Ein schwerer Rückschlag

Ein niedergeschlagener Ronaël Pierre-Gabriel.

Fastnacht und Mainz 05 – keine gute Kombination. Klappt das auswärts in den närrischen Trikots, mit denen die Nullfünfer noch nie gewinnen konnten? Nein, diese Serie hält leider an. Unsere Mainzer stürzten in Wolfsburg buchstäblich ab. Ein Rückschlag. Und der hatte Gründe.

Ohne Verteidiger St. Juste mussten unsere Nullfünfer in Wolfsburg antreten. Ihn ersetzte Pierre-Gabriel, ansonsten ließ Trainer Achim Beierlorzer mit derselben Elf antreten wie zuletzt, mit Szalai in der Spitze sowie Quaison und Ötztunali knapp dahinter. Unser Schwede sah sich gleich zu Beginn bei vier Eckbällen in doppelte Bewachung genommen und hatte es schwer, sich vor dem Tor zu behaupten. Sechs Eckbälle waren es insgesamt zum Anfang, von denen zwar keiner erfolgreich war, doch unterstrich es den Druck, den unsere Mainzer aufbauten.

Wolfsburg versuchte es oft über seine Außen, vor allem über links, wo Pierre-Gabriel jede Menge Mühe hatte. Der Gastgeber rückte schnell nach, sah sich aber im Mittelfeld immer früh pressenden Mainzern gegenüber. Vor allem dort führten sie ihre Zweikämpfe. Einmal in Ballbesitz, gingen unsere Jungs schnell nach vorne, oft über Baku, Ötztunali oder Barreiro. Der VfL nutzte jedoch jede Lücke, stieß sofort hinein und schaltete ebenfalls schnell um. Einmal am Mainzer Strafraum, agierte Wolfsburg immer gefährlich. Da hatte vor allem unsere letzte Reihe viel zu tun. Beide Teams waren hier gut organisiert, sehr konzentriert und beiden anzumerken, dass sie etwas wollten. Dieses Spiel gewann so rasch an Tempo und Schärfe.

Das erste Tor machten jedoch die Wolfsburger – Brekalos halber Fernschuss ein gutes Stück vor dem Mainzer Strafraum blockten sie nicht, der Ball drehte zudem ein wenig ab, so dass Robin Zentner nicht mehr richtig dran kam. Okay, wir können darüber streiten, ob unser Keeper den hätte halten müssen, vielleicht hatte er nicht damit gerechnet, dass der Gegner aus dieser Distanz abziehen wird, doch das gilt mindestens so auch für seine Vorderleute. Jedenfalls saß dieser Gegentreffer. Bis zum Ende dieser Begegnung. Unser Team ließ nach in seinen noch zu Beginn recht giftigen Attacken. In der 28. Minute hatte es bei einem Freistoß leider nicht das notwendige Glück. Bei der anschließenden Ecke köpfte Szalai übers Tor.

Nach knapp mehr als einer halben Stunde ließen unsere Mainzer auch in ihrem Tempo deutlich nach. Klar, der durchweichte Boden war schwer, mancher Pass deshalb nicht richtig an den Mann zu bringen. Vorne jedoch agierten sie meist überhastet, war es aber auch nicht ganz einfach gegen kompakt stehende Wolfsburger. Mit Schlager und Ginczek hatten die Gastgeber zwei richtige Brocken im Team, an denen man erst mal vorbeikommen muss.

Just dieser Ginczek schaffte es kurz vor der Pause, an Pierre-Gabriel vorbeizukommen. Brumas Abwehrversuch scheiterte kläglich, und Niakhaté schlug den von Zentner abgewehrten Ball nicht weit genug weg, so dass Steffen nur noch einnicken musste – schon stand es aus unserer Sicht 0:2. Absolut vermeidbar und wieder ein Treffer von der Sorte kurios. Das Fehlen von St. Juste war doch zu spüren.

Der Mainzer Trainer reagierte zur Pause – er nahm den gelbverwarnten Barreiro runter und brachte Boëtius. Ging da vielleicht noch mehr bei Europa-Cup-geschwächten Gegnern? Diese Annahme war völlig Banane: Es dauerte nicht mal vier Minuten, bis Wolfsburg wieder traf. Und erneut sehr schlecht verteidigt von unseren Mainzern: Ginczek versetzte seinen Ex-Kollegen Bruma mit einem Flachschuss durch dessen Beine und brachte den Ball sauber vors Tor zu seinem Mitspieler Gerhardt, der nur noch einlochen musste. Da waren unsere Mainzer kurz mal weit aufgerückt und hinten wieder entblößt, obendrein nicht aufmerksam genug. Brosinski hätte wohl noch einschreiten können. Hier hatten sie sich praktisch alle überrennen lassen. Defensiv war das heute mangelhaft. Und der größeren Wille eindeutig bei den Gastgebern.

Das drückte zunehmend auch die Körpersprache bei unseren Mainzern aus. Ein ekliges Spiel, das noch durch heftig einsetzenden Regen gekrönt wurde. Beierlorzer brachte Onisiwo für Brosinski, stellte damit auf Viererkette um. In dieser Phase fiel fast das 4:0 für die Gastgeber. Der Trainer wechselte erneut, brachte Mateta für Ötztunali. Doch das konnte eine noch höhere Niederlage nicht verhindern: Bei einem ziemlichen Gerangel in der 68. Minute brachten unsere Mainzer den Ball nicht aus der Gefahrenzone. Steffen erzielte seinen zweiten Treffer.

0:4. Ein schwerer Rückschlag! Unsere Mainzer verspielen gerade ihr zuletzt so mühsam neu gewonnenes Vertrauen. Das Team wirkte so, als ob es nach den ersten Treffern nicht mehr an eine Wende glaubte, als ob es sich zeitweise zu sehr gehen ließ. Obacht: Es könnte am Schluss auch auf das Torverhältnis ankommen. 52 Gegentore sind bereits verbucht. Und Düsseldorf sitzt uns im Nacken. Paderborn, der nächste Gegner, hat an diesem Spieltag ein Ausrufezeichen gegen die Bayern gesetzt. Das wird am kommenden Samstag kein Spaziergang.

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