2:3 – Keine Wende bei Mainz 05

Mainz 05 kommt nicht vom Fleck. Gegen Union Berlin setzte die Mannschaft phasenweise ihren schlechten Auftritt von Leipzig vor eigenem Publikum fort. Desolat, wie sich das Team die Treffer von Aufsteiger Union Berlin einschenken ließ und wie wenig es sich dagegen gewehrt hat. Das lässt das Schlimmste befürchten.

Tumulte nach dem Spiel.

Unsere Jungs begannen schon sichtlich verkrampft. Klar, nach einem derart desolaten Auftritt wie dem in Leipzig muss irgendwie wieder neues Selbstvertrauen her. Ob Union dafür der richtige Gegner war? Die Eisernen, wie sie sich traditionell nennen, zeigten sich kompakt und mit gutem Umschaltspiel. Und sie hatten ihre Chancen gleich in der 11. Minute und kurz darauf noch einmal, nutzten sie aber nicht. Da war die Mainzer Verteidigung wieder sehr weit aufgerückt und zu langsam in der Rückwärtsbewegung, nicht sortiert, nicht zugeordnet. Glück gehabt.

Boëtius agierte (wenigstens) zu Beginn als Aktivposten im Mainzer Aufbauspiel, das zogen unsere Jungs auch schön auf. Sie kamen immer wieder vor das Berliner Tor, wirkten dabei oft ein wenig umständlich oder hatten schlichtweg Pech. Die größte Chance in der ersten Halbzeit hatte Ridle Baku, der überraschend frei zum Schuss kam und den Ball schön ins lange Eck zirkeln wollte, aber vorbeischoss. Hätte er mal getroffen. Denn praktisch im Gegenzug erzielte Union das 1:0, der Ball wurde dabei dumm abgefälscht von Brosinski. Doch hatte sich die Defensive an diesem Punkt schon wieder überlaufen lassen. 0:1. Irgendwie symptomatisch für die Situation, in der die Mannschaft derzeit steckt.

Da lagen sie wieder im Rückstand, und wir erinnern uns, was Trainer Sandro Schwarz dazu gesagt hatte. Dass seine Mannschaft im Kopf nicht mehr klar sei, wenn sie zurückliege. Gut, wir hatten das so gegen Köln und konnten das Spiel noch drehen. War das hier wieder möglich? Nach Chancen und Offensivszenen musste uns da nicht bange sein, da hätten wir längst führen müssen – aber sie mussten auch einmal treffen. Quaison hatte den Ausgleich in der 38. Minute auf dem Fuß – der Berliner Keeper hatte jedoch was dagegen.

Stattdessen folgte der nächste Rückschlag – das 0:2. Kurz vor der Pause gab es noch einmal eine Ecke. Unsere Mannschaft hinten wieder völlig unsortiert, ein Hühnerhaufen, panisch statt konzentriert, ließ sich das nächste Ei ins Nest legen. Union hatte gar keine Mühe, diesen zweiten Treffer (per Kopf) zu setzen. Sie wurden nicht daran gehindert. So ging es unter einem Pfeifkonzert der ohnehin nicht zahlreichen Zuschauer in die Pause, und wir können nur rätseln, welche Worte in der Kabine gewechselt worden sind.

Offenbar war die Ansprache nicht deutlich genug, denn Union konnte auch nach Wiederanpfiff am Mainzer Strafraum fast ungehindert schalten und walten. Wie sich unsere Jungs da hinten anstellten – es ist kaum mehr zu beschreiben. Die behinderten sich sogar gegenseitig. Da hing der dritte Treffer nicht nur in der Luft – der folgte beim nächsten Eckball. Unfassbar einfach, wie das ging. Niemand war beim Torschützen Andersson, der schon das 2:0 gemacht hatte. Das sah schon fast nach Arbeitsverweigerung aus.

Schwarz brachte Maxim und Onisiwo, nahm Boëtius (der schwer nachgelassen hatte) und Ötztunali runter. Nun kam offensiv mehr in Gang – freilich hatte Union drei Tore Vorsprung und schaltete etwas zurück. Das Publikum reagierte aber und feuerte sein Team noch mal an – gutes Zeichen!

Schwarz nahm dann Aaron raus (spielt seit Wochen nach meiner Auffassung unter Niveau) und brachte den jungen Burkardt, Brosinski wechselte dafür auf die linke Seite. Der Nachwuchsspieler hätte fast getroffen mit einem schulmäßigen Kopfball. Dann aber traf Onisiwo nach fleißigem Zuspiel von Niakhaté – der Abwehrspieler hatte zwar Anteil an den Gegentreffern, aber er kämpfte weiter auch nach vorne mit. So auch Brosinski. Er setzte in der Nachspielzeit zu einem Spurt an und machte das 2:3. Da war noch eine Minute zu spielen. Die leider nichts mehr veränderte.

Der kleine Endspurt im zweiten Durchgang mag uns ein wenig versöhnen, aber da war das Spiel schon entschieden. Es bleibt dabei: Die Mannschaft zeigt immer wieder dieselben Mängel. Vor allem hinten ist sie ohne Ordnung, fällt sie beim geringsten Druck in den Hühnerhaufen-Modus. Dass sie defensiv noch immer keine Stabilität hat, muss man – ohne dass ich mich am Trainerbashing beteiligen möchte – auch der Trainercrew anlasten. Da muss mehr passieren.

2:11 Tore in einer Woche. Ich denke, wir sind alle erst mal bedient. Was trotzdem nicht dazu führen darf, dass sich Fans nach dem Spiel zu Tumulten hinreißen lassen.

Warten wir ab, was sich während der Länderspielpause tut.

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