„Lass es Krise sein. Wir haben es selbst in der Hand“

Es ging um Grundsätzliches bei dieser Pressekonferenz des 1. FSV Mainz 05 vor dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim (Samstag 15.30 Uhr). Was läuft schief beim FSV, warum bricht die Mannschaft immer wieder mal ein, fehlt es an der Einstellung, an der richtigen Taktik, sehen die Jungs den Verein nur als Sprungbrett? Das 0:5 gegen Leipzig und das verkrampfte 1:1 in Berlin trotz Überzahl haben viele Fans verunsichert, wie es scheint. Können wir den Klassenerhalt noch schaffen? Reicht die Leistung dafür aus? Und wer am Tabellenende kann uns noch gefährlich auf die Pelle rücken?

Das 5:1 aus dem Hinspiel bei der TSG – es war Achim Beierlorzers erster Arbeitstag – spielt jetzt keine Rolle mehr. Andere Zeit, andere Voraussetzungen und andere Akteure, wie auch der 05-Trainer sagte. Er möchte jedoch an die Leistungsbereitschaft aus diesem Spiel anknüpfen. So fordert Beierlorzer eine „absolute Leidenschaft, Mentalität, Teamfähigkeit und absolute Geschlossenheit“, aber auch eine positive Energie im Team. Damit meinte er, dass die Zuversicht und Stimmung so groß sind, dass es einer Motivation von außen gar nicht mehr bedarf – die Fans dürfen ja ohnehin nicht ins Stadion in dieser jetzt so wichtigen Schlussphase der Saison. Abstiegskampf ist das, was wir derzeit in Mainz wieder erleben. Da ist es ein großer Nachteil, die Mannschaft als Fan nicht unterstützen zu können.

Der Trainer erwartet mit der TSG eine torgefährliche Mannschaft; vor allem nach dem Auftritt gegen den 1. FC Köln rückte Jungstar Baumgartner in den Vordergrund. Diese Begegnung sei jedoch kein Endspiel, sagte der Trainer. Er möchte jedoch, dass sein Team mit einer Mentalität auftritt, die dem Abstiegskampf Tribut zollt, dass die Mannschaft mit derselben Einstellung gegen die TSG auftritt, wie sie es in Berlin getan hat. Fokussiert, stark in den Zweikämpfen, aber nach vorne mit dem letzten Pass oder der letzten Aktion zum Erfolg, „zielstrebig und mit guten Tiefenläufen“.

Die Mannschaft gehe sehr kritisch mit ihren Leistungen um, sagte Beierlorzer. Er wolle auch die Spannung hochhalten, dass die nötige Motivation nicht verloren gehe. Und er brauche jetzt Spieler, die die entsprechende Mentalität haben, Leidenschaft, Fokus, Zweikampfbereitschaft. „Das sind die Spieler, die wir jetzt brauchen.“ Dass Edimilson und Aarón nicht zu diesem Typ Spieler gehören, wollte der Coach nicht bestätigen.

Warum ist diese Mannschaft eine Wundertüte, lautete eine Frage an Sportvorstand Rouven Schröder. Es sei völlig normal, dass man bei einer derart jungen und entwicklungsfähigen Mannschaft solche Schwankungen habe, sagte Schröder. Das seien Entwicklungs- und Potenzialspieler. Wäre dem nicht so, würden viele Akteure nicht bei Mainz 05 spielen. „Die Qualitätsstufe bei den Mannschaften ist deutlich höher, die diese Konstanz haben“, sagte Schröder. „Wir versuchen jeden Tag, jede Woche, solche Dinge abzustellen. Wir müssen einen positiven Ausgang finden, dass wir in eine konstantere Phase kommen, das beginnt mit jedem neuen Spiel.“ Der neue Glaube für ein neues und besseres Spiel, der dürfe nicht verlorengehen, oder es gehe darum, das gute Training dann im Punktspiel zu bestätigen.

Was besser machen gegen Hoffenheim? „Wir müssen das Tor bedrohen. Wir brauchen eine klare Struktur, dass wir Hereingaben von außen haben, Tiefensprints und Aktionen bis zum Strafraum mit einem Torabschluss zu beenden. Und eine gute Balance haben, eine gute Stabilität in der Abwehr. Es reicht ein 1:0.“ Genau diese Abwehr war gegen Union schon stabiler.

Wer da für die Mainzer jedoch spielen soll, Alex Hack oder wieder mal Daniel Brosinski, warum oder warum nicht, ließ Beierlorzer wie immer offen. Er ist keiner, der von einem Matchplan spricht oder taktische Dinge näher erläutert, begründet den Einsatz eines Spielers fast immer mit dessen Trainingsleistungen oder weil er jemanden „einen Tick besser“ sieht. Genau hier würde ich gerne mehr vom Trainer hören. Solche Dinge lassen sich auch in einer Nachbesprechung erörtern.

Taktische Überlegungen ließ der Trainer dann doch teilweise durchblicken; im Spiel gegen Union sei es auch darum gegangen, die Kopfballstärke der Berliner auszuschalten. Warum dann vermutlich doch wieder St. Juste spielen wird, falls er fit ist? „Weil er einfach ein wichtiger Spieler ist.“ Nun gut, wer sich damit zufriedengibt… Natürlich ist St. Juste ein wichtiger Spieler, aber was zeichnet ihn aus, welche Stärken hat er, welche Schwächen? „Es können nur elf spielen“, sagt Beierlorzer. Klar, und der Ball ist rund.

Nun gut, so unnachgiebig wie ich jetzt mit meinen Formulierungen kamen in dieser PK auch andere Fragen: „Sind vielleicht zu viele Spieler dabei, die bei Mainz 05 nur den nächsten Schritt machen wollen, sich mit dem Verein zu wenig identifizieren? „Eine plakative Frage“, nannte Rouven Schröder dies, „die immer kommt, wenn es nicht so gut läuft“. Der Sportvorstand wurde emotionaler: „Mit meiner eigenen Leistung kann ich zeigen, wie sehr ich mich mit dem Verein identifiziere. Ist doch vollkommen legitim, dass man diese Frage stellt, wenn es nicht so läuft.“ Wenn aber nur einer dabei sei, bei dem man diesen Eindruck habe, würde er sofort reagieren, sagte Schröder.

Spürt er, wie derzeit die Stimmung bei den Fans ist? „Die Fans, mit denen ich Kontakt habe, stehen alle zu 100 Prozent zu 05 in Höhen wie in Tiefen, sind kritisch, aber auch aufbauend. Und genau das erwartet man von seinen Fans. Wenn es heißt Krise, 15. Platz. Lass es Krise sein. Wir haben die Möglichkeit, wir können es aus eigener Kraft schaffen. Ich habe da ein gutes Gefühl, auch was das Umfeld betrifft.“ Er habe genug Selbstkritik, was die Situation betreffe, so Schröder.

Zum Abschluss äußerte sich Schröder noch zum Bayernspieler Alphonso Davies – er stand auch mal im Fokus des FSV. Schröder wird zum Gerücht befragt, warum man Davies damals angeblich nicht für bundesligatauglich gehalten habe. Er gab eine einleuchtende Antwort. Erfährst Du im verlinkten Video.
Anbei noch das Video der Hoffenheimer Pressekonferenz, wo man sich fragte, wie man eine Wiederholung des 1:5 vermeiden kann:

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