Mainz spielt sich langsam aus dem Tabellenkeller

Jan-Moritz Lichte, Assistenzcoach bei Mainz 05, führte die Mannschaft in Paderborn zum Sieg. Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images

Keine neun Minuten waren gespielt in Paderborn, da klingelte es im Tor – in dem der Gastgeber. Ötztunali, erstmals von Anfang an dabei, hatte sich den Ball erkämpft, schön auf Quaison gespielt, und der tunnelte den gegnerischen Keeper – 1:0. welch eine Freude. Die nur fünf Minuten später wieder Makulatur war, weil unsere Defensive, heute bestehend aus Baku, St. Juste, Niakhaté und Brosinski, im Zentrum viel zu verhalten reagierte, der Stocherball von Zolinski irgendwie ins Tor kullerte. Wo waren sie da wieder mental? Fehlt da hinten einer, der mal den Ton angibt? Fast zu vermuten.

Egal erst mal, Jan-Moritz Lichte vertrat den gelb-rot gesperrten Trainer Sandro Schwarz mit stoischer Ruhe an der Seitenlinie. Im Tor herrschte die neue Nummer eins, Robin Zentner, davor die neu gebildete Abwehr und auf den Flügeln Boëtius und Ötztunali, zentral Kunde und Fernandes, vorne Quaison und Onisiwo. Der die Riesenchance zum 2:0 verdaddelte.

Unsere Jungs versuchten es mit schnellem Umschaltspiel, mit mindestens einer Spitze, die vorne anspielbereit lauerte. Sie versuchten, früh die Bälle zu erobern, Fehler des Gegners auszunutzen und die Paderborner im Aufbauspiel zu stören. Da wirkten die Westfalen nicht so sicher. Das schien der Mainzer Matchplan zu sein. Der Gegner schaffte es dennoch immer wieder gefährlich in den Mainzer Strafraum, wo die Defensive nicht so sattelfest aussah. Auf den Flanken kamen die Paderborner immer wieder relativ ungestört durch.

Doch blieben unsere Jungs dran – wieder mit Ötztunali. Das Foul an ihm ahndete der Schiri in der 31. Minute mit einem Elfmeter, den Brosinski cool versenkte. Sollte der Vorsprung einmal halten? In der 35. Minute mussten wir schon wieder zittern, denn da gab es nach einem Foul von Baku direkt an der Mainzer Strafraumgrenze einen Freistoß für Paderborn, aber das ging noch einmal gut. Zittern müssen wir immer, wenn sich eine Halbzeit dem Ende neigt, denn dann fangen wir nach der aktuellen Statistik die allermeisten Tore.

Stattdessen griffen unsere Jungs giftig an, verspielten aber allerbeste Chancen, einmal Onisiwo, einmal Quaison, jeweils mit dem Kopf, einmal frei vor dem Keeper. Das 1:3 hätte vor der Pause einfach fallen müssen. Es fehlte jedoch an der Präzision, auch im Spielaufbau, doch unterliefen Paderborn in der eigenen Hälfte ebenfalls Abspielfehler.

Offensiv überlegen ging unser Team dann in den zweiten Durchgang, was da an Chancen vor dem Strafraum der Gastgeber erspielt wurde, lässt sich kaum mehr beschreiben. Nur wollte der Ball wieder nicht ins Eckige. Da zittert man dann schon mal, ob es nicht doch noch ins Auge geht… Aber ich wollte kein Pessimist sein.

Und das fiel schwer. Da unsere Jungs in der 78. Minute nach Handspiel von Brosinski, so sah es der Schiedsrichter, einen Elfmeter hinnehmen mussten. Und, welch große Tat, Zentner hielt. Sehenswert, meisterhaft. Der Kopfball im Anschluss ging knapp vorbei. Wenn das nicht ein gutes Omen für die letzten 10 Minuten sein sollte. Aber die Gastgeber rannten noch einmal an, sie hatten zweimal gewechselt bis dahin, das bescherte ihnen die zweite Luft. Lichte hatte Burkardt für Quaison gebracht, wechselte dann Szalai für Onisiwo ein, also den kompletten Sturm.

Der musste aber auch mit verteidigen, denn Paderborn gab noch einmal alles, stürmte, suchte den Ausgleich, wollte das Tor. Ein Eckball nach dem nächsten bekamen die Gastgeber, aber vorerst waren unsere Jungs auf der Hut. Sie hatten selbst ihre Tor-Raumszenen, erzwangen aber nichts. Boëtius zog das Spiel im Mittelfeld und auf der linken Seite immer wieder intelligent auf, verteilte die Bälle so auch kurz vor Schluss an unseren Youngster, doch Burkardt zielte knapp vorbei.

Drei Minuten gab es oben drauf, und wir wissen, das fällt in die Zeit, in der wir die meisten Gegentore fangen in dieser Saison. Sollte es endlich einmal gelingen, die Seuche zu besiegen? Lichte wechselte ein letztes Mal, brachte Barreiro und nahm Boëtius heraus. Mit der letzten Aktion schnappte sich Zentner die Kugel, verletzte sich dabei noch ein wenig, aber wurde letztlich zum Held des Tages. Denn den Sieg haben unsere Nullfünfer mit großem Anteil ihrem Torwart zu verdanken.

Vor allem offensiv war das ein sehr gutes Spiel unserer Mainzer, die ihre Chancen aber noch viel, viel konsequenter nutzen müssen. Hinten bleiben wir wacklig. Da behält unser Trainer seine größte Baustelle.

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