Lichte: Einzelne Spieler sind immer wieder zu sehr bei sich selbst

Irgendwie können wir uns alle derzeit den Mund fusslig reden. Einschließlich des Trainers. „Wir haben uns nicht an die Vorgaben des Trainers gehalten“, war eine Aussage des nach dem blutleeren Augsburgspiel völlig frustrierten Daniel Brosinski. Ja warum denn nicht? Seit wann legt die Mannschaft fest, wie gespielt wird? Und warum umgeht der Trainer die Antwort auf die Frage, ob er ein Team trainiere? Den Antworten darauf nachzugehen, öffnet großen Raum für Spekulationen, die vielleicht auch mit enttäuschten Erwartungen von Spielern, aber auch der Corona-Pandemie zu tun haben. Ein Teufelskreis, wie es scheint.

„Ist das ein Team, das Sie trainieren?“, hatte SWR-Sportmoderator Tom Bartels 05-Trainer Jan-Moritz Lichte am Sonntagabend in der Sendung gefragt (Klick hier fürs Video). Und der Coach hatte diese Frage nicht klar mit „ja“ beantwortet. Man müsse weiter daran arbeiten, sagte er. Warum funktioniert das Team nicht? Einzelne Spieler seien immer wieder zu sehr bei sich selbst, zu sehr versucht, die Dinge für sich alleine zu regeln, sagte ein etwas enttäuscht-ratlos wirkender Trainer (der einem Leid tun kann). In gewissen Situationen falle der Teamgedanke immer wieder weg. Das funktioniere dann nicht im Gesamtplan. Mentale Probleme, wenn man so tief in der Tabelle steht, sind offensichtlich auch dabei. Die Mannschaft hat sich allerdings mit ihrem Streik selbst in den Fokus gerückt – nun ist sie an der Reihe, auch zu liefern.

Wir wissen, dass einzelne Spieler ihren Verein auch als Sprungbrett zu renommierteren Klubs sehen – dies ist letztlich vor allem wegen Corona ausgeblieben. Niakhaté, Quaison, Mateta – die Namen kursierten, aber offenbar stimmten die Preise nicht. Enttäuschte Erwartungen bei den Spielern. Kunde wollte auch mal weg, Baku hat den Verein verlassen (und am Sonntag für WOB sein erstes Tor erzielt). Zudem droht den Spielern nun tatsächlich eine Gehaltskürzung, je länger Zuschauer nicht ins Stadion dürfen. Ist das mit ein Grund für das leidenschaftslose passive Auftreten, für das Auseinanderfallen des Teams, wenn der Gegner Tore erzielt?

Sehr selbstkritisch seien die Spieler mit ihrer Leistung umgegangen, hatte in der Sendung der Trainer gesagt. Sehr kritisch wird das auch die Vereinsführung sehen in Richtung des Trainers. Lichte jedoch will daran nicht denken, sondern „alles versuchen, mich in die Gruppe einbringen, so gut ich kann“. Man kann ihm nur viel Glück und ein gutes Händchen wünschen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn die Mannschaft am Samstag auch das Kellerduell gegen Schalke verliert.

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