Depression, Dramatik, Dortmund

Welch Auf und Ab in der Leistung. Und natürlich bei den Gefühlen der Fans. So ließe sich die Performanzkurve unserer Mainzer in dieser Saison beschreiben. Nach schönem 5:0-Sieg zu Hause gegen Freiburg nun in der ersten Halbzeit ein blutleerer Auftritt in Dortmund. Zu verhalten, zu abwartend und auch mutlos, mit wenig Initiative und Engagement – so ließe sich der erste Durchgang beschreiben, an dessen Ende unsere Jungs schon mit 0:2 zurücklagen.

Hinten nur den Angreifer begleitend, aber nicht zugreifend, vorne ohne Plan und Ziel, ohne klaren Aufbau, ohne Passmuster, ohne Laufmauster. So kann man gegen den Titelaspiranten Borussia Dortmund nicht bestehen. Wieder mal konnte ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass einige in unserem Team sich schon viel zu sicher sind, was Klassenerhalt und Saisonziel betrifft. Trainer Sandro Schwarz wird seine Jungs mit Sicherheit nicht derart aufgestellt haben, wie sie dann aufgetreten sind. Der Coach ließ früh seine Auswechselspieler an der Seitenlinie warmlaufen. Ein klares Zeichen – wer zu schlecht ist, wird gleich ausgewechselt. Danach kam zumindest offensiv ein bisschen was in Gang. Die beste Szene vor dem Seitenwechsel war noch Onisiwos Versuch, den Ball mit der Hacke ins Tor zu befördern. Er scheiterte nur knapp. Leider.

Hätte er getroffen,… Ein solches Zeichen fehlte der Mannschaft. Die sich vor allem dadurch auszeichnete, dass sie den Gegner beim Toreschießen nur begleitete, aber nicht eingriff, nicht angriff, nicht attackierte, nicht dazwischenging. Hinten vermisste ich den zuletzt so engagierten Niko Bungert. Sein Vertreter Alexander Hack wirkte oft wie ein Fremdkörper – nicht bei sich. An ihm alleine will ich das aber nicht festmachen. Mir fehlte generell mehr Gift, mehr Zweikampfstärke, mehr Initiative und Engagement. Chancenlos waren wir nämlich nicht. Nur viel zu harmlos. Viel zu passiv. Teilweise wirkte das schon recht peinlich.

Lag es an der Dreier- beziehungsweise Fünferkette, mit der die Mannschaft nicht so klar kam? Sandro Schwarz stellte zur Pause wieder um auf die bewährte Viererkette. Er brachte außerdem Baku für Kunde. Ob der junge Mann seinen Erfolg vom Vorjahr wiederholen konnte? Aber Schwarz hatte in der Kabine vermutlich die richtigen Worte gefunden. Nun ging es im Mittelfeld aggressiver in die Zweikämpfe, hatten die Jungs auch mal Zugriff auf Ball und Gegenspieler. Dortmund brach zwar immer wieder durch, aber den letzten Ball nicht zum Empfänger. Balleroberungen konnte unser Team dabei nicht immer umsetzen, da fehlte es anfangs am Tempo und an der Präzision im Passspiel.

Aber unsere Mainzer kamen jetzt. Wie gesagt – dieses Auf und Ab in der Leistungskurve… Schwarz wechselte erneut, nahm den glücklosen und verwarnten Mateta vom Platz, brachte Quaison. Das Passspiel wurde zwar nicht besser, doch war nun mehr Aggressivität in unseren Zweikämpfen. Das giftigere Nachsetzen bremste den Gastgeber aus. Sein Spiel lief nicht mehr wie im ersten Durchgang. Das war jetzt die Chance für unser Team.

Jetzt, endlich, kam was in Gang, mehrten sich die Chancen. Onisiwo wieder, scheiterte erneut am Pfosten. Vor allem der junge Österreicher zeigte wie kaum ein anderer, dass er unbedingt was holen wollte. Jetzt war mehr Selbstbewusstsein drin, Courage, Engagement. Die Mannschaft kämpfte, kämpfe um jeden Ball, ging überall dazwischen, versuchte jeden Fehler wieder wett zu machen, jeden Ballverlust. Warum eigentlich nicht gleich so?

Rot-Weiß drückte Gelb-Schwarz jetzt in die eigene Hälfte. Die Pässe kamen jedoch nicht genau genug, zudem war immer wieder ein Dortmunder Bein dazwischen. Die Gastgeber hatten dennoch ihre Chancen, weil sie immer wieder mal konterten, nur nicht mehr so häufig. Reus verpasste in der 82. Minute nur knapp das 3:0.

Schwarz riskierte dann alles, nahm den defensiven Latza vom Platz und brachte einen dritten Stürmer, Anthony Ujah. Und endlich. Es traf einer, Robin Quaison, aus dem Gewühl heraus vor dem Dortmunder Tor. Nur noch 1:2. Engagement belohnt. Eine unglaubliche Dramatik entwickelte sich da, ein Mainzer Sturmlauf auf das Dortmunder Tor. Unser Team spürte, dass hier noch was drin war, dass die Niederlage noch abgewendet werden konnte. Der BVB schien völlig platt. Und erneut im Gewühl vor dem Dortmunder Tor – die Riesen-Chance für Ujah, aber diesmal war Torwart Bürki schneller. Er hielt den Ball direkt auf der Linie fest. Super knapp.

Vier Minuten Nachspielzeit. Ging noch was? Unsere Jungs griffen an, stürmten, fighteten. Na logisch, viel zu spät, aber sie drückten noch in den letzten Sekunden.

Sie verstrichen. Ohne weiteres Tor. Diese drei Punkte gehen an Dortmund. Was nicht hätte sein müssen. Was nicht gerecht war. Wenigstens hat unsere Mannschaft gezeigt, dass sie noch kämpfen kann. Und vor allem will. Und dass Sandro Schwarz seinem Team auch ordentlich den Marsch blasen kann. Was aber war da im ersten Durchgang passiert? Und warum?

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