Mainzer Mannschaft bricht gegen Bayern dann doch auseinander

Das Spiel bei den Bayern begann mit einer Überraschung: Die Gäste gingen schon nach etwa sechs Minuten in Führung. Boëtius hatte die Flanke von Gabriël mit dem Kopf gleich zum ersten Treffer des Spiels verwertet. Auch sonst durften wir uns erst einmal positiv über unsere Mainzer wundern. Sie verschoben hervorragend zum Ball hin, machten so die Räume eng und verhinderten damit, dass die Bayern ihr Spiel aufzogen und in Gang kamen. Ja, das nervte die Bayern, die offenbar geglaubt hatten, der aktuelle Tabellenletzte sei leicht abzufertigen.

Das lag auch an Sandro Schwarz’ Einstellung und Aufstellung. Die überraschte, denn der 05-Trainer hatte einige Veränderungen vorgenommen: So spielte erstmals auf der rechten Außenverteidigerposition anstelle von Brosinski Neuzugang Pierre Gabriël, den Sechser markierte Baku, und vorne links stürmte der junge Burkardt von Anfang an zusammen mit Onisiwo. Neuzugang Szalai musste erst mal auf der Bank Platz nehmen. Das Spielsystem sah eher nach einem flachen 4–4–2 aus als noch einem mit Mittelfeldraute, denn die Gäste konzentrierten sich vor allem auf die schnellen Außenverteidiger der Bayern, gingen dort früh drauf – das wirkte dann wie der angekündigte Plan des Trainers, die Passgeber für Bayerns Starstürmer Lewandowski zu bremsen.

Die Münchner hatten dennoch Chancen zu hauf, doch wirkte vieles zu überhastet. Die Mainzer klemmten die Bayernstars fast schon durch Direkt-Überwachung und -Beschattung quasi ab. Lewandowski hatte in der Frühphase und Perisic in der 30. Minute noch die beste Chance auf einen Treffer. Sehr viel mehr war bis dahin nicht passiert auf des Gastgebers Seite. Wobei die ganz in Weiß gekleideten Mainzer immer wieder nach vorne und zu Abschlüssen kamen.

15 Minuten vor der Pause drehten die Bayern dann jedoch auf und drangen vor allem deutlich besser über die Außen nach vorne. Perisic entwischte einmal Gabriël auf links, und Pavard machte seinen Fehler vom ersten Mainzer Treffer wieder gut, er verwertete die Flanke direkt zum Ausgleich. Zuvor hatte der Mainzer Torwart Florian Müller in der 33. Minute einen Freistoß von Lewandowski gehalten, der direkt von der Strafraumgrenze kam. Niakhaté hatte davor die gelbe Karte gesehen.

Der Druck auf die Gäste stieg. 16 Ecken verzeichneten die Gastgeber bis zur 40. Minute. Sie beherrschten nun den Strafraum der Mainzer, die den Ball immer seltener aus der Gefahrenzone bekamen und öfter ihre Positionen verließen. Die Zuordnung stimmte häufiger nicht mehr und der Druck auf den Ballführenden ließ nach. Ganz klar: Die läuferrische Leistung der Nullfünfer bei diesen anhaltend hohen Temperaturen hatte eine Menge Energie gekostet, Kraft und Konzentration ließen nach.

Sonst wäre es vermutlich auch nicht zu dieser Situation gekommen – zu einem erneuten Freistoß an der Strafraumgrenze. Hack hatte Lewandowski unfair gestoppt – weil kein Mitspieler den Pass auf den Bayernstürmer verhindert hatte. Diesmal traf Alaba wenige Meter vor dem Strafraum kunstvoll mit dem linken Fuß an Freund und Feind vorbei ins rechte obere Eck. Flo Müller blieb nur noch das Staunen. Die Bayern führten mit 2:1. So ging es in die Pause. An dieser Stelle ohne Überraschung.

Kunde für Latza – die einzige Veränderung auf Mainzer Seite zu Wiederbeginn, wobei Baku eher auf die Latzaposition wechselte. Am Spielverlauf änderte das nichts. Die Gastgeber blieben tonangebend. Es dauerte nämlich nicht lange und die Bayern legten nach. Bei einem Angriff übten sich unsere Jungs wieder mal im Begleiten der gegnerischen Stürmer. Die Flanke auf Perisic segelte ungehindert auf die linke Angriffseite der Gastgeber, wo der Bayernspieler höher sprang als der Mainzer Gabriël: 3:1. Ärgerlich, weil wieder vermeidbar. Schwarz reagierte, brachte jetzt Szalai für Burkardt, der noch kurz zuvor sehr viel Pech vor dem Tor gehabt hatte.

4:1 markierte dann Coman in der 64. Minute – wieder bei einem Standard. Auch bei diesem Eckball schien die Defensive nicht sortiert, nicht schnell und nicht gedankenschnell genug. Sollte das wieder eine hohe Niederlage wie im März des Jahres werden (0:6)? Alles Lamentieren half nichts. Unsere Nullfünfer liefen fast nur noch mit und gingen kaum mehr in die Zweikämpfe. Dabei waren immer noch 25 Minuten auf der Uhr. Jetzt nur nicht diese Rolle des Tabellenletzten auch noch so bereitwillig annehmen, nicht auch noch spielen wie ein Absteiger… warum hatte das Team die gute Phase im ersten Durchgang so schnell wieder aufgegeben? War es zu kräftezehrend?

Die Bayern jedenfalls hatten noch immer nicht genug, sie stürmten weiter und nutzten jeden Umschaltmoment. Vor allem Lewandowski mühte sich – ob er wirklich Gerd Müllers Rekord von sechs Treffern in den ersten drei Spielen knacken wollte?Entlastung für unsere Jungs gab es zwar noch hier und da: Kunde, Szalai, Onisiwo, Boëtius – sie versuchten es. All das konnte nicht verhindern, dass unsere Mainzer buchstäblich auseinanderfielen: Das 5:1 fiel viel zu einfach: Die Flanke in den Mainzer Strafraum kam ungehindert, der Ball dann zu Lewandowski, der drehte sich schnell, und drin war das Spielgerät. Und kurz darauf der sechste Bayern-Treffer – auch hier schaute unsere Defensive eigentlich nur zu. Dabei war doch noch gar nicht Oktoberfest.

Schwarz nahm einen Stürmer runter, Onisiwo, brachte Innenverteidiger St. Juste. Doch eigentlich konnte man unseren Jungs nur noch einen frühen und zeitigen Abpfiff wünschen. Wenigstens verstrich die einzige Minute Nachspielzeit ohne weiteren Treffer, so dass sich unsere Bilanz gegen die Bayern seit dem März des Jahres wenigstens um ein Tor verbessert hat. Die Leistung allerdings reicht noch immer nicht aus. Erschrecken muss vor allem das buchstäbliche Auseinanderbrechen der Struktur, sobald das Team ein Tor kassiert. Jetzt sind zwei Wochen Pause – da hat Sandro Schwarz ein wenig Zeit, die Dinge zu verbessern. Die ersten Punkte müssen her.

0:1 Boëtius (6.)
1:1 Pavard (36.)
2:1 Alaba (45.)
3:1 Perisic (54.)
4:1 Coman (64.)
5:1 Lewandowski (78.)
6:1 Davies (80.)

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