5:1 gegen Hoffenheim – Wie hat der Beierlorzer das nur gemacht?

Kollektive Freude: Mainzer Team mit Trainer Achim Beierlorzer (re.)
Foto: DANIEL ROLAND/AFP via Getty Images)

Hätte mir jemand dieses Ergebnis in Hoffenheim vorab genannt, ich hätte ihn für komplett wahnsinnig gehalten. Aber im Fußball gibt es Dinge, und vor allem in Mainz, die es nirgendwo sonst gibt.

Mutig stellte der neue Mainzer Trainer in seinem ersten Spiel auf: Er ließ mit einer Dreierkette spielen, Fernandes – sonst ein Sechser – hinten in der Mitte, flankiert rechts von St. Juste und links von Niakhaté. In der Fünferreihe davor Baku, der bei gegnerischem Ballbesitz auch mal als rechter Außenverteidiger wirkte. Auf der anderen Seite hatte Aaron eine ganz ähnlich Rolle, in der Mitte Kunde, Boëtius und Ötztunali, ganz vorne Onisiwo und Quaison. Das konnte gutgehen, dachte ich mir zu Beginn, dann, wenn dieses breite defensive Mittelfeld bei gegnerischem Ballbesitz mit einrückt, und das hatte gegen Köln ja auch schon ganz gut ausgesehen. Vielleicht hatte das der neue Mainzer Trainer Achim Beierlorzer als damaliger Köln-Coach noch in Erinnerung.

Zumindest sah diese Grundordnung nach mehr Kompaktheit in der Defensive aus. Die wir dringend brauchten. Brosinski, Kapitän Latza und der Ex-Hoffenheimer Szalai saßen vorerst nur auf der Bank. Robin Zentner hütete wieder das Tor, der gleich in der 2. Minute retten musste, weil St. Juste den Ball verlor. Von Anfang an stand unsere letzte Reihe wieder mords unter Druck, geriet sie oft fahrlässig und zu schnell in Unterzahl, attackierte den Ballführenden nicht konsequent genug oder verursachte fahrlässig Eckbälle. Das Team hatte aber auch einige Offensivszenen, schaltete immer wieder schnell um und war über Ötztunali und Boëtius rasch am gegnerischen Strafraum. Boëtius verfehlte in der 10. Minute nur knapp.

Schon länger nicht mehr gesehen: Die Mainzer Offensive attackierte früh den Gegner, schon an dessen Strafraum. Onisiwo holte sich so schon in der 12. Minute eine gelbe Karte ab.

Die defensiven Mängel blieben. Unsere Jungs ließen sich immer wieder zu leicht auskontern und kamen dadurch gehörig ins Schwimmen, so zum Beispiel in der 15. Minute. Da war Zentner schon geschlagen, doch wehrte der starke Kunde den Schuss auf der Linie ab. Das hätte schwer ins Auge gehen können. Unsere Jungs müssen nach hinten einfach besser absichern, es bleibt dabei, da spielen sie oft viel zu riskant. Im späteren Verlauf des Spieles bekamen sie das besser hin, da verschoben sie besser zum Ball, auch nach hinten.

Und dann, endlich, kaum zu glauben, aber unsere Mainzer gingen in Führung. Nach einem schönen Angriff über Baku, der den Ball zu Onisiwo passte, der wiederum durch seinen körperlichen Einsatz an Ötztunali weiterschob, und der U21-Nationalspieler sich ebenfalls robust durchsetzte und den Ball ins linke Eck drosch. Sehr schön zu sehen, wie sich die Mannschaft gemeinsam freuen kann. Und welche Erleichterung, welch ein Schub fürs Selbstbewusstsein. Denn unsere Jungs griffen weiter beherzt, leidenschaftlich

Hoffenheims Trainer Schreuder brachte nach der Pause den starken Kramaric für Akpoguma. Der hatte gleich nach Wiederanpfiff bei einem der zahlreichen Hoffenheimer Eckbälle eine erste gute Gelegenheit. Viel zu viele Eckstöße ließen unsere Nullfünfer auch zu Beginn des zweiten Durchgangs zu. Aber sie attackierten weiter. Und das immer noch sehr beherzt. Auch über Innenverteidiger St. Juste, der sich in der 53. Minute einmal rechts durchkämpfte und dessen Flanke auf dem Kopf von Hoffenheims Innenverteidiger Kaderabek so unglücklich landete, dass der Ball ins eigene Tor segelte. Kurios. Glücklich. Aber 2:0 für unsere Mainzer.

Dann fast das Eigentor auf der anderen Seite. Kunde verlängerte in der 58. Minute den Ball so unglücklich, dass Zentner gerade noch so herankam. Hoffenheim erhöhte jetzt den Druck, wollte vor eigenem Publikum nicht verlieren, sah sich aber einer kollektiv kämpferisch eingestellten Mainzer Mannschaft gegenüber, die jetzt alles ins Spiel warf.

Und das war noch lange nicht gewonnen. 30 Minuten noch auf der Uhr, und der Gastgeber in Überzahl. Da war viel Spannung drin. Aber Hoffenheim warf jetzt auch alles nach vorne und vernachlässigte seine Defensive. Das nutzte unser Team in der 69. Minute sehenswert: Aus der Defensive heraus kam der Ball ins Mittelfeld auf Boëtius, der sich gegen zwei Gegenspieler durchsetzte und den davongeeilten Kunde derart supergenau anspielte, dass dieser seinen Vollsprint fortsetzen konnte und den Ball zum 3:0 in die Maschen haute. Welch ein Triumph. Welch eine Leidenschaft. Welch unerwartetes Resultat.

Achim Beierlorzer nahm dann in der 75. Minute den starken Onisiwo vom Platz und brachte Awoniyi, der für seine Farben gleich einen Eckball herausholte. Dann noch einmal kurz zittern in der 82. Minute, aber Robin Zentner parierte einen Kopfball der Hoffenheimer blitzschnell. Getroffen haben sie dann doch noch kurze Zeit darauf. Da war unsere Defensive mal nicht im Bilde. Den zweiten Treffer konnte St. Juste in der 84. Minute aber gerade noch so verhindern. Das war knapp. Und mit letzter Kraft. Denn kurz vor Schluss gingen unseren Jungs spürbar die Kräfte aus. Zentner rettete noch einmal mit einer Wahnsinnstat und bewahrte uns vor dem zweiten Gegentreffer.

Doch nicht nur das. Einfach irre, wie das 4:1 fiel. Boëtius angelte sich den Ball mit dem Fuß aus der Luft, spielte zwei Gegner aus, spurtete davon und haute die Kugel ins Hoffenheimer Netz. Und noch einmal auskontern: Kunde auf dieselbe Weise, 5:1. Spurtete noch einmal alleine mit dem Ball davon. Das ist schlichtweg unfassbar. Was ist da passiert? Was hat der Beierlorzer da gemacht?

Ein Freudentag in Mainz, der dank eines kämpferisch-leidenschaftlichen Auftritts und eines hervorragenden Schlussmanns Robin Zentner überaus erfolgreich endete.

Und sorry, Sandro Schwarz. Das trifft dich hoffentlich nicht bis ins Mark! Das war auch mit deine gute Vorarbeit, der wir alle diesen Sieg zu verdanken haben.

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