Wir verlieren die Spiele im gegnerischen Strafraum

Frust, Trauer und Resignation nach dem 0:1 gegen Köln und angesichts der äußerst angespannten Lage für unsere Nullfünfer? Nein, auch wenn er vielleicht nicht so kämpferisch wirke, sei genau das jetzt gefragt, sagte 05-Trainer Jan-Moritz Lichte vor dem Spiel seiner Jungs an diesem Dienstag (20.30 Uhr) bei Hertha BSC. Er habe deutliche Worte gefunden nach dem Kölnspiel. Die aber schon wieder nach vorne gerichtet waren. „Wir verlieren die Spiele vor allem im gegnerischen Strafraum“, sagte Lichte, der mit der Mannschaft zusammen noch mal alles durchgegangen ist. Und Mateta gegen Hertha vielleicht erst einmal nicht einsetzt.

Man habe länger zusammengesessen nach diesem Spiel, gemeinsam analysiert. Zwar mache sein Team auch hinten Fehler, aber vorne spiele es seine Möglichkeiten nicht genügend aus. „Wir haben Großchancen auf einem recht deutlichen Level, die müssen wir nutzen.“

Lichte kommentierte auch die Reaktionen einiger Spieler nach der Köln-Begegnung, wie sie versuchten, eine solche Niederlage zu erklären – und wie man noch mehr Chancen rausspielen könne. „Da muss ich dagegen halten und der Mannschaft ganz klar sagen, dass wir damit jetzt nicht anfangen.“ Noch mehr Chancen gegen einen Gegner zu bekommen, der vor allem mit zehn Mann in seiner eigenen Hälfte verteidige, sei schwieriger als die herausgespielten zu nutzen. „Da kann man glaube ich alle anderen Gegner fragen.“ Selbst Bayern und Dortmund hätten sich mit Köln über weite Strecken nicht leicht getan, zuletzt Wolfsburg. „Das muss uns als Mannschaft klar sein, dass wir da jetzt nicht den falschen Weg einschlagen.“ Die Chancen seien da gewesen, auch im Spiel gegen Bielefeld, aber sie müssen besser genutzt werden. Nicht jetzt anfangen, verschiedene Wege gehen zu wollen, sagte Lichte, „sondern unseren Weg beibehalten“.

Offenbar wurde viel geredet nach dieser Niederlage. Und mit mancher Aussage seiner Jungs in der Öffentlichkeit war der Trainer nicht so einverstanden. „Es reicht nicht, etwas zu sagen“, meinte er. Wenn jemand meine, jeder müsse sich selbst hinterfragen, solle er einfach bei sich selbst anfangen, für sich selbst einen Schritt nach vorne machen. So fiel am Samstag auch die Aussage, man habe nicht 100 Prozent gegeben. „Es gab jede Menge Situationen im Spiel, wo jeder hätte ein Prozent mehr machen können“, sagte Lichte, der sich dann ein wenig steigerte und zu ahnen war, dass da was an ihm frisst. „Im defensiven Umschalten, wo man vielleicht hätte enger beim Mann stehen sollen im eigenen Sechzehner, wo man sich dann fragt, ist das Absicht, dass der Johnny Burkardt seinen Spieler verliert. Das glaube ich einfach nicht, es war die falsche Entscheidung in diesem Moment.“

Es sei generell schwer gewesen, gegen Köln ins schnelle Umschalten zu kommen. „Wenn wir den Ball erobert hatten, standen immer noch 6 oder 7 Kölner in der eigenen Hälfte.“ Da hätten er und seine Helfer vielleicht doch einen passiveren Ansatz wählen müssen, um Köln mehr aus der eigenen Hälfte zu locken, meinte er selbstkritisch. Was der Trainer in dieser Form von Hertha weniger erwartet, aber das müsse man sehen.

Es habe deutliche Worte gegeben an die Mannschaft“, sagte auch Sportvorstand Rouven Schröder. „Ja, man ist nach einem solchen Spiel erst mal frustriert, aber da müssen wir auch mal wieder den Schalter umlegen.“ Selbstkritisch sei man gewesen und es sei auch richtig, sich nach außen zu äußern, doch müsse es der Anspruch an einen selbst sein, die Dinge auch in die Mannschaft zu bringen. Die „deutlichen Worte“, wie dürfe man sich die vorstellen, kam eine Frage. „Der Trainer hat das, ich habe dabei gesessen“, so Schröder, der dies als Ansprache und Analyse, nicht als Aussprache bezeichnete. Und im übrigen die Aussage der Zeitung mit den großen Buchstaben, „Lichte darf weiter verlieren“, nicht groß kommentieren wollte.

Die Fehler, die immer wieder gemacht werden, sind hinlänglich bekannt. „Es ist klar, dass wir gewisse Muster immer wieder erkennen, aber einfach typisch für eine Mannschaft sind, die im Keller steckt und nicht typisch für Mainz 05“, so Schröder. Wie es aber sein könne, dass andere inzwischen am Verein vorbeizögen? Schröder bat um Vertrauen für die Mannschaft, die mehrfach bewiesen habe, was sie kann, aber er verwies auch auf die schwierige Transfersituation wegen Corona. „Wir sind kämpferisch. Hier sitzt keiner, der sagt, wir lassen die Dinge mal austrudeln.“ Gibt es denn Spieler-Alternativen, wollte einer vom Trainer wissen, sechs oder sieben neue, die man reinwerfen könne? Lichte wollte Veränderungen in dieser Englischen Woche nicht ausschließen. Wir dürfen also mit neuen Akteuren rechnen. Insgesamt habe er das Vertrauen in den Kader, betonte Lichte noch einmal. Die Qualität sei da. Ein Spieler müsse aber auch an seine Qualität glauben. Vielleicht verkrampften da manche zu sehr. Dahin zu kommen, mit aller Klarheit eine Chance zu Ende zu spielen – „das müssen wir hinbekommen“.

Vielleicht also mal eine Pause, eine Schonung, für einen verkrampften Mateta? „Das spielt alles eine Rolle in unseren Überlegungen“, sagte der Trainer. „Wir überlegen alles.“ Und sehen hoffentlich mal Taten.

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