Mehr Fragen als Antworten

Sandro Schwarz – großgeworden im Verein, langjähriger Spieler, Trainer, volle Identifikation mit dem Klub – da fällt die Trennung schwer. Für alle Seiten. Da geht jetzt die Diskussion natürlich weiter, vor allem jene über den sogenannten Mainzer Weg: am Trainer festzuhalten, gemeinsam die Probleme anzupacken, durch dick und dünn zu gehen und alle in die Pflicht zu nehmen, für Medien und Fans keinen Schuldigen zu opfern. Und dennoch wurde Schwarz entlassen.

Die Situation mag viel komplexer sein. Nicht allein der Millionen wegen in diesem Geschäft. Da gibt es auch die gestiegenen Erwartungen im direkten Umfeld. Und die Ablehnung, die Sandro Schwarz von gewissen Teilen der Fanszene von Anfang an zu spüren bekam. Wie kann ein Trainer noch angesichts solcher Anfeindungen frei seiner Arbeit nachgehen? Wie können das die Spieler? Die man aber auch gleichzeitig aus der Verantwortung nimmt, wenn man den Trainer entlässt.

Sie sind es, die die Leistung erbringen müssen. Beim FC Bayern diskutiert man genau darüber, welche Macht die Spieler haben. Ohne das jetzt auf den FSV Mainz 05 übertragen zu wollen – aber die Spieler haben ihre Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Die Körpersprache einiger Mainzer Akteure beim Spiel in Leipzig und gegen Union verrät einiges über ihre eher lässige Einstellung. Spitze, Hacke, 1, 2, 3 – hat Boëtius den Ernst der Lage erkannt? Eine gewisse Lässigkeit in dieser viel zu ernsten Phase, in der Klarheit und Direktheit gefragt sind, zeichnet ihn aus – wie auch Aaron, Hack, inzwischen selbst St. Juste. Oder täusche ich mich da?

Hat Kapitän Latza den Ernst der Lage wirklich begriffen? Oder kann er in dieser Situation noch konzentriert aufspielen? Ihn ließ Schwarz am Samstag gar nicht erst auflaufen und Aaron nahm er vom Platz, Kunde spielte nicht. Aaron spielt aus meiner Sicht seit Wochen unter Niveau – wollte er nicht gar weg? Fehlt bei einigen die Ernsthaftigkeit, die Einsicht in den Ernst der Situation, in die desaströse Spielweise? Oder fehlt gerade die volle Identifikation mit dem Verein? Es muss einfach Konsequenzen haben, wenn Spieler fortgesetzt unter ihrem Niveau auftreten oder die Körpersprache fehlendes Engagement oder mangelnde Motivation ausdrückt.

Eine Abkehr vom Mainzer Weg würde auch das bedeuten: Sich nicht zur Mainzer Spielweise zu bekennen, sie nicht zu leben. Deshalb müssen die Verantwortlichen schon früh aktiv werden, wenn sie solche Anzeichen erkennen. Der Verein darf nicht zum Durchlauferhitzer für die Karriere einiger weniger verkommen. Wer nicht dazu steht, sollte nicht spielen.

Insofern ist das für einen Trainer eine Mammut-Aufgabe, gleich, welcher Trainer das ist oder werden wird. Er muss nicht nur ein guter Fachmann, sondern auch ein Betreuer, ein Pädagoge und ein Psychologe sein. Und gut kommunizieren können.

Als Außenstehender bleiben mir da mehr Fragen als Antworten. Und ich könnte mir vorstellen, dass es den Internen zurzeit ganz ähnlich ergeht.

Sandro Schwarz hat heute eine Botschaft an die Fans des Vereins geschickt. Ihr könnt diese hier nachlesen: Link.

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