In Wolfsburg zum dritten Mal in Folge hoch verloren

Sehr früh geriet unser Team in Wolfsburg unter Druck – und leichtfertig in Rückstand. Schon in der vierten Minute klingelte es in Müllers Tor, da keiner der Abwehrspieler eingriff. Brosinski stellte sich nur in respektvollem Abstand vor seinen Gegenspieler Arnold, der den Pass schon ungehindert bekommen und dann noch alle Zeit der Welt hatte, das lange Eck anzuvisieren. 1:0. Kurz, aber schmerzvoll. Und ein schlechtes Omen.

Jetzt sollte sich zeigen, ob Sandro Schwarz‘ Team nach den jüngsten hohen Niederlagen tatsächlich nicht verunsichert war, wie es diesen frühen Rückstand bewältigte. Zumindest griff die Mannschaft jetzt druckvoller an, schien fast ein wenig sauer zu sein über den eigenen Fehler. Vieles jedoch wirkte hastig, ungenau, wenn auch gelungene Spielzüge dabei waren, die aber leider nicht erfolgreich ausgingen. Unser Team hatte jedoch mehr und mehr Szenen im gegnerischen Strafraum, schuf Überzahl mit seinen Außenverteidigern, – leider ohne wirklich effektiv zu sein. Symptomatisch ein in der 18. Minute aus dem Strafraum heraus ins offene Feld geschlagener Pass von Boëtius, der weit und breit keinen Mitspieler finden konnte.

Zurück im Team von Anfang an: Latza, Gbamin, Kunde und Boëtius. Also wieder mit Mittelfeldraute, mit der unsere Mannschaft bislang am erfolgreichsten aufgetreten war. Hack wurde durch Niakhaté ersetzt, ansonsten blieb das Team unverändert.

Und das hatte seine Chancen, drängte, suchte aber noch nach dem passenden Werkzeug, während Wolfsburg die Zügel schon etwas lockerer anfasste. So schien es. Einzig Keeper Casteels knallte mit Vehemenz gegen Quaison, der danach Mühe hatte, seinen Kopf zu drehen, während seine Mitspieler Glück hatten, dass der Schiri bei einem Handkontakt nicht auf Elfmeter entschied. Das fußballerische Niveau blieb insgesamt bescheiden, beide Teams wirkten solide, mehr aber auch nicht, da gab es sehr wenige spielerische Höhepunkte oder besonders ausgebuffte, einfallsreiche Spielzüge, insgesamt wenig Tempo. Die Mannschaften gingen vor allem auf die zweiten Bälle, verloren das Spielgerät aber auch immer wieder.

Unsere Nullfünfer wirkten inzwischen aktiver als der Gastgeber – das bestätigte auch die Statistik des Kicker –, nutzten aber ihre Chancen nicht; es fehlte schlichtweg an der Effektivität. Auch kam unser Team kaum ins Tempo und damit in Umschaltaktionen, dafür stand Wolfsburg zu kompakt. Was auch umgekehrt galt. So ging es mit dem knappen Wolfsburger Vorsprung in die Pause, und ich fragte mich wieder mal, wie dieser wirklich unnötige Treffer überhaupt zu Stande kommen konnte und warum unsere Jungs da immer wieder so fahrlässig agieren.

Wo blieb die Reaktion der Nullfünfer auf die letzten beiden Niederlagen? So richtig mutig zogen sie ihr Spiel nicht auf, das war bislang nur im Ansatz die von Sandro Schwarz gewünschte Balance zwischen Angriff und Verteidigung. Einen guten Moment vorne vor dem gegnerischen Tor – und den konsequent nutzen. Das fehlte noch.

Zumindest zum Auftakt des zweiten Durchgangs überboten sich beide Mannschaften gegenseitig an Harmlosigkeit. Einziger Höhepunkt war bis zur 54. Minute ein von Arnold getretener Freistoß aus etwa 25 Metern. Den Flatterball parierte Müller souverän. Ansonsten mühten sich unsere Jungs wie bislang eher verbissen und immer noch glücklos gegen nun aktiver werdende Wolfsburger.

Sandro Schwarz nahm Quaison in der 60. Minute runter, brachte Onisiwo. Erst kurz zuvor hatte der Schwede die beste Chance seiner Mainzer zum Ausgleich nicht genutzt, war knapp am Pass vorbeigerutscht. Seine Mitspieler machten es kaum besser, Pässe gingen ins Leere oder zum Gegner.

Und dann die Kuriosität des Spiels überhaupt: Elfmeter für Wolfsburg. Etwa eine Minute nach einer umstrittenen Aktion bekam der Schiedsrichter einen Hinweis vom Unparteiischen, der in Köln am Videoschirm saß. Offenbar werden wir zum Lieblingsobjekt der Video–Schiedsrichter. Angeblich ging Gbamin aktiv mit dem Arm zum Ball (na ja, kann man schon pfeifen). Was zur Erkenntnis etwa eine Minute dauerte. Elfmeter also und 2:0 für Wolfsburg. Jetzt wurde es eng für unsere Mainzer. Erst recht, als kurz darauf das 3:0 fiel. Unglaublich. Müller konnte einen Freistoß von Arnold nicht wegschlagen, die Mannschaft tanzte dann zwischen den Reihen hin und her und bekam den Ball ebenfalls nicht aus der Gefahrenzone. Wolfsburg schlug zu und traf. Da hatte bei unserem Team vermutlich auch das Nervenkostüm eine Rolle gespielt.

Schwarz reagierte, nahm Latza raus und Boëtius, brachte Holtmann und Ujah. Aber was sollte in den letzten 11 Minuten noch groß passieren? Das Mittelfeld brachte nach wie vor kaum Bälle in den Sturm. Wenn mal etwas ging, dann rechts über Brosinski, aber selten wirklich gefährlich. Kein Glück, zu harmlos, keine Effektivität. Und der Elfmeter hatte uns den K.o. verpasst.

Natürlich dürfen wir jetzt enttäuscht sein. Aber bitte nicht kopflos und die Schuld bei einzelnen Spielern suchen. Mannschaftlich hat vieles nicht funktioniert im Spiel, da könnte ich auch keinen besonders negativ hervorheben. Das war insgesamt ein magerer Auftritt mit zudem ziemlichem Pech vor dem 0:2. Wir hatten diesmal zwar ein paar bessere und dominante Phasen. Hinten waren wir dennoch oft leichtsinnig und ohne Konzentration, nach vorne zu harmlos. Vermutlich sind die Jungs doch ein großes Stück verunsichert. Was angesichts von elf Gegentoren in drei Spielen zur Besserung motivieren sollte. Die Mannschaft braucht unsere Unterstützung mehr denn je. Und eine gute Hand unserer Trainer.

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