Mainzer Endspurt ohne Glück

Es wird für unsere Mainzer wieder dunkler im Tabellenkeller der Liga. Der Auftritt beim Mit-Abstiegskandidaten Arminia Bielefeld reichte nicht für einen Sieg. Die beiden Gegentreffer waren vermeidbar, während man beste Chancen nicht nutzte. Wenigstens Neuzugang Stöger traf. Es wäre so schön gewesen: Hier gegen einen vermeintlich leichteren Gegner zu gewinnen – und dann eine Woche darauf den vermeintlich leichten Gegner Köln zu schlagen. Der sich aber just zur selben Zeit zunächst auf der Siegerstraße befand.

Der Mainzer Trainer setzte auf seine zuletzt bewährte Elf, musste aber den verletzten Öztunali ersetzen. Schon fast erwartungsgemäß hatte Jan-Moritz Lichte Daniel Brosinski von der linken auf die rechte Verteidigerposition berufen, aber der Akteur fühlte sich noch während der Vorbereitung aufs Spiel nicht wohl und musste passen – Burkardt sprang für ihn ein. Lichte ließ dann den zuletzt verschmähten Aaron auf die linke Seite zurückkehren. Diesmal in der Fünferkette, die bei Ballbesitz zur Dreierkette gewandelt wird. In der Mitte erneut Hack, Niakhaté und St. Juste. Im defensiven Mittelfeld wieder Fernandes und der laufstarke Barreiro, weiter vorne Boëtius und Quaison, Mateta erneut in der Spitze.

Enttäuschung bei Jan-Moritz Lichte nach dem 1:2 in Bielefeld.

Von Anfang an konzentrierten sich beide Mannschaften vor allem auf den Ball, verdichteten so die Räume, nahmen sich aber auch gegenseitig aus dem Spiel. Die Arminia verlegte sich gut aufs Gegenpressing und eroberte damit manchen Ball. Meist aber suchten die Gastgeber an der Mittellinie nach freien oder gut postierten Mitspielern, um dann den Mainzer Strafraum zu bedrohen. Das funktionierte ganz gut. Unsere Jungs kamen nur selten vors gegnerische Tor – das sollte ein Geduldsspiel werden. Meist aber trugen sie ihre Angriffe schnell und geordnet vor. Mateta hatte in der 12. Minute freistehend vor dem Bielefelder Torwart die bis dahin beste Chance, konnte den Keeper aber nicht überwinden.

Nur vier Minuten später war der Franzose erneut durch, doch wieder war der Torwart dazwischen und Matetas letzter Versuch, den Treffer doch noch mit der Hacke zu erzielen, scheiterte. Nur kurz darauf hatte Schipplock für seine Arminia die Chance zur Führung, doch ging sein Schuss vorbei. Bis dahin stimmte die Aussage des Sky-Moderators: Bielefeld hat den Ball, Mainz die Chancen.

Nach etwa 20 Minuten pressten die Rheinhessen nicht mehr schon auf Höhe der Mittellinie, sondern erst im letzten Drittel. Bielefeld griff an. Im Zentrum konnten unsere Jungs den Ball nicht abwehren, Prietl kam zum Schuss, und unglücklicherweise wurde der Ball so von Hack abgefälscht, dass Torwart Zentner keine Chance hatte. 1:0 für die Gastgeber. Das war dann schon ein wenig glücklich für die Ostwestfalen. Aarón hätte sich zuvor besser gegen seinen Gegenspieler durchsetzen müssen, dann wäre der Ball nicht beim Torschützen gelandet.

Nun gingen unsere Jungs wieder früher auf den ballführenden Gegner. Damit konnten sie sich vorne wieder häufiger in Szene setzen, wobei Boëtius in der 29. Minute mehr Kraft in seinen Torschuss hätte legen müssen. Den Treffer erzielten aber dann doch wieder die Gastgeber. Barreiro verlor im Mittelfeld den Ball – wobei der Pass auf ihn schon nicht gut war –, Bielefeld drückte sofort hinterher und Doan überwand Zentner mit einem satten Schuss.

Da war sie wieder, die Unsicherheit bei unserem Team, wenn es hinten liegt, wenn der Gegner die Treffer macht. Es waren aber noch fast 70 Minuten zu spielen, hier war noch alles drin, hier mussten unsere Mainzer noch Gas geben und nachlegen, den Mut nicht verlieren. In wie weit können sie sich bei einem Rückstand noch mobilisieren? Das wäre jetzt der nächste Schritt einer Weiterentwicklung gewesen. Schließlich hätte eine der beiden Chancen zu Beginn auch ein Tor sein können.

Sie mühten sich und waren nun gezwungen, den Ball länger in den eigenen Reihen zu halten, eine Anspielstation zu finden. Ötztunalis Tempo auf der rechten Seite sowie Brosinski Flanken auf der linken – beides mussten wir schmerzlich vermissen. Aaron konnte nicht die Präzision liefern, während sich Burkardt defensiv wie offensiv aus Kräften bemühte und keine schlechte Figur abgab. Kurz vor der Pause hatten sie verstärkt Chancen und arbeiteten deutlich stärker für den Erfolg. Aber ohne Mainzer Treffer ging es in die Pause.

Gegen diese Mannschaft musste man nicht 0:2 zurückliegen – ein Tor unglücklich gefangen, das andere durch einen eigenen Fehler begünstigt, obendrein eine tolle Chance nicht verwertet. Konnte man mit mehr Konzentration und Leidenschaft das Blättchen noch wenden?

Aber auch im zweiten Durchgang sah das erst mal nicht viel besser aus bei unseren Mainzern, fehlte es auch zusehends an der Passgenauigkeit und am Gift in den Zweikämpfen. Trainer Lichte reagierte, nahm sein komplettes defensives Mittelfeld mit Barreiro und Fernandes runter, ebenso Aarón, brachte Kunde, Onisiwo und Stöger und stellte anscheinend auf ein 4–4–2 um mit Niakhaté als linkem Außenverteidiger. Kaum umgestellt, verhinderte Zentner das 0:3. Zudem wurden die Zweikämpfe härter, Niakhaté und St. Juste kassierten gelbe Karten. Der Armine Sven Schipplock hätte sie früher verdient gehabt, wenn nicht gar eine rote, weil ein feistes Lachen angesichts eines am Boden liegenden Gegenspielers schlicht unsportlich ist.

Er hatte aber vielleicht das Gift, das unserem Team fehlte. Unsere Mainzer drängten, aber konnten sich vor allem im Bielefelder Strafraum nicht durchsetzen. Und dann doch einmal: Kevin Stöger staubte in der 82. Minute einen abgewehrten Ball ab – nur noch 1:2. Jetzt galt es– Endspurt Mainzer, Endspurt.

Mateta hatte die Chance zum Ausgleich in der letzten Minute. Aber es reichte nicht. Gut gekämpft, nichts geholt.

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