Heile, heile Gänsje…

Fassenachtsspiele in Mainz werden nicht nur mit wunderschönen Trikots zelebriert, sondern sind immer auch etwas Besonderes. Das war an diesem Freitag in der Begegnung mit Leverkusen nicht anders. Nur viel anders als wir uns das erhofft hatten. Das erinnerte an die Auftritte in Mönchengladbach und Leipzig – allerdings diesmal vor heimischem Publikum.

Sandro Schwarz hatte sein Team umbauen müssen, da Gbamin leicht angeschlagen war und deshalb zunächst auf der Bank sitzen musste, Bell seine Gelbsperre abgesessen hatte. Hinten sah das nach Fünferkette aus, die bei eigenem Ballbesitz in eine Dreierkette verwandelt wurde – der Zischer übte vorab die Dreierkette schon mal schunkelnd auf der Tribüne. Trotz Fassenachtsspiel mit Narrentrikot blieb das Stadion nur zu zwei Dritteln gefüllt… immerhin, wer nicht kam, ersparte sich zunächst mal eine kleine Demütigung.

Die Narren durften Leandro Barreiro neu in der Mannschaft begrüßen. Der Debütant vertrat Gbamin, eskortiert von Kunde und Boëtius. Vorne wieder mit Mateta und Quaison. Der Franzose hatte gleich zu Beginn die Riesenchance zur Führung, schien aber überrascht davon und vergab. Nur kurz darauf jedoch traf bereits der Gast aus Leverkusen – die Mainzer mustergültig ausgekontert nach einem saublöden Ballverlust bzw. Fehlpass von Hack. Das war gleich wieder ein Dämpfer zu Beginn nach nur fünf Minuten, der den Spielverlauf hoffentlich nicht wieder ins Negative ziehen sollte. Wieder einmal musste die Defensive dem Ball hinterherrennen. Nichts gelernt aus Augsburg?

Nur zwei oder 3 Minuten nach diesem Leverkuser Führungstreffer traf unser Schwede, Robin Quaison, bei einem Eckball. Diesmal sah die Gästemannschaft gar nicht gut aus. Das war doch nach unserem Geschmack!

Was man dann von der 19. Minute an leider nicht mehr behaupten konnte, da stellten sich unsere Jungs erneut sehr dämlich an. Diesmal sprang Stefan Bell am Ball vorbei und wieder schaltete Leverkusen extrem schnell um, Havertz war da und schoss die Kugel in Florian Müllers Tor. 1:2 aus Mainzer Sicht. Da fehlte es an Konzentration in der Defensive, in Abstimmung mit dem zentralen Mittelfeld, an Absicherung. Unsere Elf schien mir ein wenig zu offensiv eingestellt so ganz ohne Mittelfeldraute und mit Dreierkette. Sandro Schwarz jedenfalls schien beim 1:2 richtig sauer, schließlich hatte seine Mannschaft erst Minuten zuvor den gleichen Fehler begangen, der bereits zu einem Gegentreffer geführt hatte.

Leverkusen machte das aber auch ziemlich gut, geradliniger und schnörkelloser als die Gastgeber, mit einem sehr direkten und blitzschnellen Zug zum Tor, meist über Brandt, Havertz, Bellarabi oder Volland. Ein ums andere Mal wirkte unsere Abwehr, vor allem Stefan Bell, ziemlich überfordert, mindestens aber irritiert. In der 28. Minute ging der Ball noch an die Latte, aber nur eine Minute später traf Brandt zum 3:1. Nicht dass unsere eigene Truppe keine Chancen gehabt hätte, Quaison und Mateta erarbeiteten sich einige, waren jedoch längst nicht so zwingend wie die Gäste. Das machte den Qualitätsunterschied aus. Unser Team bekam den Gegner aber auch nicht in den Griff. Immer wieder tauchte einer frei vor Müllers Tor auf, und nur mit Glück stand es in der 37. Minute immer noch 1: 3. Was war mit unserer Abwehr los? Defensiv war das fast ein Offenbarungseid.

Das Spiel wurde hitziger, auch weil unsere Jungs ein wenig gefrustet in die Zweikämpfe gingen – sie hatten ja meist das Nachsehen. Der Frust führte wenigstens mal zu einem Lattentreffer durch Aarón, doch schon im Gegenzug quasi folgte die nächste Ohrfeige für unsere Jungs, das 1: 4 durch Bellarabi, der sehenswert traf. Bayer musste eigentlich nur die Zweikämpfe unserer schwachen Elf gewinnen, Bälle abfangen oder auf Ballverluste warten und dann blitzschnell umschalten. Dagegen hatten wir kein Mittel. Vier Gegentreffer in einer Halbzeit – das gab es noch nie bei 05 in der Bundesliga. Da blieb nur noch Sprachlosigkeit. Der Kommentator von Eurosport sagte dazu nur: Das Abwehrverhalten der Mainzer ist nicht bundesligatauglich.

Bis dahin sprach auch die Statistik eindeutig für die Gäste: 5 Kilometer mehr gelaufen, doppelt so viele Pässe gespielt. Nur bei den Torschüssen waren beide fast gleichauf. Also – die wenigen Chancen besser genutzt – und schon hätte es im Mainzer Stadion anders ausgesehen. War da noch was drin im zweiten Durchgang, wenn Schwarz seine Defensive wieder umstellte auf eine Viererkette im 4–4–2? Tatsächlich sah das gleich zu Wiederanpfiff genau so aus, doch lag das Chancenplus wieder bei Leverkusen. Bailey verpasste gleich nur knapp.

Schwarz brachte Gbamin, nahm aber dafür nicht den Youngster Barreiro raus, sondern den robusten Kunde. Was für den im Spiel verbliebenen Luxemburger sprach? Hier war keiner besser als der andere. Das Spiel hatte nun weniger Strafraumszenen, da auch die Mainzer hartnäckiger versuchten, die Gäste früher abzuholen und im Verbund zu verteidigen. Das gelang zwar nicht immer, doch ging die Taktik erst einmal auf. Der Mainzer Trainer wechselte noch einmal, brachte den offensiven Onisiwo für den defensiven Spanier Aarón Martín. Es half nichts, das 1:5 fiel in der 64. Minute durch Brandt nach einem schönen Doppelpass mit Volland. Was wieder viel zu einfach für den Gegner lief. Etwas zu ironisch für meinen Geschmack meinte der Kommentator da: Wolle mehr se roilasse, kriegt hier eine ganz neue Bedeutung. Tja, wer den Schaden hat…

Sehr gerne würde ich hier nicht erneut schreiben müssen, dass das Beste in unserem Spiel noch der Abpfiff war. Aber ich sehnte ihn schon kurz nach der zweiten Halbzeit herbei. Da lief nichts mehr zusammen bei unseren Jungs, die Nerven lagen zudem blank, mancher bewegte sich hart an einer Karte. In den letzten 20 Minuten durfte der schnelle Holtmann für Boëtius stürmen – doch er sollte später den aussichtsreichsten Ball zum zweiten Mainzer Treffer vertändeln. Schwarz schien mir auch ein wenig aus Verzweiflung zu wechseln. Die einzigen, die noch Humor (Galgenhumor) bewiesen. waren unsere singenden und schunkelnden Fans. Die machten richtig Party! Heile, heile Gänsje… Ich hab Ehrfurcht vor Euch!

Wie das nun mit der Mannschaft weitergehen soll nach zwei derart verlorenen Spielen, ist mir derzeit nicht klar. Das wird nicht einfach für das Trainer-Team. Ich hoffe, sie bringen die Jungs wieder auf Vordermann.

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