Fragwürdiger Elfmeter besiegelt Mainzer Niederlage in Augsburg

Florian Niederlechner verwandelt für seine Farben den entscheidenden Elfmeter. Foto: Hassenstein/Bongarts/Getty Images

Nein, auf diesen fragwürdigen Elfmeter allein sollten wir die Niederlage in Augsburg nicht zurückführen. Die Mannschaft hatte gar nicht wirklich Zugriff auf dieses Spiel, ließ sich den Verlauf und die Umstände von den Gastgebern diktieren. Und unsere Mainzer waren nicht so hellwach wie zuletzt, nicht so spritzig, nicht so giftig. Weder im Sturm, aber schon gar nicht in der Defensive.

Erster Schreck zu Beginn: Danny Latza musste just an seinem Geburtstag wegen Bandscheibenproblemen zu Hause bleiben. Weil Baku noch rotgesperrt ist, durfte der luxemburgische Nationalspieler Leandro Barreiro neben Pierre Kunde auf die Sechserposition. Ansonsten trat das Team unverändert zum Frankfurtspiel beim FCA an, also auch mit Dreierkette. Der zweite Schreck durchfuhr uns in der zweiten Minute, da spekulierte unsere Defensive auf Abseits und ließ sich überlaufen, hatte aber Glück, und gleich noch mal direkt darauf aus ähnlicher Situation.

Zwei Minuten später wiederholte sich das Ganze. Keine Zuordnung in der letzten Reihe, da begnügten sich die Mainzer mit Verdichtung in der Mitte, doch kamen die Bälle von allen Seiten. Himmel und Hölle! Die Abwehr wirkte dabei zu sorglos, die Mannschaft zu sehr nach vorne orientiert, hinten ohne Absicherung, der Gegner zu schnell am Strafraum, und unsere Jungs nach Ballverlust nicht schnell genug zurück. Das alte Problem. So stand das Team von Beginn an unter Druck. Und hatte viel Glück. Vargas scheiterte in der 6. Minute bei der bislang größten Chance seiner Farben nur äußerst knapp. Aus diesem Augsburger Griff kamen die Jungs anfangs kaum heraus. 

Und dann dieses Wahnsinnsglück gegen Ende der 10. Minute, als Ötztunali als letzter Mann im Rückwärtsgang unter Druck den Ball verlor, drei Augsburger leicht aufholten, Marco Richter aber alleine vor dem Tor nur das Außennetz traf. Wie man in solch einer Situation noch vorbeischießen kann…. Ötztunali machte es auf der anderen Seite kurz darauf besser, der Mann, der zurzeit einen Lauf hat. Er drehte am Strafraum nach innen und zog ab – sein Schuss ging flatternd ins linke Toreck. Nicht direkt unhaltbar. Da war es, das überraschende 1:0 für Mainz! Denn damit konnte angesichts des aktuellen Spielverlaufs niemand rechnen. Es hätte zu diesem Zeitpunkt auch schon 2:0 für Augsburg stehen können.

Die Führung änderte nichts am Spielverlauf. Unsere Mainzer brachten die Gastgeber auch weiterhin in beste Gelegenheiten, meist recht leichtfertig, und Trainer Beierlorzer versuchte mehr als einmal, vom Spielfeldrand aus zu korrigieren. Es lag an der schlechten Augsburger Chancenverwertung, dass nicht mehr passierte. Und bislang konnten Fernandes und St. Juste den Augsburger Torjäger Niederlechner gut abklemmen, doch holte sich der Mainzer Innenverteidiger die fünfte gelbe Karte ab. 

Aber dann schafften es die Augsburger doch  noch. In der 41. Minute griff der FCA an, die Mainzer in der Rückwärtsbewegung, Niederlechner von links mit dem Pass direkt auf die Grundlinie, wo Richter nur einschieben musste. Der Ausgleich war insgesamt verdient, in der Szene aber vermeidbar. Da hatten sie die Flanke nicht verhindert, die Gegenspieler nicht attackiert, waren nur mitgelaufen. Die letzten Spiele können die grundsätzlichen defensiven Mängel nicht übertünchen. 

Trainer Beierlorzer brachte nach der Pause Awoniyi für Onisiwo und Brosinski für Barreiro, schien damit auf ein 4-4-2 oder 4-2-3-1 umzustellen. Beide Teams nahmen sich nach Wiederanpfiff ein wenig zurück und agierten taktischer. Strafraumszenen wurden seltener. 

Ärger auch noch nach dem Spiel.

Den nächsten Aufreger verzeichneten wir erst wieder in der 63. Minute, als der Schiri ein Foul im Mainzer Strafraum pfiff, das aus meiner Sicht überhaupt keines war. Der Gefoulte, Vargas, hob einfach nach kurzer Feindberührung mit Kunde ab. Völlig unverständlich für mich, dass die Schiedsrichter so etwas nicht sehen. Niederlechner erhöhte für Augsburg auf 2:1. Und unser Trainer konnte sich lange nicht beruhigen. Er ärgerte sich auch noch nach dem Abpfiff: „Dass ein Schiedsrichter bei einer spielentscheidenden Situation nicht rausgeht und sich das anschaut“, wunderte sich Beierlorzer gegenüber dem TV-Sender Sky. Bei Ansicht der Wiederholung wäre man wohl zu der Entscheidung gekommen, „dass das kein Elfmeter ist“, sagte der Mainzer Trainer.

Von da an zog sich Augsburg etwas zurück, lauerte auf Konter, während unsere Mainzer nun wieder mehr nach vorne drängten. Jetzt mussten sie stärker ins Risiko gehen. Ging da noch was? Unsere Jungs holten noch den ein oder anderen Eckball raus, aber da standen sie zu unsortiert. Zudem schlichen sich jetzt häufiger Fehlpässe und Ballverluste ein. Beierlorzer brachte dann Szalai für Aarón, setzte damit klar auf mehr Offensive. 10 Minuten noch. Konnte der Ungar wie zuletzt auch in diesem Spiel den Joker geben?

Die eigenen Angriffe kamen zu verhalten. Da entstand nicht wirklich Druck auf den Gegner. Awoniyi hing vorne ziemlich in der Luft, hatte kaum eine gute Szene. Vielleicht Szalai? Augsburg spielte nun stärker auf Zeit, schlug den Ball immer wieder weit nach vorne oder ins Seitenaus. Unsere Mainzer bekamen noch einmal einen Freistoß am Anstoßkreis, aber der führte zu nichts. 

Immer wieder scheiße in Augsburg. Irgendwas Dummes passiert immer. Unsere Jungs holten also nichts im dritten Spiel von Achim Beierlorzer und damit dessen erste Niederlage. Defensiv bleibt es bei großen Mängeln. Die bis zum Heimspiel gegen Dortmund weitgehend abgestellt werden müssen. Sonst besteht Gefahr, in das alte Elend zurückzufallen. Dortmund, unser nächster Gegner, hat Mitbewerber Düsseldorf heute schließlich eine echte Packung verpasst. Die Liga bleibt spannend!

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