0:5 für Nullfünf – kaum Chancen gegen Leipzig

„Können froh sein, dass wir nicht mehr als fünf Gegentreffer gefangen haben.“ 05 Sport-Vorstand Rouven Schröder nach dem Spiel zum Sender Sky. Seine Mannschaft habe viel zu schlecht verteidigt.

Keine Steigerung im Vergleich zum 0:8-Hinspiel, eine recht enttäuschende Leistung insgesamt mit 0:5 Toren – das ist die Bilanz des ersten zuschauerlosen Mainzer Heimspiels gegen RB Leipzig. Für unsere Mannschaft könnte es jetzt noch einmal ganz eng werden.

Mit einer Dreier-, bzw. Fünferkette waren unsere Nullfünfer angetreten. Baku, St. Juste, wieder mit Bruma, Niakhaté und Aaron in der Defensive, erneut mit Kunde und Fernandes im defensiven Mittelfeld, Boëtius wieder auf der Zehn, und diesmal mit zwei Spitzen, nämlich Onisiwo und Quaison. Vorne also eine gute Kombi aus Kraft, Durchsetzungsvermögen, Technik und Schnelligkeit. Das 0:8 aus der Hinrunde wollten sie vergessen machen – die Zeichen standen nicht schlecht, da Leipzig zuletzt in seinen Leistungen nachgelassen hatte.

10 Minuten waren gespielt, in denen Mainz eher noch verhalten agierte mit gelegentlichen Kontern, da griff Leipzig ganz entspannt an und Timo Werner nutzte wieder mal ein Zuspiel dazu, den Ball quer durch die Reihen der Mainzer hindurch aus sieben oder acht Metern ins Tor zu zirkeln – und da lag das Ding unversehens drinnen. 0:1. Das war zu einfach. Viel zu einfach.

Die Akteure gingen von nun an etwas ruppiger zur Sache, es gab gelbe Karten auf beiden Seiten. Die Herangehensweise änderte nichts daran, dass Leipzig in der 23. Minute das 2:0 erzielte – Poulsen kam völlig frei vor dem Tor zum Kopfball, mitten in der versammelten Mainzer Defensive, die zuschaute. Der Leipziger Stürmer musste nur noch einnicken. Wo waren da unsere Nullfünfer? Überhaupt nicht sortiert. Überhaupt nicht anwesend. Zwei Minuten später wäre fast das 0:3 gefallen. Torwart Florian Müller kam gerade noch dran. Sollte das hier wieder ein Schützenfest für die Leipziger werden? Der frühe Treffer schien unseren Nullfünfern jede Zuversicht genommen zu haben.

05-Trainer Achim Beierlorzer stellte als Folge daraus allem Anschein nach auf Viererkette um, so dass die Zuordnung nun hätte klarer sein müssen. Manchmal helfen auch solche kleinen Maßnahmen zu mehr Sicherheit und damit wieder zu mehr Selbstvertrauen. Diesmal aber nicht.

In der 32. Minute kam Leipzig – wie so oft – über die linke Mainzer Seite, wo die Gastgeber alle Mühe hatten, den Gegner zu bremsen. Werner flankte quer auf Poulsen, der in der Mitte anrauschte, aber den Schuss verzog. Nur vier Minuten dauerte es bis zum nächsten Treffer – und da stellten sich unsere Jungs wirklich wieder an wie beim Slapstick. Nicht nur, dass in der Mitte der Ball leichtfertig hergeschenkt wurde. Leipzig durfte vorm Tor launig kombinieren, Müller parierte hier und da, bis Sabitzer das Ding lässig reinhaute. Hallo – was geht hier ab? Keine Fortschritte gemacht seit dem letzten Leipzigspiel?

Umbiegen konnte man die Partie wahrscheinlich nicht mehr, aber einfach so herschenken sollten unsere Jungs sie auch nicht. Jetzt vielleicht mal in der 38. Minute – doch Quaison verpasste vor dem Tor die Flanke von Boëtius. Bis dahin hatte es nicht mal einen wirklichen Abschluss unserer Mainzer gegeben. Bis zur Pause hätte RB noch locker erhöhen können. Nkunku zielte knapp vorbei. Glück für unsere Jungs. Sie agierten zu träge, zu ungenau, verloren die Bälle, die Zweikämpfe, wirkten beeindruckt von den agilen Leipzigern.

Vielleicht sollte der Druck über die rechte Leipziger Seite etwas nachlassen, da Konrad Laimer verletzt raus musste. Im Gegenzug tauschte Achim Beierlorzer den defensiven Bruma gegen den offensiven Mateta, beorderte St. Juste dann zurück aus dem Mittelfeld nach hinten. Pustekuchen – die Teams waren kaum auf dem Platz, da spazierten Kampl, Poulsen und Co. begleitet von der 05er Defensive durch deren Reihen und netzten erneut ein. Kein Körperkontakt von der Abwehr, kein Bein, das mal reingestellt wurde. Wo blieb die Gegenwehr? Irgendwas hatte ich gelesen, die Mannschaft wolle das 0:8 aus der Hinrunde vergessen machen. Wollen wir uns bitte daran erinnern, dass dieses Ergebnis die Ablösung von Trainer Sandro Schwarz beschleunigt hatte.

Also Jungs, haut Euch rein, mehr Körpereinsatz, geht in die Zweikämpfe, lauft nicht nur hinterher. Malocht – so wie es der Trainer gefordert hatte. Boëtius und Kunde hatten schon malocht, sie durften in der 60. Minute Feierabend machen, Barreiro und Awoniji kamen. Fast wäre da das 0:5 gefallen, aber der Schiedsrichter pfiff abseits. Offensichtlich war allerdings zu sehen, wie einfach und unbedrängt Kampl wieder zum Schuss gekommen war. Die Abstände zwischen den Akteuren waren auch zu groß, RB bewegte sich agil und schnell gegen unsere trägen Jungs. 17:1 Torschüsse in der 65. Minute sind eine klare Zwischenbilanz.

Trainer Beierlorzer wechselte erneut – Onisiwo und Fernandes machten Platz für Latza und Ötztunali. Sie kamen gerade rechtzeitig, um das 0:5 auf dem Spielfeld zu erleben, das Timo Werner unter ungläubigem Staunen der gegnerischen Mannschaft erzielte, praktisch erneut ohne Gegenwehr. Die beste Chance unserer Jungs war immer noch die von Mateta in der 78. Minute, als er einen Ball mit der Hacke nur knapp neben das Tor setzte. Wie auch Awoniji zum ein oder anderen Lichtblick verhalf. Die Jungs wollten in der Schlussphase doch noch einen eigenen Treffer. Es wurde nichts daraus.

05-Torwart Florian Müller fand nach dem Spiel deutliche Worte zum Sender Sky. Es könne nicht angehen, dass die Mannschaft in der Pause eine klare Ansprache bekomme, aber kaum, dass sie wieder auf dem Platz stehe, schon den nächsten Treffer hinnehmen müsse. Gar nicht akzeptabel sei es auch, dass man praktisch keine Gegenwehr aufgebaut, die Treffer so hingenommen habe.

Trainer Beierlorzer dürfte nicht viel Zeit haben, die Mannschaft nach dieser Begegnung wieder aufzubauen. Schon am Mittwoch muss sein Team nach Berlin, zum FC Union (20.30 Uhr). Vielleicht hilft es ein wenig, wenn die Eisernen nicht von ihren eisernen Fans angetrieben werden.

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