„Unser Leben gegeben“ – Mainz besiegt mal wieder die Frankfurter Eintracht

Wir haben unser Leben gegeben, sagte der Torschütze des Mainzer 1:0, Moussa Niakhaté.

Spiele gegen die Frankfurter Eintracht sind offenbar seit zwei Jahren eine Spezialität des 1. FSV Mainz 05. Auch diese Begegnung ohne Zuschauer am Samstag in Frankfurt konnte der FSV für sich entscheiden. Und er zeigte dabei alte Tugenden und zuletzt ungewohnte Stabilität.

Trainer Achim Beierlorzers Aufstellung hatte wieder ein wenig überrascht, denn insgesamt gab es fünf Änderungen: Auf der rechten Außenverteidigerposition durfte zum ersten Mal seit langer Zeit wegen der Gelbsperre Ridle Bakus Phillipp Mwene ran, sein Pendant auf der anderen Seite war Daniel Brosinski. In der Mitte Niakhaté und St. Juste. In dieser Formation hatte die Defensive noch nicht zusammengespielt – und vorweg: Das lief gut! Auf den Sechserpositionen, ebenfalls ein wenig überraschend: Danny Latza und Leandro Barreiro. Weil man in diesem Spiel sehr viel laufen müsse, hatte dies der Trainer begründet. Und das trifft zu. Unsere Jungs sollten 3 km mehr laufen als der Gegner. Weitere Änderungen: Quaison schuftete erstmals offensiv im Zentrum, links Awoniyi und rechts Ötztunali – eine kleine Systemverschiebung hatte Beierlorzer das genannt. Und ganz vorne im Sturm: J-P Mateta.

Eintracht-Coach Adi Hütter hatte zwei Spitzen aufgestellt, nämlich Bas Dost und André Silva. Über ihren schnellen Außen Kostic kamen die Gastgeber häufig gut durch, da hatte Mwene viel zu tun. Unsere Mainzer standen in der Anfangsphase hoch, wollten die Eintracht früh abfangen. Mateta hatte einige Male die Chance, den Ball aufs Tor zu bringen, aber er wirkte nicht frisch, nicht schnell genug, scheint noch weit weg von seiner Best-Form.

Sehr konzentriert gingen beide Mannschaften ihre Aufgaben an, kämpften intensiv um den Ball, brachten aber in der Anfangsphase kaum gefährliche Situationen zustande. Es fehlte die letzte, entscheidende Aktion. Dann vielleicht mal ein Standard, ein Freistoß vor dem Frankfurter Strafraum in der 22. Minute für die Gäste – aber Mainz ist selten gefährlich bei Standards. Auch Quaisons Schuss in der 28. Minute ging vorbei, da war er relativ frei vors Tor gekommen. In der 31. Minute verpasste dann Awoniyi frei vor dem Tor, erwischte den Ball bei seiner direkten Annahme jedoch nicht optimal. Immerhin: Der FSV erarbeitete sich mehr Chancen.

Unsere Mainzer versuchten, die Räume der Frankfurter wirkungsvoll zu verengen, meist gingen zudem zwei Spieler auf den ballführenden Gegner. Das gelang recht gut, sie eroberten manchen Ball. Frankfurt kam bis dahin nicht sehr oft vor das von Florian Müller gehütete Tor. Insofern hatte der Mainzer Trainer bis dahin schon eine wirkungsvolle Taktik gegen die Eintracht gefunden.

Und dann doch mal bei einem Standard (den Blogger Lügen gestraft): Noch vor der Pause hämmerte Niakhaté einen von Brosinski geil getretenen Eckball per Kopf in Kevin Trapps Tor! Führung für die Gäste. Die kurz darauf erneut zu einem Eckball kamen. Doch Mateta machte nichts aus seiner Riesenchance. Mit dem Mainzer Tor als Führung ging es in die Pause.

Frankfurt wechselte gleich zu Wiederanpfiff, brachte Gacinovic für Dost und Chandler für Touré. Und mit mehr Aggressivität gingen die Gastgeber auch gleich zur Sache, holten ein paar Eckbälle raus, allerdings nicht den Ausgleich. Unsere Nullfünfer konnten sich daraus ein wenig befreien. Den Torschrei hatten wir dann in der 53. Minute bereits ausgestoßen – aber Schiedsrichter Felix Brych entschied auf Abseits. Matetas Treffer zählte nicht. Und Öztunalis Schuss aus spitzem Winkel kurz darauf ging leider ans Außennetz. Dann mal über links mit Awoniyi – er hätte den Ball vermutlich gerne ins Tor hinein getragen, aber Rode brachte den Mainzer in letzter Sekunde aus dem Rhythmus. Chancen hatten unsere Nullfünfer genügend – aber sie waren nicht zwingend genug.

Achim Beierlorzer brachte in der 64. Minute Kunde für den überzeugenden Barreiro. Und dann jubelten wir erneut – und abermals vergebens. Quaisons Treffer entstand knapp aus dem Abseits. Mann, wäre das schön gewesen. Hintereggers Foul an Mateta im Strafraum ahndete der Schiedsrichter nicht – in der Zeitlupe sah es schon nach Foul aus. Beierlorzer brachte dann Onisiwo für Mateta und Fernandes für Ötztunali, kleine Umstellung im Mittelfeld.

Genau der eingewechselte Kunde war es dann, der sich mal wieder den Ball im Mittelfeld erkämpfte, wobei Onisiwo fleißig mitgeholfen hatte, auf und davon lief und den Ball zum 2:0 für den FSV ins Frankfurter Tor schoss. Eine wunderschöne sowohl Einzel- als auch Mannschaftsleistung, denn das Team hatte sehr schnell umgeschaltet. Noch 10 Minuten. Die Eintracht wechselte doppelt, nahm Rode raus, brachte de Guzman und Sow für Kohr. Gacinovics Schuss in der 89. Minute war noch das Gefährlichste, was die SGE zustandebrachte.

4 Minuten Nachspielzeit – hat uns überrascht. Wo war denn jetzt Zeit verspielt worden, im wahrsten Sinn des Wortes? Der Mainzer Trainer wechselte ein letztes Mal, nahm Quaison runter, holte Szalai hinein. Wieder ein paar Sekunden von der Uhr genommen. Es reichte. 2:0 für unsere Mainzer.

Für mich wieder überraschend und unerklärlich, warum diese Mannschaft Spiele wie dieses gegen Frankfurt, aber auch gleichzeitig ein 0:5 gegen Leipzig bewerkstelligen kann. Eine echte Wundertüte. Aber Hauptsache, mal wieder drei (wichtige!!!) Punkte erzielt. Und den ersten Sieg nach der Corona-Pause.

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