz zuvor eingewechselte 19 Jahre junge Dinkci wurde bei einer Flanke nicht bewacht. Er konnte unbedrängt in Zentners Tor köpfen. Dieses Spiel mit seiner bislang eisenharten Defensivleistung kurz vor Schluss noch derart herzuschenken – das ist schon eine Leistung. Das macht mich wirklich ratlos.

Sauer nach dem 0:1: 05-Torwart Robin Zentner.

Natürlich können wir jetzt über die vergangenen Spiele und die vergangene Saison sprechen, über die vielen Fehler, die gemacht worden sind. Das wird uns alles nichts nützen, weil der Blick nach vorne gehen muss. Wir brauchen Ideen, gute Ideen, mutige Leute im Verein, Menschen, die immer noch an uns glauben.

Gleich im neuen Jahr. Denn dann geht es zu Bayern München. Da ist vor allem Schadensbegrenzung angesagt.

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