Quaison schießt die Hertha ab

Robin Quaison versteckt seine 3-Tore-Prämie, den Ball, unterm Trikot.

Ohne Boëtius, ohne Kunde, ohne Mateta in der Anfangsformation – 05-Trainer Achim Beierlorzer überraschte in diesem so wichtigen Spiel gegen den ambitionierten Hauptstadtklub Hertha BSC. Daran konnten wir doch erkennen, dass der Trainer mit der aktuell letzten Elf nicht ganz zufrieden war und es vor allem in der Abwehr mal mit einer neuen Zusammensetzung versuchen wollte: Ganz hinten zentral in der Dreierkette erstmals Neuzugang Jeffrey Bruma, daneben Niakhaté und St. Juste. Baku und Brosinski – erneut nicht Aarón – in der Fünfer- beziehungsweise Dreierkette auf den Außenpositionen. Zentral neben Latza wieder Barreiro. Sozusagen auf der 8erPosition diesmal sehr zentral Levin Ötztunali, der zuletzt einer der besten gewesen war. Vorne stürmte neben Quaison Szalai. Das sah schon anders aus als zuletzt.

Schon in den ersten Minuten gab es Aufregung im Berliner Strafraum. Da soll Boyata mit der Hand am Ball gewesen sein, aber der Schiedsrichter ließ weiterlaufen. Glück hatten wir dann fast im Gegenzug, da war unser Team noch nicht wieder sortiert und selbst beim anschließenden Eckball kam ein Berliner Spieler noch unbedrängt zum Kopfball. Da war sie dann wieder, die Angst vor der schwachen Defensive. Doch sah das diesmal im defensiven Mittelfeld schon besser aus als zuletzt. Offensiv hingegen kombinierte unser Team recht ansehnlich, ja, attackierte bissig, erspielte sich Chancen, verdaddelte diese aber auch leichtfertig.

Ziemlich überraschend gingen unsere Nullfünfer in Führung, denn Hertha hatte sich bis dahin zumindest optisch präsenter gezeigt, häufiger den Ball gehabt: Ötztunali spielte Quaison im Halbfeld an, der blitzschnell abzog ins lange Eck, wobei Herthas Torwart Jarstein nicht besonders gut aussah. Drei Minuten später etwa hätte Quaison sogar die Führung ausbauen können. Aber unsere Nullfünfer verspielen zu oft allerbeste Chancen. Bis dahin war’s durchaus überraschend, wobei Berlin gefährlich blieb, seine Strafraumszenen hatte, von den Mainzern jedoch häufig bereits im Mittelfeld gestellt wurde. Dort standen sie kompakt und stellten die Passwege gut zu.

Spätestens in der 35. Minute hätte es längst 2:0 für Mainz stehen müssen, da hatte der enteilte Quaison mit seinem Lupfer über Jarstein hinweg die Riesenchance, zielte aber am Tor vorbei. Latza hatte dem Schweden mustergültig in den Lauf gespielt. Derart dominant wie unsere Mainzer im Berliner Strafraum im ersten Durchgang auftraten, konnte man sich eigentlich nur noch ärgern, dass sie nicht mehr aus ihren Chancen machten. Flanke um Flanke fand keinen Abnehmer im Strafraum. Ganz vorne fehlte manchmal einer – Mateta, der Mann mit dem Torriecher, der dann die Flanke noch aufnimmt oder den Pass. Und vollendet. Hinten meistens aufmerksam: St. Juste, der auch nach vorne Akzente setzte. Bruma eher erst einmal unauffällig, aber solide.

Mit der knappen Führung ging es in die Pause, und wir wünschten uns mehr für den zweiten Durchgang, wohl wissend, dass die Berliner Mitte der Woche ein schweres Pokalspiel mit Verlängerung hatten. Dennoch – das soll die Leistungen unserer Mainzer nicht schmälern. Wenn sie nicht nachließen, könnten sie hier punkten. Anders als in Mönchengladbach, wo unsere Jungs ihre Führung noch verspielt hatten.

Berlin machte mehr Druck im zweiten Durchgang. Unsere Mainzer versuchten, fokussiert dagegen zu gehen, wirkten bei gelegentlichen Entlastungsangriffen im Strafraum der Hertha jedoch zu zögerlich. Dann immer wieder die Hertha. Lukebakio hatte mit seinem Weitschuss in der 57. Minute die bislang beste Chance für seine Elf, der Ball ging nur haarscharf über Zentners Tor hinweg. Hertha ließ nun den Ball schneller kreisen, suchte nach der Lücke, um schnell umzuschalten, da musste unser Team nun höllisch aufpassen. Immerhin hatte der Mainzer Trainer noch ein paar Hochkaräter auf der Bank.

Beierlorzer brachte in der 66. Minute Aarón für Brosinski, eine frische Defensivkraft. Denn Berlin drängte, kam immer häufiger zu Schussgelegenheiten auf Zentners Tor – 9:1 Ecken bis zur 76. Minute. Herthas Trainer Klinsmann brachte Ibisevic – der uns ja schon bei anderen Gelegenheiten unangenehm war. Im Gegenzug kam Kunde für Latza auf den Platz, in der 80. Minute dann Onisiwo für Szalai. Mateta blieb auf der Bank.

Onisiwo dürfen wir getrost als Glücksgriff bezeichnen – er erkämpfte sich in der 82. Minute mit großem Krafteinsatz den Ball im Strafraum der Hertha und passte auf Quaison, der nur noch einzuschieben brauchte. 2:0. In Berlin. Gegen Klinsmanns teure Truppe. Alle Achtung.

Dumm, dass nur 2 Minuten später der Anschlusstreffer fiel. Wieder mal bei einem Standard, wieder mal war da unsere Verteidigung nicht aufmerksam genug, hatte aber auch noch Pech, weil der Eckball der Berliner bei Bruma landete und der keine Chance hatte, den Ball abzuwehren, sondern ihn ins eigene Tor lenkte. Noch 5 Minuten plus Nachspielzeit. Konnten unsere Nullfünfer das überstehen? Die ersten Mainzer Spieler litten an Krämpfen, einige waren sehr viel gelaufen, vor allem Barreiro. Ötztunali, Baku. Und dann auch noch das: Der Berliner Wolf sah die gelb-rote Karte, weil er Onisiwo den Ellbogen ins Gesicht gefahren hatte.

Vier Minuten Nachspielzeit. Hertha in Unterzahl, und die Fouls auf Berliner Seite mehrten sich. Onisiwo hatte besonders darunter zu leiden, den hatten die Berliner nicht im Griff. Mit Folgen: Schiedsrichter Petersen gab in diesen letzten Minuten noch einen Elfmeter für Mainz – den Quaison selbst souverän verwandelte. Der Schwede trifft öfter im Olympiastadion. Und wie schon gegen Bremen dreimal.

Das war extrem geil. Wichtiger Sieg für unsere Mainzer. Sehr wichtiger. Jetzt zu Hause gegen Schalke nachlegen.

Hinweis: Meine Spielberichte verfasse ich fast immer direkt nach der aktuellen Begegnung. Da kann es auch mal passieren, dass ich einen Spieler nicht genau erkannt, übersehen oder auch verwechselt habe, wie auch das gesamte Geschehen immer sehr schnell beurteilt werden muss und Szenen oft nicht ein zweites Mal angesehen werden können. Für solche Fehler und etwaige Fehleinschätzungen bitte ich um Entschuldigung.

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