Keine Chance gegen Bremer Offensivgeist

Kein guter Wiederbeginn für unser Team nach der Länderspielpause. Nach einer 0:6-Klatsche in München und drei verlorenen Spielen nämlich auch noch das: Gbamin kam am Freitag zu spät zum Training, und der Trainer ließ ihn deshalb für das Spiel in Bremen zu Hause. Disziplinarische Entscheidung. Und aus meiner Sicht völlig konsequent. Denn wer durch sein Verhalten nicht klar macht, dass er selbst die ernste Situation des Vereins erkannt hat, der hat grundsätzlich etwas nicht verstanden. Und wer nur darüber nachdenkt, wann und wohin er nach der Saison wechseln wird, der ist nicht bei der Sache, dem fehlt eine professionelle Einstellung.

Folglich hatte Trainer Sandro Schwarz sein Team gegen Bremen umstellen müssen: Auf die zentrale Mittelfeldposition kehrte Kunde Malong zurück (ich hatte ihn ohnehin schmerzlich vermisst). Ganz vorne unser Drei-Tore-Schwedenmann Quaison neben Mateta, rechts außen unser U21-Star Ötztunali, zentral Boëtius und links Latza. Auf die linke Außenposition kehrte Aaron zurück. Ansonsten in der bewährten Konstellation. Auf der Bank nach längerer Zeit mal wieder zu finden: Ridle Baku.

Es dauerte jedoch keine drei Minuten, da kassierte das Team seinen nächsten Nackenschlag: Ballverlust im Mittelfeld, weiter Pass von Bremens Kruse in die Spitze, wo Rashica völlig alleine stand und Bell nicht mehr hinterher kam. 1:0 für die Gastgeber. Wieder mal wurden unsere Mainzer klassisch ausgekontert.

Nur 4 Minuten später hatte Mateta die Chance zum Ausgleich, doch war der Winkel seines Schusses zu spitz, der Ball ging am Tor vorbei. Aber unsere Jungs wehrten sich, schienen sauer ob des frühen Rückstands. Was man hätte auch erwarten müssen. Keinen Elfmeter entschied dann der Video-Schiedsrichter in der elften Minute nach einer Aktion gegen Quaison im Bremer Strafraum. Pech für Mainz, denn es hatte klar eine Berührung gegeben, und selbst Sky-Experte Markus Merk votierte für Strafstoß.

Es schien also alles gegen unsere Mainzer zu laufen. Wieder einmal. Vor allem Bremens Kruse brachten unsere Jungs nicht unter Kontrolle. Viel zu oft kamen sie in die Rückwärtsbewegung und mussten den stürmenden Bremern hinterherlaufen. Dabei hatten sie genügend Chancen zum Kontern. Das Umschalten dauerte aber oft zu lange, sie verschleppten das Tempo oder verloren die Bälle an die früh pressenden Bremer. Dennoch: Nach 22, 23 Minuten kam wenigstens etwas Sicherheit ins Mainzer Spiel. Da hatten sie ihre Chancen, scheiteren aber am dichten Bremer Strafraum oder am Schlussmann der Hanseaten.

Und sie fingen sich immer wieder schnelle Bremer Konter ein. Haarsträubende Szenen spielten sich da vor dem Mainzer Tor ab, nur mit Mühe und Glück verhinderten Bell und Co. Schlimmeres. Aber nur bis zur 36. Minute. Da konnte Niakhaté den Ball nicht klären, der landete zum Glück der Bremer bei Kruse – schon stand es 2:0 für die Gastgeber. Sehr effektiv, die Werderaner, und mit dem Glück auf ihrer Seite.

Maxim für Ötztunali – Schwarz reagierte gleich zum zweiten Durchgang. Ganz realistisch betrachtet, hätte es schon einer Maximal-Leistung bedurft, um das Blatt zu wenden. Aber schon einmal war das gegen Bremen gelungen, wir erinnern uns, wie Fabian Frei sozusagen in letzter Minute den Ausgleich zum 2:2 erzielt hatte.

Und tatsächlich, 6 Minuten waren gespielt im zweiten Durchgang, da flankte Boëtius den Ball in den Bremer Strafraum, wo Quaison aus ganz kurzem Winkel seinen Fuß hinhielt und auf 1:2 verkürzte. Unnachahmlich Quaison. Und jetzt kamen sie wieder, unsere Mainzer, meist über die linke Seite mit Aaron. Doch im Abschluss hakte es, fehlte der letzte, der entscheidende Ball. Dennoch – vielleicht war der psychologische Moment nun bei Mainz, da Bremen sich schon nah am Sieg gewähnt hatte. Tatsächlich erspielten sich unsere Mainzer nun zahlreiche Chancen, standen hinten kompakter, gingen viel aggressiver in die Zweikämpfe, verpassten vorne aber oft, wenn auch knapp.

Doch dann wieder der Nackenschlag. Ausgerechnet in der positiven Mainzer Phase. Wieder Kruse, der traf. Nach feinem Vorspiel der beiden Bremer Eggesteins, die unsere Abwehr umkurvten, als handle es sich um Slalomstangen. Da war nun der Qualitätsunterschied schlichtweg ausschlaggebend. Wobei wir auch hier berücksichtigen müssen, dass Bremen vor der Übernahme durch Trainer Kohfeldt ein Abstiegskandidat war.

Schwarz wechselte dann noch Ujah und Onisiwo ein, was zu weiteren Chancen, aber keinen Treffern führte.

Das 1:3 von Bremen ist ein erneuter Tiefpunkt in der Entwicklung unserer Mannschaft. Das alte Gesicht, die typischen Tugenden, die der Trainer vor der Begegnung beschworen hatte, blitzten nur hier und da mal auf. Insgesamt fehlte es an Konsequenz und Klarheit im Auftreten, wobei auch das frühe Tor schadete.

Klar ist: Unsere Jungs sind noch lange nicht gerettet. Und wenn das in diesem Tempo mit derart vielen Gegentoren weitergeht, landen wir auch da, wo wir uns bislang gar nicht sahen. Sandro Schwarz hat derzeit also jede Menge Baustellen in seinem Team. Nun kommt Freiburg, die Mannschaft, die gegen die übermächtigen Bayern heute so eine gute Figur gemacht hat, das Team, bei dem es seit Wochen immer besser läuft. Ein gutes oder optimistisches Gefühl verschafft mir das nicht.

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