Das Beste war noch der Abpfiff

Alle Vorurteile wieder mal bestätigt: Spiele gegen Augsburg sind immer besonders. So verlief schon mal die Spielentwicklung für unseren 1. FSV Mainz 05 auswärts gegen den FCA sehr ungünstig. Warum Brosinski im Strafraum die Arme in die Luft riss und so den Ball abfing, der Schiedsrichter zwangsläufig Elfmeter für Augsburg pfeifen musste – sei es drum. Jedenfalls lag unser FSV dann gleich in der neunten Minute schon mit 0:1 auswärts in Rückstand. Bis dahin hatte er sich eher durchschnittlich durch das Schneegestöber gekämpft.

Den FCA schien der frühe Treffer zu beflügeln, denn er setzte vehement nach und unsere Nullfünfer gehörig unter Druck. Die schienen nach dem Gegentreffer erst einmal alles Mögliche besser machen zu wollen. Da musste nach dieser Anfangsphase vor allem mehr Ruhe ins hektische und etwas unkoordinierte Mainzer Spiel. Das dauerte mindestens bis zur 22. Minute, da erhielt der FSV einen Freistoß links in Höhe des Strafraums, den der Augsburger Keeper nicht festhalten konnte. Hätte da Mateta etwas näher am Tor gestanden…

Das war bis dahin die einzig wirklich echte Chance für die Nullfünfer, so rannten sie weiter etwas ungestüm an, immer wieder alarmiert und unterbrochen von Balleroberungen oder schnellen Umschaltaktionen der Gastgeber. Die nutzten dafür jede Chance und profitierten auch davon, dass die Gäste hinten oft zu weit aufmachten. Aber da war ganz hinten noch Torwart Florian Müller. In der 32. Minute verhinderte er sehenswert vor dem freistehenden Gregoritsch das 2:0.

Das fiel jedoch kurz darauf dennoch – und, man kann es kaum glauben, erneut bei einem Handelfmeter. Diesmal hatte Niakhaté völlig überflüssigerweise die Flossen ausgestreckt, noch dazu bei einem Ball, der ohnehin zur Ecke geflogen wäre. Aber da hätte man schon deshalb nicht unbedingt pfeifen müssen. Dennoch: Was war da los heute mit unseren Jungs? Zum Glück verhinderte Müller kurz darauf das dritte Tor, in dem er den Ball gerade noch so über die Latte lenkte. Irgendwie waren unsere Jungs jetzt völlig von der Rolle.

Erste Überraschungen hatte es bei der Aufstellung gegeben: Ridle Baku stand in der Aufstellung, der zuletzt starke Kunde saß auf der Bank – da hatte 05-Trainer Sandro Schwarz für die späte Phase des Spiels noch einen besonderen Trumpf in der Hinterhand. Ötztunali musste ebenfalls auf die Bank. Die Mainzer Innenverteidigung lief dann wie erwartet mit Hack und Niakhaté auf, ansonsten vorne wieder mit Boëtius, Quaison und Mateta.

Und das passierte dann auch noch: Latza musste noch vor der Pause passen – er war mit Niakhaté unglücklich zusammengestoßen. An seiner Stelle kam Maxim. Da lief diesmal für die Nullfünfer wahrlich nichts Positives zusammen. Selbst ein Foul an Baku im Strafraum der Augsburger wurde nicht geahndet. Und welch Glück, dass Florian Müller diesen Wahnsinnsschuss von Finnbogason kurz vor der Pause noch entschärfte. Ob das in der zweiten Hälfte für die Mainzer besser laufen sollte? Welch ein Drama.

Klar war: Die Augsburger hatten eine Art Neuanfang ausgerufen. Zehn Spiele nicht gewonnen, die Störer aussortiert und gleichzeitig einen neuen Co-Trainer verpflichtet. Der FCA schien heiß (ganz egal, wie viel Schnee da vom Himmel fiel). Heißer als unsere Jungs, und er ging – wie erwartet – aggressiv drauf. Auch wenn die Sache mit dem zweiten Handelfmeter sehr, sehr diskussionswürdig war.

Nichts wurde besser im Spiel unserer Mainzer. Nach nicht mal neun Minuten des zweiten Durchgangs stand es 0:3. Die Gäste waren zwar zunächst etwas aggressiver aus der Kabine gekommen, hatten dann aber bei einem Zweikampf den Ball im Mittelfeld verloren. Nach schnellem Konter traf Finnbogason zum dritten Mal. Und in der Folge durften sich alle Nullfünfer bei ihrem Keeper bedanken, dass es kein Debakel wurde. Seine Mitspieler jedenfalls übertrafen sich mit Ballverlusten und schlampigen Pässen, die Augsburg immer wieder zu sehr schnellen Kontern nutzte.

Sandro Schwarz brachte Ujah für den diesmal glücklosen Mateta, später noch Onisiwo für Baku. Aber was konnte er sonst noch tun? Sein Team schien jetzt noch weniger inspiriert an diesem kalten und verschneiten Nachmittag in der Fremde. Da war nichts zu sehen von den beherzten Angriffen der vergangenen drei Spiele, nichts von einem Aufbäumen. Gab sich das Team vielleicht damit schon zufrieden? Die Fehler, auch mangels Konzentration und Aufmerksamkeit, die sich unser Team diesmal vor allem in der Defensive erlaubte, müssen Konsequenzen haben. Das lässt sich nicht alleine mit dem Fehlen von Stefan Bell erklären. Denn auch im Mittelfeld lief es nicht rund – kein Forechecking oder Gegenpressing, im Zweikampf zu schwach, meist einen Schritt langsamer als der Gegner. Da muss jetzt das Trainerteam die Ursachen erforschen. Sandro Schwarz sagte jedenfalls direkt nach dem Spiel zum SWR: „Es war halt heute wieder der Beweis dafür, dass wir als Mainz 05 immer das Gaspedal durchdrücken müssen, um gut zu sein. Das ist wieder so ein Lerneffekt aus diesem Spiel heute.“ Hoffen wir’s.

Das beste an diesen 90 Minuten war dann der zeitige Abpfiff.

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