Viele Licht(e)blicke im Mainzer Spiel

Halbe Geisterkulisse – wegen der Coronazahlen nur mit 250 Zuschauern im Mainzer Stadion – aber alles andere als ein Geisterspiel. Die bislang noch sieglosen, aber mit drei Punkten ausgestatteten Leverkuser waren zu Gast beim derzeitigen Tabellenvorletzten. 05-Trainer Jan Moritz Lichte hatte seine Mannschaft ziemlich umgestellt: In der Abwehr erstmals von Anfang an Neuzugang Kilian, St. Juste auf der rechten Außenverteidiger-Position, in der Mitte nach gelb-roter Sperre zurückgekehrt Niakhaté, links außen Brosinski und im defensiven Mittelfeld Boëtius, Latza und Kunde, im Sturm Burkardt, Öztunali und ganz vorne Mateta.

Musste nach Abpfiff mit einem aufgebrachten Mainzer Fan diskutieren: Trainer Jan-Moritz Lichte.

Konzentriert gingen unsere Jungs ans Werk, engagiert in die Zweikämpfe und mit deutlich reduzierter Fehlerquote. Den Gästen jagten unsere Nullfünfer manche Bälle ab, setzten nach und kämpften um jeden Ball. Johnny Burkardt hatte in der 25. Minute die beste Chance zum Führungstreffer, doch ging er mit seiner Direktabnahme hohes Risiko – den Ball erwischte er nicht richtig. Dann wieder mal ein Standard in der 30. Minute: Zentner bekam den Ball nicht richtig zu fassen, er landete hinter der Linie. Wieder mal in Rückstand im eigenen Stadion. 0:1. Ärgerlich, weil mal wieder ein vermeidbares Tor. Aber das kam durchaus ein wenig überraschend.

Immer wieder rief Jan-Moritz Lichte vom Spielfeldrand aus seine Kommandos an die Mannschaft, und da war eine Vorgabe häufiger zu hören: „Zweite Bälle“. Die Rot-weißen versuchten es und holten sich mehr zweite Bälle als zuletzt. Laut Statistik des Kicker hatte Leverkusen doppelt so viel Ballbesitz als Mainz, lag bei allen Werten vorne, außer bei den Fehlpässen. Bis zur Pause schnitten die Mainzer hier deutlich besser ab. Das ist gegenüber den letzten Spielen schon mal ein Erfolg.

Als Erfolg werte ich auch, dass die Mainzer bis zur Pause deutlich strukturierter und vor allem kompakter spielten als zuletzt, dass da ein Konzept zu erkennen war und mehr Konzentration in allen Aktionen. Das 0:1 ging vor allem auf das Konto von Torwart Robin Zentner. Zum Teil nur auf die Abwehr, denn der Ball ging direkt auf den Torwart.

Dennoch müssen ja Punkte her. Knapp eine Viertelstunde nach Wiederanpfiff wechselte Trainer Lichte aus, brachte Fernandes und Quaison für Kunde und Burkardt. Zumindest Letzterer hatte seinen Auftritt in der Länderspielpause. Wenige Minuten später durfte dann auch Onisiwo für Ötztunali ran. Sie mühten sich weiter und blieben vor allem nach hinten konzentriert. Noch galt es, dieses eine Tor zu egalisieren, aber dafür spielten sich unsere Jungs zu wenige Chancen heraus. Standards wie Eckbälle blieben ungefährlich, und kam ein Angriff mal schnell wie der in der 73. Minute über Onisiwo, ging der entscheidende Pass zum Gegner. Schön wenigstens, dass 250 Mainzer Zuschauer so viel Lärm machen können wie mindestens 1000.

Lichte versuchte es 15 Minuten vor Abpfiff mit Ji für Mateta und Nebel für Latza. Auswechselkontingent ausgeschöpft. Der Aufreger des Tages dürfte das Foul von Tapsoba an Onisiwo gewesen sein, dem eine klare Torchance geraubt wurde. Die Rote Karte erhielt der Leverkuser dann doch nicht, weil der Mainzer im Abseits gestanden hatte, wie der Videobeweis ergab. Leverkusen spielte jetzt auf Zeit (Bosz: „Lasst den Ball laufen“) und mit mehr Fouls, weil unsere Mainzer jetzt enorm drückten, jedem Ball nachsetzten. Da muss doch noch was drin sein.

Dynamisch gingen unsere Jungs in den Schlussspurt, drückten, drängten, gingen beherzt in die Zweikämpfe. Aber sie hatten wieder mal das Nachsehen. Vierte Niederlage im vierten Punktspiel. Nicht unterkriegen lassen. Es war trotzdem schon viel besser! Mit vielen Lichtblicken.

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