Mehr Mut zum Experiment

„Es spielen ja immer die Gleichen, obwohl die dauernd verlieren“, ist im Netz über unsere Nullfünfer zu lesen. Was ist mit den Youngsters, was mit Paul Nebel zum Beispiel, mit Mwene, Lavalée, Papela, Tauer, Issah, Mustapha, und warum kommt Burkardt so selten? Nein, ganz so ist es ja auch nicht. Burkardt hat zuletzt gespielt, auch mal von Beginn an. Und nur weil die bislang eingesetzten Profis (noch) nicht gewinnen, bedeutet ja nicht, dass sie alle schlecht spielen. Oder doch? Tatsächlich sind die Werte bei einigen Spielern nicht gerade eine Wucht – das Mittelfeld-Duo Latza-Boëtius verlor zuletzt auffällig viele Bälle oder brachte seine Pässe seltener an den Mann als andere.

Der Trainer muss sich hier vor allem an den Auftritten in den Trainings orientieren. Wenn gestandenen Profis im wahren Einsatz dann die Nerven flattern, muss er das registrieren und berücksichtigen. Wie sich auch Fehler einstellen, weil die Konzentration nachlässt oder sich einzelne Spieler nicht mehr an die Vorgaben halten, weil sie angesichts eines Rückstands das Spiel mit eigenen Mitteln drehen wollen oder ihre Positionen, mitunter die gesamte Organisation, aufgeben – mit dem Kopf durch die Wand. Ich bin sicher, dass 05-Trainer Jan-Moritz Lichte das sieht.

Er hat zuletzt schon den laufstarken Barreiro ins Mittelfeld gestellt. Das hat die Balljagd und das Pressing zeitweise verbessert, aber insgesamt kommen immer noch viel zu viele gegnerische Bälle bis in unseren Strafraum. Das zu verhindern, entlastet die letzte Reihe und reduziert das Risiko auf Gegentore. Nach einem Ballverlust sollten wir zudem alles daran setzen, ihn zurückzugewinnen. Das schafft sofort auch die Chance auf einen Gegenangriff. Stimmt hier immer die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen? Wissen die Jungs, wann sie Druck aufbauen und wann sie sich nach hinten fallen lassen müssen? Warum sind wir manchmal hinten derart weit offen – zugegeben, das ist unter Lichte schon besser geworden, das Team steht nicht mehr so oft mit dem Rücken zum anlaufenden Gegner. Beim Umschalten nach vorne fehlt aus meiner Sicht aber oft das Tempo, lässt man Überraschungsmomente verstreichen, versucht man zu selten, den freien Raum hinter der aufgerückten gegnerischen Abwehr zu nutzen.

Aber das sind nur Beobachtungen. Ansichten von außen. Die Sicht eines Laien, der sich Fragen stellt. Warum unser Team die Fokussierung verliert, je länger ein Spiel dauert? Warum es derart leichte Fehler macht, die aber folgenschwer sind? Warum es beste Chancen zuletzt nicht nutzte? Nur wenig Fokussierung mehr und schon könnten wir den ein oder anderen Treffer mehr als der Gegner erzielen.

Fußball ist aber auch Psychologie. Dass die mentale Stärke angesichts der ausbleibenden Folgen leidet, ist eine Binsenweisheit. Die Trainer versuchen hier ja nach eigener Aussage, mit kleinen Erfolgen innerhalb eines Spiels zu mehr Selbstbewusstsein bei ihren Akteuren zu kommen – gewonnene Zweikämpfe, Spurts, mehr eigene Torschüsse, vereitelte gegnerische Torschüsse, verhinderte Aktionen.

Die jungen Spieler könnten theoretisch schon helfen, weil sie unbekümmerter sind, sein müssten. Weil bei ihnen weniger auf dem Spiel steht, sie sich ja ohnehin noch beweisen müssen. Und sie die gestandenen Akteure anstacheln, sollten sie besser abschneiden. Eine Garantie dafür gibt es natürlich nicht. Sie stärker einzubeziehen, kann eine Chance sein. Aber auch ein Risiko. An das in der Bundesliga deutlich höhere Tempo müssen sich viele erst einmal gewöhnen. Da kommen sie an den etablierten Spielern nicht so schnell vorbei. Der Trainer muss also abwägen. Vielleicht bringt er die Youngster erst dann, wenn er mit den bisherigen Spielern alles versucht hat.

So ein bisschen ist das wie Kaffeesatzleserei. Letztlich kann ich so viel philosophieren, wie ich will – vielleicht fehlt einfach mal nur ein Fu… Erfolg!

Kommentar hinzufügen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Zur Werkzeugleiste springen