An einem guten Tag den BVB zu Hause schlagen

Schon beachtlich, wie Trainer Achim Beierlorzer das Spiel seiner Mannschaft beim FC Augsburg nachbereitet hat. Warum war sie so passiv, wollte er wissen. Defense First, hatte der Coach zuvor ausgegeben. Das funktionierte nicht. „Partielles Aufmerksamkeitsdefizit“, so der 52-Jährige. Doch gibt es auch gute Nachrichten vom Bruchweg direkt vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund zu vermelden.

Viele Fragen hatte der Trainer. Warum hatte sein Team die Vorgabe, die Augsburger so früh anzulaufen wie im Frankfurtspiel, nicht umgesetzt? Woher kam diese auffällige Passivität vor der Pause? „Dann war es wohl nicht so, dass wir in die Köpfe der Spieler gekommen sind“, merkte Beierlorzer jetzt an. Der Trainer versuchte, all seinen Fragen in Einzelgesprächen nachzugehen. Beierlorzer, den damit dieselben Fragen beschäftigten wie sein Vorgänger, hat nach meiner Auffassung das Spiel in Augsburg klar analysiert und seine Schlüsse daraus gezogen: „Wir müssen da an der Persönlichkeit jedes Einzelnen arbeiten, um die Aufmerksamkeit und die Fokussierung auf die Aufgaben Richtung 100 Prozent zu schieben“, wird Beierlorzer auf der Website des Vereins zitiert (Link). Hier ist vielleicht der Schlüssel zu finden zur Frage, warum die Mannschaft nach guten Phasen immer wieder einbricht, fast als sagte sie sich, dass sie mal locker lassen könne, wenn es mal gut gelaufen ist (dazu auch der Beitrag der Wortpiratin – klick).

Als weiteres Manko in Augsburg nannte der Trainer das zu zögerliche Angriffsspiel nach vorne. Ganz anders als gegen Frankfurt lief das in Augsburg: „Wir haben zu wenige Sprints nach vorne gemacht, die Tiefe nicht gesucht.“ Auch der Trainer weiß, dass keine Mannschaft konstant auf hohem Niveau spielen kann. Aber diese Mainzer Phasen des stetigen Auf und Ab sind sehr auffällig. Beierlorzer sprach von „partiellem Aufmerksamkeitsdefizit“. Er will jetzt jeden Einzelnen mit intensiven Gesprächen auf ein dauerhaft hohes Niveau bringen. Daran will er arbeiten. Auch am Aufbauspiel. Der Ball sei in Augsburg zu oft zurück zu Torwart Robin Zentner gegangen, der dann weit abschlagen musste. Dass der Gegner hinten meist nur Mann gegen Mann stand, habe sein Team gar nicht ausnutzen können, weil es zu selten nach vorne kam.

Mateta will nicht warten
Der meiner Meinung nach guten Analyse folgte zwischendrin die Nachricht des fast wieder genesenen Torjägers J-P Mateta, der ungeduldig auf seinen Einsatz wartet, aber noch nicht das Go der behandelnden Ärzte und Reha-Spezialisten bekommen hat. Der junge Franzose, der während der gesamten Behandlungszeit bewusst in Mainz blieb, um nah bei der Mannschaft zu sein, brennt auf seinen Auftritt. Noch in diesem Jahr. Am besten gleich am Samstag gegen den BVB. „Es ist einfach herrlich zu sehen, mit welch einer Freude er wieder im Mannschaftstraining ist, es wirkt einfach ansteckend“, sagte Achim Beierlorzer bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Dortmund (15.30 Uhr). Dazu auch…

… folgende Links:
Mateta ist ungeduldig (Kicker)
Mateta will noch in diesem Jahr wieder spielen (AZ)
Mateta und das Warten aufs Go (Mainz05.de)

Vielleicht bekommt der Rückkehrer – immerhin fehlte er sechs Monate – wenigstens eine Bankchance gegen den BVB. „Es ist ja Weihnachten“, meinte der Trainer schmunzelnd. Fehlen wird definitiv Danny Latza nach seiner kleinen Rücken-OP, die er in dieser Woche hatte. Stefan Bell und Dong-Wong Ji müssen weiter auf vollständige Genesung warten. Sonst kann Trainer Beierlorzer für dieses Spiel der Herzen, bei dem wie immer für einen guten Zweck gesammelt wird, aus dem Vollen schöpfen. Auch Ridle Baku steht wieder bereit, hat seine Rotsperre abgesessen. Fürs Mittelfeld ist er ein Kandidat. Beierlorzer wird ihn brauchen, da er gerade im Mittelfeld intensiv und aggressiv auf den Gegner gehen und diesem die Spielfreude nehmen will.

Müssen einen richtig guten Tag haben
Der BVB wird solche Hochkaräter keinesfalls liegen lassen, die Augsburg nicht nutzte. Auf keinen Fall will der Trainer gegen den BVB eine Mannschaft auf dem Platz haben, die nur „Sparringspartner“ ist. Er hat das letzte Champions-League-Spiel der Borussia genau angeschaut und analysiert, wo und wie die Westfalen zu knacken sein könnten. Beierlorzer (siehe im Video oben): „Wir müssen schon einen richtig guten Tag haben, um Dortmund zu Hause bezwingen zu können. Aber wir sind in der Lage, eine solche Mannschaft zu bezwingen, wir müssen aber natürlich alles investieren.“

Schwächen beim Gegner sieht der Trainer zum Beispiel in der Schnittstelle der Dreierkette des BVB. Und dass man Reus nicht alleine lassen darf, da er schnell sein und den entscheidenden Pass spielen kann. „Wir können schnell umschalten, wenn wir die Bälle gewinnen. Wir müssen aber darauf achten, dass wir die Bälle im Gegenpressing nicht gleich verlieren, das ist schon eine absolute Stärke von Dortmund, dass sie die Bälle gleich zurückgewinnen wollen.“

Die Journaille in Dortmund hingegen konzentrierte sich bei ihren Fragen auf den eventuellen Neuzugang Haaland oder das CL-Spiel gegen Prag, ob es jetzt den nötigen Focus auf die Bundesliga erzeugt habe. „Bundesliga ist unser Hauptgeschäft“, meinte Sportdirektor Michael Zorc und erschien mir dabei etwas angesäuert. Und tatsächlich – eine konkrete Frage zum nächsten Gegner Mainz kam gar nicht. Alle wünschten sich viele Punkte im weihnachtlichen Sack. Und vielleicht ist das genau unsere Chance: Im Kopf hat zumindest die Journaille rund um den BVB einen Dortmunder Sieg bereits verbucht. Dann mal los, ihr rotweißen Jungs!

BVB-Trainer Lucien Favre hatte bei seiner Pressekonferenz zum Mainzspiel keine konkrete Frage zum nächsten Gegner zu beantworten.



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