Es war ein Fest

Unglaublich, aufregend emotional, denkwürdig, dieses 5:0 gegen Freiburg, ein Spiel, über das wir noch lange sprechen werden, das uns in Erinnerung bleiben wird – zumal dieses Ergebnis von Anfang an eigentlich gar nicht denkbar war, nicht erwartbar in dieser Höhe. Und die Zeichen in den ersten 15 Minuten klar gegen uns standen. Freiburg war am Drücker, länger am Ball, dominanter, passsicherer, nutzte die Lücken im Mittelfeld, die wir großzügig ließen, kombinierte sich nach vorne und setzte uns unter Druck. Wir konnten nicht dagegenhalten.

SC-Trainer Christian Streich wunderte sich noch bei der anschließenden Pressekonferenz. Er habe ja schon einige Spiele gesehen, aber so eines noch nicht. Dass der Gegner, der Gast, eigentlich besser war, sagte er zwar bescheidenerweise nicht, aber es traf zu. Und dennoch verlor sein Team haushoch. „Es war herausragend, wie sie die Tore gemacht haben“, sagte Streich anerkennend über das gastgebende Team.

Was, wie gesagt, nicht zu erwarten war. Denn es war so gar nichts zu sehen von dem Gift, das die Mannschaft von Sandro Schwarz in die Zweikämpfe legen sollte. Abwartend, verhalten, den Angreifer begleitend, aber nicht eingreifend, ja, ängstlich wirkte das Team in den ersten 15 Minuten. Freiburg hatte gleich zwei Top-Chancen, die unser Keeper Florian Müller mit tollen Paraden verhinderte. Müller war an diesem Flutlichtabend einer der Besten. Unfassbar, wie schnell er bisweilen reagierte.

Von Beginn an war Schlimmes zu befürchten. Ja, mir ist klar, wie sehr ich mich aufgeregt habe in dieser Phase, wie laut ich gebrüllt habe. Zum Glück war ich nicht der einzige. Aber es zeigt, wie sehr wir als Fans endlich eine Wende erwartet hatten, einen Befreiungsschlag. Der dann doch so überraschend kam. Und das Stadion zum Tollhaus machte. So viele jubelnde Menschen, Fremde, die sich gegenseitig abklatschten. Es war ein Fest!

Und das wirkte offenbar ansteckend auf das Team – der berühmte zwölfte Mann. Oder die zwölfte Frau. Ganz egal. Wie Nico Bungert, der Oldie, der sich vermutlich schon als fünftes Rad am Wagen wähnte, weil er in dieser Saison vielleicht bislang nur 3 Minuten gespielt hatte. Doch er räumte mit seinen Grätschen die Angreifer weg – unter dem breiten Jubel der Zuschauer. Gefühlter Wahnsinn! Das erinnerte mich an Spiele unter Klopp. Einfach wunderbar!

Dem Glück und einem Lapsus des Freiburger Schlussmanns ist es zu verdanken, dass unser Team in die Spur fand. In der es schon lange nicht mehr gewesen war. Boëtius, der mir noch viel zu selten und mit zu wenig Konstanz seine wahre Klasse zeigt, trieb sein Team nach vorne. Wobei noch zu hinterfragen ist, ob die Systemumstellung von der Raute in den berühmten alten Tannenbaum solche Wirkung entfachte oder nicht einfach nur der Mut nach diesem Führungstor. Mateta, zuletzt eher wie ein Fremdkörper im Sturm, bekam plötzlich verwertbare Bälle. Er brauchte nicht viele Anläufe. Beim zweiten war der Ball drin. Tempo aufgenommen, sehenswert den Torwart umspielt – einfach grandios. Und dann ging das so weiter. Balleroberung, schnelles Umschalten, Treffer. In seltener Effizienz.

Der Spielverlauf zeigt uns auch, wie verrückt und unerklärlich der Fußball manchmal ist, wie schnell sich ein Spiel grundsätzlich verändern kann, wie viele beeinflussbare Faktoren es gibt. Heute gewinnst du 5:0, morgen verlierst du 0:5 (oder 0:6 bei den Bayern). Gerade dieser vergangene Spieltag hat das gezeigt wie kaum ein anderer – Bayern hatte große Mühe im Pokal mit dem Zweitligisten Heidenheim, gewinnt aber 5:0 gegen Verfolger Dortmund, tat sich indes bei seinem 1:1 gegen Freiburg schwer – die wir wiederum mit 5:0 schlugen.

Zum Glück ist das noch so. Wenn Fußball am Reißbrett planbar wäre – wer würde dann noch ins Stadion gehen?

Egal. Ich wünsche mir mehr solche Spiele.

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