Erster Punkt für Mainz fühlt sich an wie eine Niederlage

Letzter gegen Vorletzter am siebten Spieltag. Kein Spiel für schwache Nerven. Das Niveau dieser Begegnung entsprach nicht dem Tabellenstand, die Partie war unterhaltsam und spannend. Mit einem leider tristen Ergebnis in einem trist-leeren Stadion.

Trist: das leere Mainzer Stadion.

Auf drei Positionen hatte 05-Trainer Jan-Moritz Lichte innerhalb seiner 4-2-3-1-Grundordnung umgestellt: Barreiro spielte erstmals von Anfang an in dieser Saison im defensiven Mittelfeld zusammen mit Latza. Ebenfalls erstmals von Beginn an mit Burkardt und Fernandes, Letzterer zentral mit Boëtius links. Ganz vorne durfte wieder Mateta ran, den Lichte in Augsburg früh vom Platz genommen und durch Onisiwo ersetzt hatte.

Von Anfang an gingen beide Teams wild entschlossen in die Zweikämpfe, fighteten um jeden Ball. Eindrucksvoll, wie unser Youngster Barreiro viele Bälle ablief und diese zurückeroberte – genau so muss es sein, das macht Mainz 05 aus. Mit etwas Glück ging unser Club sogar früh in Führung: In der 6. Minute gab es ein Gerangel im Schalker Strafraum. Nastasic ging Burkardt an, trat ihm auf den rechten Hacken. Der Schiedsrichter entschied nach Videobeweis auf Elfmeter. Und den versenkte Brosinski kompromisslos zum 1:0.

Das Spiel unserer Jungs wurde dadurch allerdings nicht unbedingt sicherer. Die Gäste kamen nun deutlich häufiger und mit mehr Wucht bis in den Mainzer Strafraum. Oft verhinderte unser Team einen Schalker Torschuss nur mit der allerletzten Aktion. Einmal mit viel Glück bei einem chaotischen Gerangel im Strafraum, ein andermal über St. Juste, dessen Tackling gekonnt Oczipkas Torschuss blockte. Uth, der gegen Mainz bereits siebenmal getroffen hat, verpasste in der 22. Minute nur äußerst knapp den Ausgleich. Defensiv hatten unsere Jungs nun weniger Zugriff, hätten den Gegner im Mittelfeld intensiver anlaufen müssen. Aber dort überließen sie Schalke zu oft das Feld.

Dennoch erspielten sie sich bei schnellen Gegenstößen durchaus ihre Chancen. Fernandes’ Torschuss in der 23. Minute konnte Keeper Rønnow gerade noch so parieren. Und auch Mateta hatte einige Male die Chance, die Führung auszubauen. Lichte korrigierte viel von außen (Organisiert Euch! Positionen!), so dass das Team bei gegnerischem Ballbesitz wieder stärker presste. Im Spielaufbau taten sie sich manchmal durchaus schwer, wirkten oft zögerlich, kamen die Pässe nicht immer an. Dafür stand auch Schalke recht gut.

Und so war es wieder mal ein Standard, der zum Ausgleich führte. Latza faulte Paciencia knapp vor dem Strafraum. Den Freistoß verwandelte ausgerechnet Uth zum Ausgleich. Einfach ins lange Eck gezirkelt, so dass der Ball sich vom Torwart wegdrehte. Kaum eine Chance für Robin Zentner. Der kurz darauf eine Einzelaktion des Ex-Frankfurters Paciencia glänzend parierte.

Schalke hatte mehr vom Spiel. Offensiv kamen wir nicht mehr so richtig in Gang. Dann doch mal wieder mit Mateta, der vorne einsam im Sturm operierte – und gefoult wurde. Erneut Elfmeter. Den der Gefoulte diesmal selbst verwandeln wollte. Und souverän traf. 2:1. Mit etwas Glück die erneute Führung erzielt, abermals dank eines Elfmeters. Das sollte eigentlich das Team beflügeln. Noch vor dem Halbzeitpfiff hatte ich den dritten Torschrei auf den Lippen – aber Schalkes Torwart Rønnow war dann doch noch mit dem linken Fuß dran. So ging es in die Pause.

Die Mannschaft kam ohne Brosinski zurück, den Fernandes ersetzte. Auf dessen Position spielte nun Ötztunali. An der Leistung des Ausgewechselten konnte es kaum liegen, Brosinski hatte sich wohl leicht verletzt. Es waren keine vier Minuten gespielt, da hatten wir unseren ersten Aufreger. Schalkes Kabak erzielte bei einem Eckball – wie könnte es anders sein – einen Treffer. Der wurde jedoch nach Videobeweis wegen Handspiels zurückgenommen. Schon wieder Glück gehabt. Da konnte man als Schalker schon mit dem Schicksal und dem Schiedsrichter hadern. Trainer Manuel Baum brachte das eine gelbe Karte ein.

Unsere Mainzer hatten weiter ihre Chancen – aber auch einen guten gegnerischen Torwart. An dem scheiterte Burkardt in der 56. Minute. Es wurde härter. Latza holte sich die fünfte gelbe Karte. Lichte nahm den guten Burkardt runter, brachte Onisiwo. Der Youngster wirkte etwas angeschlagen.

Es blieb eng für unser Team. Schalke hatte seine Chancen, scheiterte aber eher an sich selbst. Und so richtig wollte nun auch kein Spielfluss mehr aufkommen. Haarsträubend: Fernandes spielte den Ball nach einem Eckball gar in die gegnerische Spitze. Nur mit Mühe verhinderten sie Schlimmes, weil diesmal sogar Ötztunali eisern verteidigte. Aber Schalke war nun offensiv präsenter. Da brannte es gelegentlich im Mainzer Strafraum. Dann aber auch auf der anderen Seite: Mateta versemmelte freistehend. Er durfte anschließend raus.

Lichte brachte Kunde und Ji für Barreiro und Mateta, Baum den Torjäger Ibisevic. Der war kaum auf dem Platz, da stand es 2:2 – Eigentor auf Druck des Schalkers, dummes Tor, diesmal zu Ungunsten der Mainzer, bei dem die Abwehr nicht gut aussah. Glück allerdings, dass ein Foul Niakhatés im Strafraum nicht gepfiffen wurde.

Nun durfte Quaison aufs Feld, er verdrängte Boëtius. Vier Minuten Nachspielzeit. Unsere Jungs verhedderten sich aber in Zweikämpfe und erfolglose Aktionen. Immerhin einen Punkt geholt. Der sich aber anfühlt wie eine Niederlage, weil man aus diesen glücklichen Momenten und guten Chancen zu wenig gemacht hat. Immerhin nicht verloren.

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