Schwarz ist nicht Klopp, ist nicht Tuchel – aber er ist Mainz 05

Der Moment größter Theatralik: Schiedsrichter Felix Brych zeigt Sandro Schwarz die gelb-rote Karte. Foto: Jörg Halisch/Bongarts/Getty Images

Sandro Schwarz wirkte zuletzt ein wenig hilflos. Was soll er auch noch alles sagen, warum sein Team in sechs Spielen nur drei Punkte holte? So entschuldigt sich der 05-Trainer schon dafür, dass er sich in seinen Erklärungen oft wiederholt. Oft wiederholen muss. Wie sehr die derzeitige Situation an ihm nagt, zeigt schon die gelb-rote Karte , die er von Schiedsrichter Felix Brych im Heimspiel gegen Wolfsburg bekommen hat. Da war der Coach extrem aktiv an der Seitenlinie, verließ die ihm zugewiesene Zone und rief auf den Platz – der Schiri reagierte. Dass der Unparteiische aus Fansicht gar nicht so unparteiisch gepfiffen haben soll – das ist eine ganz andere Frage.

Bei der Medienrunde an diesem Dienstag wiederholte Schwarz noch einmal seine Argumente. Dass sein Team bis 20 Meter vor dem gegnerischen Strafraum und 20 Meter vor dem eigenen vieles richtig mache, dass es oft an der Konzentration vor allem bei Standards fehle. Nun – er ist der Trainer, er muss daran arbeiten. Das weiß er, aber die Ergebnisse haben die Kritiker längst auf den Plan gerufen, und die sind oft unerbittlich. Von Frankfurter Kollegen werde ich inzwischen gefragt, wie lange es denn noch dauere, bis „Blacky“ entlassen werde. Was freilich eine böse Absicht in der Frage transportiert. Wir sind ja nicht die Eintracht, sage ich dann, bei uns hat man Vertrauen zu seinen Leuten.

Bei allem Vertrauen dürfte es dennoch schwierig werden, wenn Sandro Schwarz die nächsten beiden Spiele in Paderborn und in Düsseldorf nicht gewinnen wird. Zwischen beiden Spielen hat er noch mal 14 Tage Zeit – Länderspielpause. Vielleicht kommt dann der ein oder andere lädierte Akteur noch besser auf die Beine. Obwohl die Verletzungen bei Mateta und Ji in aller Regel längerfristige Heilungsprozesse benötigen. Klar, Sandro ist nicht Klopp, ist nicht Tuchel. Aber er ist Mainz 05. Und vor allem – eine Trainerdiskussion finde ich (zum jetzigen Zeitpunkt) gar nicht sinnvoll. Warum sollte „unser Sandro“ denn nicht das wieder schaffen, was ihm zum Ende der Vorsaison schon gelungen ist, einfach das Team besser aufeinander einstellen und so auch die Top-Teams schlagen? Gut, es fehlen ihm entscheidende Akteure, der ein oder andere Neuzugang hat noch nicht so gezündet, und auch Spieler wie Baku oder Latza scheinen immer noch nicht ihre Bestform gefunden zu haben.

Es wird Zeit. Die Mannschaft hat sich in den letzten 15 Minuten gegen Wolfsburg noch einmal bemerkenswert aufgerappelt, Initiative gezeigt, Gas gegeben. Da kamen dann endlich auch mal mehr Flügelläufe und Flanken anstatt blinde und weite Pässe in die Spitze. Mir fehlt auch immer noch ein Spieler, der die Lücken besser sieht, der Überblick hat, der versucht, das Spiel intelligent anzugehen, weil er seine Taktik dem Geschehen auf dem Rasen anpasst und dabei die übrigen Jungs mitzieht. Gbamin – der hatte einiges davon. Mateta kann das auch, wenn er gut drauf ist. Boetius – aber der kann auch mehr als das, was er derzeit zeigt, finde ich.

Am Samstag in Paderborn gewinnen. Dann haben Team und Trainer erst mal etwas Luft bis zum nächsten Spiel 14 Tage darauf. Dass auch dieses Vorhaben alles andere als einfach ist, haben die Paderborner zuletzt gegen die Bayern gezeigt. Da hilft dann nur: Bloß nicht verunsichern lassen.

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