Lichte: „Ich werde es so machen, wie ich bin“

Wie will der neue Cheftrainer die Probleme bei Mainz 05 lösen? „Mit Arbeit“, schickte Jan-Moritz Lichte die Antwort gleich zu Beginn seiner Vorstellung bei einer Pressekonferenz voraus. Das hat mir schon mal imponiert. Und auch die Aussage, dass die Mannschaft ihre Gründe für den Streik hatte. Aber damit will sich Lichte nicht weiter aufhalten. Er will, dass das Team „alles reinschmeißt“, um Spiele zu gewinnen. Und: „Das Team hat sich den Druck selbst aufgebaut. Daran werden wir es auch messen.“

„Ich bin ein ganz netter Kerl, mit mir kann man ganz gut umgehen. Und wenn das auch andere über mich sagen, ist das in Ordnung“, beschrieb sich der „Neue“ kurz. Warum er so viele Jahre „nur“ Co-Trainer gewesen sei, lautete eine Frage. Für ihn sei es vor allem wichtig gewesen, für den Fußball zu arbeiten. „Da ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen.“ Der Co-Trainerposten sei eine tolle Aufgabe, den habe er immer gerne ausgefüllt. „Jetzt ist etwas anderes.“ Jetzt habe er eine neue Rolle, müsse er andere Charaktereigenschaften in den Vordergrund stellen. Jetzt müsse er mehr in den Vordergrund gehen, zum Beispiel, anders mit Spielern umgehen als bislang, Gespräche „in aller Klarheit“ führen.

Ist er ein Taktikguru? „Ich bin ein Fußballtrainer, der sich wie alle Gedanken über taktische Dinge macht“, sagte er. Das sei in den letzten Jahren nicht immer so gelungen, wie man sich das vorgenommen habe. Die Basis bei Mainz 05 sei Leidenschaft, Hingabe, „die kann aber immer nur in Verbindung gebracht werden mit einer taktischen Idee“. Man brauche ein taktisches Konzept, in dem der Spieler alles geben kann. Wenn der Spieler also nicht alles gegeben habe, liege das nicht unbedingt am Spieler. „Deshalb brauchen wir beides“ – neben Leidenschaft und Hingabe ein taktisches Konzept.

Was will er anders machen als seine Vorgänger? „Ich werde automatisch Dinge anders machen, weil ich anders kommuniziere. Ich werde es so machen, wie ich bin.“ Ihm gehe es zunächst darum, die Zahl der Gegentore zu verringern, ein defensives Konzept zu finden, bei dem alle mitmachen müssten, ein gemeinsames Verteidigen, bei dem jeder Spieler wisse, was er tun müsse. Dann auch Umschaltmomente zu schaffen, in denen man zu einfachen Toren komme.

Gibt es ein Vorbild? Lichte wollte das nicht direkt sagen, er hob Jürgen Klopp hervor, doch sei es vermessen, den Liverpooler Trainer zum Vorbild zu nehmen. Der schaffe es immer wieder, noch einen Tick weiter zu kommen, die Mannschaft und das Spiel immer wieder noch mal weiterzuentwickeln. Wie er das schaffe, das würde er gerne wissen. Und meinte bescheiden: „Wenn der Kloppo eines Tages zurückwollte, würde ich mir das sofort wieder aus der zweiten Reihe anschauen.“ Doch ihm gehe es jetzt um das Spiel an diesem Freitag bei Union Berlin (20.30 Uhr).

Die Fragen gingen dann jedoch relativ schnell in Richtung Sportvorstand. Ob er Fehler gemacht habe, wurde Rouven Schröder gefragt, der in der Causa Szalai nichts weiter sagen wollte. Schröder holte weit aus, ging aber letztlich doch darauf ein, wenn auch nicht so konkret: „Ganz klar.“ Aber der sportliche Vorsteher richtete wie immer den Blick mehr nach vorne, gehe es jetzt darum, „den Karren aus dem Dreck“ zu ziehen. Deshalb werde er nun noch weiter an die Mannschaft heranrücken, sich da noch mehr einbringen. Hatte er kurz an Rücktritt gedacht? Auch diese Frage beantwortete er nicht 100prozentig direkt. Nach dem Spiel gegen den VfB sei er schon sehr niedergeschlagen gewesen. Aber: „Ich bin ein Kämpfer, das war ich schon immer, musste mir immer alles hart erarbeiten.“ Er gehe immer nach vorne. „Ich lebe diesen Verein. Und ich werde mich immer für die Mannschaft einsetzen.“

Wird sich der Staff noch mal ändern? Hier will Schröder abwarten und eventuell erst in der Länderspielpause entscheiden. Und ob noch ein Spieler hinzukomme, beantwortete Schröder nicht, bezeichnete das jedoch als „hochwahrscheinlich“.

Mein Fazit? Auf mich macht Jan-Moritz Lichte einen guten Eindruck, wenn er auch ruhig etwas mehr nach vorne gehen kann. Aber das kommt vielleicht alles noch. Seine Aussage zum taktischen Konzept und zu Klopp gefällt mir, da ist Demut, aber auch der Wille, besser zu sein, besser zu werden. Rouven Schröder ist freilich deutlich gewiefter, bewegt sich ja auch schon etliche Jahre länger in der Öffentlichkeit als Lichte. Aber ich bin froh, dass Schröder bleibt. Und dass er sich mehr in Richtung Mannschaft bewegt. Der will es jetzt wissen.

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