Augen auf und durch

Ach, die Bayern kommen? Also volles Haus und keinerlei Siegchance? Naja, Wahrscheinlichkeitsrechnungen dürften uns diese Annahme belegen, doch geht es 05-Trainer Achim Beierlorzer in diesem „Bonus-Spiel“ vor allem darum, die Frustrationstoleranz seiner Mannschaft zu verbessern. Ein neuer Spieler könnte hier mithelfen.

„Wir dürfen gegen die aktuell beste deutsche Mannschaft spielen“, sagte der Trainer in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen die Bayern (Sa., 15.30 Uhr) und bemühte so einen positiven Ansatz. Also Augen auf und durch im Spiel gegen die Bayern und damit nicht so hoch verlieren wie im Hinspiel (1:6)? „Wir wollen dieses Spiel nicht wegschenken“, sagte Beierlorzer, schränkte aber gleich ein: „Doch mal ehrlich, wenn alles normal läuft und wir nicht galaktisch spielen, wird das für Bayern laufen. Sie sind Favorit.“ Aber man wolle es den Münchnern so schwer wie möglich und so einen ersten Schritt zu einer positiveren Entwicklung machen.

Am verlorenen Leverkusenspiel hänge er noch immer, sagte der Übungsleiter, da habe jeder die Qualität gesehen, die seine Mannschaft habe. Verloren wurde das Match wegen einer Nachlässigkeit im Spielaufbau und mangelnder Konzentration nach Ballverlust. Woran liegt’s? „Wir haben lauter junge Spieler, die in gewissen Stresssituationen noch nicht die nötige Erfahrung haben“, sagte der Trainer. Hier komme es darauf an, die Frustrationstoleranz zu verbessern und die Momente in einem Spiel auch mal zu erzwingen. „Wir sind absolut kritisch mit unserer Mannschaft, sprechen die Themen ganz klar an und arbeiten daran, diese Fehler abzustellen, an der Fokussierung auf entscheidende Momente in einem Spiel“, sagte der Coach. Jeder müsse sich dafür noch mehr fokussieren, hart daran arbeiten, sich gegen eine negative Entwicklung sträuben. Beierlorzer: „Dieses Kämpferische erwarte ich jetzt von jedem einzelnen Spieler, dass wir uns dagegen wehren, unser Ziel nicht zu erreichen. In allem, was wir tun.“ Fehlt es etwa an der Ernsthaftigkeit bei einigen Spielern, lautete eine Frage. „Ernsthaft sind die Jungs schon, aber es fehlt ein kleiner Aspekt, ein kleiner Schritt. Das müssen wir reinkriegen.“

Dazu soll der vorgestern verpflichtete Jeffrey Bruma beitragen, soll mit seiner Bundesligaerfahrung eine ähnliche Rolle einnehmen wie der einst nachträglich geholte Nigel de Jong, ebenfalls ein Niederländer: in der Defensive vor allem als Führungsspieler wirken, der klare Ansagen gibt, der eine natürliche Autorität hat.

Bei aller Klarheit über den nächsten Gegner. Zum Optimismus gebe es keine Alternative, sagte der gebürtige Franke noch. Es gelte, alles in die Waagschale zu werfen in diesem Spiel, um so für die nächsten Begegnungen besser vorbereitet zu sein. Mit Bruma hat der Trainer noch mehr Optionen, denkbar ist somit auch, dass St. Juste wieder auf der Sechser-Position spielt.

Nun gut – mit einem Sieg rechne ich nicht. Da müssten wir schon einen Sahnetag erwischen und die Bayern sich über ihre diversen Streitigkeiten hinaus, die im Training ausbrachen, tiefer zerstritten sein. Was kaum der Fall sein dürfte. Ihre letzten Auftritte waren eher sehr bemerkenswert – die Bayern bringen nicht nur viel Qualität mit, sondern auch eine fast erschreckend gute Eingespieltheit und obendrein die Fokussiertheit, die Beierlorzer in seinem Team noch vermisst.

Was ich auf keinen Fall hören möchte, ist etwas wie: Verlieren wir 0:5 oder wieder 0:8? Nein. Hoffen wir auf eine besondere Motiviertheit unserer Jungs gegen den FCB, auf Kampf und Widerstand und nimmermüdes Anrennen. Dass mitzuerleben ist, wie sie sich aufreiben, dass sie auch dieses Spiel sehr ernst nehmen. Dann wäre für mich selbst eine deutliche Niederlage verkraftbar.

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