Nervenspiel im Regen

Nicht zu empfehlen: Diese Rauchwolke konnte die Grenzwerte für Feinstaub nicht einhalten.

Dieser Spieltag hatte alles, was ein guter Spieltag nicht braucht. Erst dieser Regen, der unseren Block im Stadion komplett eingenässt hatte, dann dieser frühe, leicht zu vermeidende Gegentreffer, dieser in meinen Augen überforderte Schiedsrichter, dieser erste nicht gegebene Elfmeter und am Ende dieses aberkannte Tor, das den Sieg bedeutet und diesen verregneten Tag hätte versöhnlich ausklingen lassen können.

Woran es lag, dass wir so früh, schon in der zwölften Minute, zurücklagen? Vielleicht waren wir uns zu sicher, da schon einer der ersten Angriffe mit Mateta fast zu einem Tor geführt hätte. Hannover kam immer wieder mit dem gleichen Muster, hätte ebenfalls beinahe getroffen. Wir waren also gewarnt, als 96 mit Asano erneut flink über rechts kam und in den Strafraum flankte, wo der hünenhafte Weydandt viel zu viel Platz bekam und nur noch seinen Fuß hinhalten musste. 0:1. Die großen kräftigen Stürmer, besagter Weydandt, aber auch Füllkrug, mit ihrem körperbetonten Spiel machten uns zu schaffen. Vor allem Stefan Bell hatte viel einzustecken. Kleine Fouls häuften sich.

Das Hannoveraner Handspiel dann als unbeabsichtigt zu werten, mag in Ordnung gehen. So blieb die erste Hälfte ohne weiteren Treffer, wobei das Bemühen unserer Nullfünfer überdeutlich war. Es fehlten aber Präzision, Galligkeit, Aggressivität, manchmal war die eine Denksekunde die entscheidende zu viel. Hannover machte es uns schwer, zerstörte den Spielaufbau und klemmte jeden Ballführenden ab. Sandro Schwarz hatte so etwas wie seine Stammelf aufgebaut, die in einer 4-1-2–3-Grundordnung begann. Boëtius, Mateta und Quaison vorne, die es schwer hatten gegen die großgewachsenen Abwehrreihen. Einzig der ebenso große Mateta hatte seine Szenen.

Aggressiver kam unser Team aus der Pause, drängte, griff an und wollte mit Nachdruck endlich sein Tor. Darauf mussten wir aber erst noch einmal etwas länger warten, denn die Gäste-Fans zündeten eifrig ihre Pyro-Fackeln ab und deckten das gesamte Stadion mit einer dichten Rauchwolke ein, so dass der Schiedsrichter die Mannschaften erst einmal für 6 Minuten in die Kabinen schickte. Als sich der Rauch endlich einigermaßen verzogen hatte, brachte Schwarz Maxim und Ujah für Latza und Kunde, verstärkte also die Offensive. Später folgte Onisiwo für Boëtius. Das erhöhte den Druck auf Hannover zusätzlich, das kaum mehr aus der eigenen Hälfte kam, nur noch zu gelegentlichen Entlastungsangriffen, denen es aber an Präzision fehlte und, wenn einmal Gefahr drohte, entschärfte der hervorragende Robin Zentner. Ein Sturmlauf begann, bei dem unsere Jungs auch ein ums andere Mal im Strafraumgewühl nach dem Ball stocherten, um ihn endlich über die Linie zu drücken – aber nein, es musste erst ein Elfmeter sein, der zum Ausgleich führte und der bei Hannover bis zuletzt sehr umstritten war. Mateta kam im Strafraum zu Fall und beteuerte auch noch nach dem Spiel, dass er keine Schwalbe gegeben hatte.

Der Schiedsrichter brauchte lange, um die aufgebrachten Gäste zu beruhigen, die ihn immer wieder in Diskussionen verwickelten und bedrängten. Brosinski traf dennoch zum Ausgleich, auch wenn der Hannoveraner Schlussmann noch mit den Fingerspitzen dran gewesen war. Die reguläre Spielzeit war eigentlich abgelaufen, doch gab es die Rauchpause oben drauf, insgesamt 10 Minuten. Mit einem hervorragend herausgespielten Treffer, letztlich von Stefan Bell herrlich serviert auf den Kopf von Ujah, der den Ball sehenswert im Tor versenkte. Jubel allerorten, das Stadion stand kopf – um kurz darauf in tiefe Depression zu versinken. Denn der Video-Schiedsrichter spielte nicht mit: Abseits.

Es blieb letztlich beim 1:1.

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