6:0 – Bayern spielen sich gegen Mainz den Frust von der Seele

Für die Bayern war das ein Auftakt nach Maß. 1:0 nach zwei Minuten. Von Beginn an setzten sie unsere Truppe gehörig unter Druck, während wir nicht dagegenhielten, vor allem nicht giftig genug. Die engagierten Münchner verschoben intensiv in die gegnerische Hälfte, drängten uns von Anfang an vors eigene Tor. Und unsere Defensive ließ sie gewähren, attackierte die Ballführenden nicht, ging nicht mutig drauf, begnügte sich mit Zustellen. So konnte Lewandowski frei durch die Abwehr ziehen – 1:0. Unser Team schien wie gelähmt, ließ dem Gegner viel zu viel Raum. Sandro Schwarz gestikulierte an der Seitenlinie, forderte energischeres Draufgehen.

Ein Spielaufbau gelang den Mainzern nur bruchstückhaft. Entweder kamen die Pässe gar nicht an oder die Bälle gingen in den Zweikämpfen verloren. Die Bayern verschoben aber auch sehr geschickt, besetzten die viel zu offenen Räume, suchten die Schnittstellen, schalteten sehr schnell um. Da wirkte unser Team einfach zu statisch. Mehr Mut mochte man zurufen, mehr Zutrauen in Euch selbst, mehr Aggressivität. Endlich mal war Mateta in der 15. Minute nach steilem Zuspiel durch und Boateng in allerletzter Minute an der Kugel. Da war mehr drin. Und der anschließende Eckball geriet eher kläglich.

Ötztunali hatte in der 24. Minute noch die allerbeste Chance zum Ausgleich, verzog aber im letzten Moment. Boëtius dann mit einer frechen Attacke von Torhüter Neuer, der den Ball gerade noch sichern konnte. Mehr Willen, mehr Entschlossenheit in den Attacken – die Chancen gegen den FCB wurden nicht konsequent genug ausgespielt. Und das Team schien immer Angst zu haben, einen Konter der Bayern einzufangen. Die Gefahr bestand permanent, wobei die Bayern auch als Team gut nach vorne kamen. Wie in der 33. Minute bei einer schönen und schnellen Kombination, die James durch Hacks Beine zum 2:0 abschloss.

Dann ging es noch schneller: Mainzer Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, die rechte Seite völlig offengelassen, ratzfatz war Coman durch und traf sehenswert zum 3:0. Wir rannten wieder mal nur hinterher. Die Bayern hingegen wie berauscht, spielten sich gegen uns ihren Liverpoolfrust von der Seele. Dann – endlich – Pause.

Nicht dass man gegen den FCB nicht verlieren kann. Aber, so hatte es Sandro Schwarz vorab gesagt, die Mannschaft definiert sich letztlich über ihr Auftreten. Und das ließ zu wünschen übrig. Keine Aggressivität, kein Selbstvertrauen. Das Team wirkte zumindest nicht so, als ob es daran glauben würde, in München was holen zu können. So dürfte der Trainer seine Ansprache zur Pause vermutlich entsprechend formuliert haben, er brachte direkt zum Wiederanpfiff Kunde für Boëtius, verstärkte so das defensive Mittelfeld, das sich bei gegnerischen Angriffen besser verdichtete.

Doch auch das half nicht gegen die spielfreudigen Bayern. In der 51. Minute nutzte erneut James das freie Schussfeld – 4:0. Das Gute daran: Es waren nur noch 39 Minuten zu spielen. Aber auch diese Hoffnung trog: James traf zum dritten Mal in der 54. Minute: 5:0. Feuer frei! Hack hatte ähnlich wie gegen Leverkusen schlecht verteidigt. Aber er war auch nur der Letzte in einer langen Fehlerkette. Das Mainzer Team befand sich in kompletter Auflösung – kein Stellungsspiel, keine Struktur. Und nichts gelang. In dieser Phase wurden viele Bälle einfach nur noch weggeschlagen.

Schwarz nahm seinen Stürmer Mateta runter – sehr blass war er geblieben – und verstärkte mit Aarón erneut die Verteidigung. Und jetzt gewannen unsere Jungs einen Tick mehr Sicherheit, versuchten es auch mal wieder beherzt nach vorne. Dennoch – das 6:0 folgte mit dem frisch eingewechselten Davies sozusagen auf den Fuß. Kundes mutigen Gegenstoß vereitelte Süle dann mit einem taktischen Foul. Schwarz verwarf dann wohl alle Pläne, stellte von 4–3–3 auf 5–4–1 um, erlöste Ötztunali und brachte mit Donati einen sechsten Verteidiger.

Klar: Gegen Bayern haben schon andere veritabel verloren. Wir erwischten die Münchner ausgerechnet in solch einer entscheidenden Phase des Titelkampfs. Allerdings gefiel mir der Auftritt unserer Mannschaft absolut nicht, die – zugegeben – durch das frühe Tor gleich in eine negative Richtung geschossen wurde. Was als Erklärung letztlich nicht ausreicht.

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