Das Leipzigspiel vergessen machen

Die Entschuldigung für den schlechten Auftritt in Leipzig auf dem Platz geben – das wollen die Nullfünfer an diesem Wochenende zu Hause gegen Union Berlin. Und das sollen sie. Es klang entschlossen, was Trainer Sandro Schwarz in der Pressekonferenz vor dem Spiel sagte, auch wenn da etwas Zweckoptimismus durchschien. Schwarz dürfte viele Skeptiker zurückgelassen haben, werden er und die Mannschaft viel echte Überzeugungsarbeit leisten, ja, Fakten liefern müssen. Den Druck auf sein Team und sich selbst hat Schwarz damit noch einmal gesteigert. Da hatte er auch kaum eine Wahl. Nicht auszudenken, wenn auch dieser Auftritt gegen Union in die Hose gehen sollte.

Eine Niederlage gegen den starken Aufsteiger werden die Fans nur verzeihen, wenn die Mannschaft trotzdem alles gegeben hat. Sport-Vorstand Rouven Schröder und Trainer Sandro Schwarz sehen in erster Linie das Team in der Pflicht. Wenngleich Schröder auf die entsprechende Frage eines Journalisten erwiderte, dass niemand von seiner Verantwortung freigesprochen oder ausgenommen worden sei und damit klar war, dass auch der Trainer in die Pflicht genommen wird. Keine schöne Phase derzeit am Bruchweg.

Mit Union Berlin kommt nun ausgerechnet eine Mannschaft, mit denen vor allem ältere Fans nicht unbedingt Angenehmes verbinden – damals, der gescheiterte Aufstieg im Stadion An der Alten Försterei. Wo man uns nach dem 1:3 mit Hohn und Spott nur so übergossen hat. Ein einziges Pünktchen hätte uns im Mai 2002 zum Aufstieg gefehlt, und dieses Pünktchen haben die uns dort nicht gegönnt. Heute spielen die Eisernen so wie wir damals – kämpferisch, bissig, aggressiv, leidenschaftlich, läuferisch stark, unbeugsam. Und treffen auf eine Mainzer Mannschaft, der das 0:8 von Leipzig noch sehr in den Knochen steckt.

Nein – diese Niederlage bedeutet nicht, dass unser Team grundsätzlich untauglich wäre für diese Liga. Es gab solche Spiele auch in der Vorsaison – zum Beispiel das Heimspiel gegen Leverkusen im Februar des Jahres. Ein 1:5 war das mit einem 1:4 zur Pause. Damals schon hatte ich befürchtet, dass es noch mehr Gegentore werden könnten. Damals schon hat uns der Gegner fast überrannt, liefen wir eigentlich nur hinterher, fehlte jede Kompaktheit. Und schon damals hatte ich den Eindruck, Schwarz habe zu offensiv aufgestellt. Damals fehlte auch Gbamin, er war verletzt, heute fehlt er permanent. Unser Mittelfeld kann den Gegner oft genug schon nicht bremsen, und die letzte Reihe wirkt immer wieder desolat. Auch beim 0:6 gegen die Bayern in der Vorsaison und dem jüngsten 1:6 beim FCB. Warum sollte das im Heimspiel gegen Union nun anders werden? Will Schwarz etwa mit einer Fünferkette spielen lassen?

Warum hat die Mannschaft keine Verlässlichkeit? Der Trainer glaubt, dass seine Spieler im Kopf sehr beschäftigt sind, wenn es im Spiel früh nicht läuft. „Sie wollen, machen dann aber nicht in dieser Geschwindigkeit, nicht mehr mit derselben Energie das Richtige wie zuvor.“

Seine Mannschaft soll gegen Union „mit dem Köln-Gesicht“ antreten, fordert der Trainer. Nun gut, kämpferisch war das überzeugend. Aber war dennoch nicht jedes der drei gewonnen Spiele auch recht knapp? Kein Zweifel – souverän sieht anders aus. Am Samstag geht es jedoch zuvorderst ums Ergebnis. Schwarz wünscht sich dafür viel Emotionalität von den Rängen. Das könnte funktionieren. Er hat bis auf Stefan Bell alle seine Verteidiger wieder an Bord. Das ist schon mal was. Der Rest ist Nach-vorne-Brüllen und Tee oder meinetwegen Bier trinken. An alles andere denken wir erst mal nicht.

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